Studie enthüllt: Jeder Fünfte in Deutschland offen für autoritäre Staatsformen
Jeder Fünfte offen für autoritäre Ideen in Deutschland

Demokratie in der Krise? Jeder Fünfte zeigt Sympathie für autoritäre Staatsmodelle

In einer Zeit multipler Krisen und wachsender Unsicherheiten offenbart eine aktuelle Studie alarmierende Tendenzen in der deutschen Gesellschaft. Der Deutschland-Monitor, eine umfassende Untersuchung mit etwa 8.000 Teilnehmern, zeigt, dass erstaunlich viele Bürgerinnen und Bürger offen für autoritäre Regierungsformen sind. Bundesweit sympathisiert etwa jeder Fünfte mit Konzepten wie einer Einheitspartei oder einem starken Anführer ohne parlamentarische Kontrollen. In Ostdeutschland liegt diese Zustimmungsquote sogar bei einem Viertel der Bevölkerung.

Die Kluft zwischen demokratischem Ideal und politischer Realität

Die Studie, die von der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), gefördert wurde, offenbart einen bemerkenswerten Widerspruch. Während 98 Prozent der Befragten die „Idee der Demokratie“ grundsätzlich befürworten und 89 Prozent eine Diktatur unter allen Umständen ablehnen, zeigt sich bei der konkreten Bewertung der politischen Praxis ein deutlich anderes Bild. Nur 60 Prozent der Bundesbürger sind mit dem „Funktionieren der Demokratie“ zufrieden, in Ostdeutschland sind es sogar lediglich 51 Prozent. Insgesamt sehen 71 Prozent der Deutschen eine eher negative Entwicklung der Demokratie in ihrem Land.

„Es ist momentan einfach auch die Vielzahl an Herausforderungen, die die Menschen ja auch wahrnehmen in ihrem Alltag“, erklärte Kaiser im ZDF-Morgenmagazin. Globale Krisen würden bei vielen Bürgern ankommen, besonders wenn Bildung oder finanzielle Ressourcen knapp seien und der Lebensstandard nicht dauerhaft gesichert erscheine. „Das verunsichert die Menschen und das sorgt dafür, dass sie eher affin sind für populistische Antworten“, so die SPD-Politikerin.

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Autoritäre Vorstellungen im „Graubereich“

Besonders aufschlussreich sind die indirekten Fragen der Forscher, die den sogenannten „Graubereich“ autoritärer Einstellungen ausloten. So stimmten bundesweit 31 Prozent der Aussage voll zu: „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die den Willen des Volkes insgesamt verkörpert.“ Weitere 23 Prozent zeigten sich zumindest teilweise einverstanden. In Ostdeutschland liegt die volle Zustimmung bei 35 Prozent, mit zusätzlichen 26 Prozent, die teils/teils antworteten.

Noch deutlicher wird die Tendenz bei der Frage nach politischen Entscheidungen durch eine „starke Führungspersönlichkeit“ ohne parlamentarische Rücksichtnahmen. Bundesweit unterstützen 11 Prozent diese Vorstellung vollständig, weitere 21 Prozent zeigen teilweise Zustimmung. In Ostdeutschland bejahen 15 Prozent diese Aussage komplett, 22 Prozent teilweise.

Die provokante These „Unter bestimmten Umständen ist eine Diktatur die bessere Staatsform“ findet bundesweit bei vier Prozent volle und bei sieben Prozent teilweise Zustimmung. In den ostdeutschen Bundesländern stimmen sechs Prozent voll und zwölf Prozent teilweise zu.

Regionale Unterschiede und strukturelle Faktoren

Die Studie, die seit 2023 jährlich erstellt wird, basiert auf Forschungsteams des Zentrums für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaft Mannheim. Im vergangenen Jahr wurden 4.000 Menschen über 16 Jahre bundesweit sowie 4.000 weitere in einer „Regionalstichprobe“ befragt, um differenzierte Aussagen nach Stadt-Land-Verhältnis und regionalem Wohlstand treffen zu können.

Ein zentraler Aspekt der Untersuchung ist die Veränderungsbereitschaft der Deutschen. 23 Prozent der Befragten geben an, offen für gesellschaftlichen Wandel zu sein und diesen als Chance zu begreifen. 52 Prozent sehen Veränderungen teils positiv, teils negativ. 26 Prozent sind eindeutig skeptisch und fokussieren sich vor allem auf Risiken. Diese kritische Gruppe ist besonders stark in strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands vertreten.

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Bereitschaft für Veränderungen mit einer bedeutenden Ausnahme

Die Forscher stellen fest, dass die Mehrheit der Deutschen bei Themen wie Verteidigung, Wirtschaft, Digitalisierung, Demografie, Klima und Migration bereit ist, persönliche Zumutungen ganz oder teilweise mitzutragen. „Mit einer Ausnahme: Das Ansinnen angesichts der Alterung der Gesellschaft für die gleiche Rentenhöhe länger zu arbeiten, lehnen 58 Prozent als große Zumutung ab“, so die Wissenschaftler.

Elisabeth Kaiser betonte die Verantwortung der Politik: „Aufgabe der Politik sei es, klar zu kommunizieren und für Sicherheit zu sorgen. Das betrifft die soziale Sicherheit, das betrifft aber auch die Sicherheit im Allgemeinen“. Die Regierung habe sich vorgenommen, die Konjunktur zu stärken, Arbeitsplätze zu erhalten – besonders in Ostdeutschland – und Leistungen wie Kinderbetreuung sowie die Daseinsvorsorge vor Ort zu verbessern.

Die Studie zeigt deutlich, dass die Zufriedenheit mit der Demokratie zwar grundsätzlich vorhanden ist, aber wer in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit gesellschaftlichem Wandel gemacht habe, blicke skeptischer auf Zukunft und Demokratie, besonders in Regionen, die sich abgehängt fühlten. Dies müsse ernst genommen werden, so das Fazit der Ostbeauftragten.