Der Bundesparteitag der Linken in Potsdam sollte eigentlich eine Neuausrichtung feiern, doch nach drei Tagen, einem Eklat und einer Entschuldigung steht die Partei vor einem Scherbenhaufen. Der neu gewählte Vorsitzende Luigi Pantisano erhielt bei seiner Wahl am Samstag nur 53,34 Prozent der Stimmen – eine deutliche Ohrfeige für den 46-Jährigen, der ohne Gegenkandidaten angetreten war. Seine Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner wurde mit respektablen 86 Prozent im Amt bestätigt.
Pantisano als Brückenbauer gescheitert
Pantisano, Sohn italienischer Gastarbeiter und bekannt für sein Engagement in der Miet- und Wohnraumpolitik, sollte die Linke anschlussfähiger machen. Doch bereits vor seiner Wahl verstrickte er sich in Widersprüche: In der ARD sprach er sich für eine Zusammenarbeit mit der CDU aus, um die AfD von der Macht fernzuhalten. Kurz darauf bezeichnete er die Politik der Union in der „Bild“-Zeitung als „faschistisch“ und erklärte, es gebe „gar keinen Unterschied“ zwischen CDU und AfD. Auf der Bühne fügte er hinzu, den Genossen aus Gegenden, in denen „jeder Zweite ein Nazi“ sei, nicht in ihre Arbeit hineinreden zu wollen.
Diese Aussagen sorgten in der Partei für Empörung. Ein einflussreicher Linker sagte dem Tagesspiegel: „Das ist schlicht Dummheit. Historisch und aktuell ist das riesengroßer Unsinn.“ Pantisano entschuldigte sich am Montag für seine Aussagen und bezeichnete sie als „verkürzt und in dieser Form falsch“. Doch der Schaden ist angerichtet.
Wut im Osten und drohende Folgen für Landtagswahlen
Besonders in den ostdeutschen Landesverbänden ist die Kritik groß. Eva von Angern, linke Spitzenkandidatin für Sachsen-Anhalt, sagte der „taz“: „Mein Vertrauen in ihn ist erschüttert.“ Gegenüber dem Tagesspiegel betonte sie: „Mein antifaschistisches Licht ist, hier die Menschen vor einer AfD-Regierung oder -Beteiligung zu beschützen.“ Sie gab offen zu, Pantisano nicht gewählt zu haben.
Im Herbst stehen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wichtige Landtagswahlen an, bei denen die Linke möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung spielen könnte. Die Union könnte nun jede Annäherung mit dem Hinweis auf Pantisano torpedieren. Ein Linker meint: „Das Problem ist, dass Pantisano das sachlich nicht zu verstehen scheint und sich wahnsinnig überschätzt.“
Zukunft der Linken ungewiss
Pantisano steht nun vor der Herausforderung, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Er selbst sagte am Rande des Parteitags, es sei jetzt an ihm, Vertrauen zu gewinnen. Doch viele in der Partei halten ihn bereits für schwer beschädigt. Die Linke muss nun entscheiden, ob sie an ihrem neuen Vorsitzenden festhält oder ob der Weg der Neuausrichtung bereits vor seinem Beginn endet.



