Die Andrew-Müdigkeit in der Nachbarschaft von Sandringham
Draußen weht an diesem Freitagnachmittag ein kalter Wind bei fünf Grad Celsius, es regnet in Strömen. Abseits des medialen Trubels finden sich im „The Feathers“ in Dersingham, einem gemütlichen Pub mit angeschlossenem Hotel, jene Bewohner zusammen, die dem anhaltenden Rummel um Ex-Prinz Andrew bewusst aus dem Weg gehen.
Zwei klare Haltungen in der Bevölkerung
Wenn man in und rund um Sandringham, dem königlichen Privatanwesen, auf dem Andrew derzeit lebt, die Menschen befragt, dann gibt es im Wesentlichen nur zwei Antworten: Entweder möchte man aus Respekt gegenüber dem Königshaus nicht darüber sprechen, oder aber es heißt unmissverständlich: „Dieser ganze Trubel soll endlich aufhören.“
Im Pub „The Feathers“, das sich in unmittelbarer Nähe zum Andrew-Anwesen befindet, wollen die Gäste entweder erst gar nicht über den Ex-Royal sprechen oder finden kein einziges gutes Wort für ihn.
„Reporter wie Maden eingefallen“ – Die Erinnerungen an frühere Wellen
Der 74-jährige pensionierte Maschinenarbeiter Sammy, der seinen echten Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte und direkt im Sandringham Estate lebt, erinnert sich noch genau: „Ich habe es noch genau in Erinnerung, wie es war, als im Jahr 2010 die ersten Vorwürfe gegen den damaligen Prinzen Andrew bekannt wurden und 2014 dann die zweite Welle medialen Ansturms auf Sandringham folgte. Die Reporter kamen wie Maden. Ich möchte wirklich nicht mehr viel über diesen Fall verlieren. Es ist für uns hier einfach kein Thema mehr, jeder macht hier sein Ding und wir lassen uns davon nicht mehr nerven.“
Die Forderung nach einem Ende und der Blick auf wichtigere Themen
Ab den Nachmittagsstunden versammeln sich die Stammgäste meist bei Wirt John Higginson, 68 Jahre alt. Er bringt die Stimmung auf den Punkt: „Die Behörden sollen ihren Job machen, aber uns damit in Ruhe lassen. Es wird Zeit, dass dieses Thema endlich abgeschlossen wird, denn wir müssen uns endlich wieder wichtigeren Themen zuwenden. Es ist 2026 und noch immer hungern Menschen, es ist Krieg in Gaza und in der Ukraine. Das sind die Themen, die wirklich wichtig sind.“
Seit elf Jahren betreibt Higginson seine Kneipe. Davor arbeitete er elf Jahre bei Motorola und diente 22 Jahre beim Militär – unter anderem in Detmold in Nordrhein-Westfalen.
„Wir haben keine Lust mehr auf Andrew“ – Respektverlust und Gleichgültigkeit
Die Frage, ob Andrew die Menschen hier nervt, beantwortet ein Gast differenziert: „Das kommt darauf an, wen du hier fragst. Sein Leben hat mit unserem hier wenig zu tun. Er hat ziemlich viele dumme Dinge getan, aber solange er mich in Ruhe lässt, soll er hier leben und machen, was er will.“ Und er fügt deutlich hinzu: „Ich habe sehr viel Respekt für den König, auch für William und Kate. Harry macht natürlich sein eigenes Ding, soll er machen. Wir haben keine Lust mehr auf Andrew. Ich kann nicht sagen, dass ich keinen Respekt für Andrew habe. Er ist mir einfach egal.“
Wirt John Higginson äußert sich noch deutlicher: „Ich habe tiefsten Respekt für den König und die Königin. Ich achte ihn wirklich sehr. Aber Andrew nicht, er ist für mich kein Mitglied der royalen Familie. Er ist eine Schande.“
Der Wunsch nach Ruhe und normalen Gesprächen
Gast Bob, der nach seinem Feierabend in die Kneipe gekommen ist, sagt schlicht: „Lasst uns in Ruhe mit dem Thema. Lasst uns lieber über schöne Dinge sprechen.“ Ein weiterer Stammgast urteilt hart: „Andrew ist wahnsinnig arrogant und eine Schande für die königliche Familie.“
Anhaltende mediale Belagerung trotz lokaler Erschöpfung
Auch einen Tag nach Andrews Festnahme hat der mediale Andrang vor dem Anwesen des 66-Jährigen nicht nachgelassen. Jeder möchte wissen, was der Ex-Prinz als Nächstes unternimmt und ob er sich öffentlich zeigt. Doch das Einzige, was Beobachter seit Freitagmorgen an der „Wood Farm“ beobachten können, ist ein ständiges Kommen und Gehen von Leibwächtern, Lieferanten und zivilen Polizisten in unmarkierten Autos.
Während die internationale Presse weiterhin jede Bewegung vor Ort dokumentiert, sehnen sich die Bewohner von Dersingham und Umgebung nach Normalität und einem Ende der jahrelangen Belagerung durch die Medien.



