Pistorius kritisiert Trumps Putin-Nähe als taktischen Fehler im Ukrainekrieg
Pistorius: Trumps Putin-Nähe ist taktischer Fehler

Bundesverteidigungsminister Pistorius kritisiert US-Präsident Trump scharf

Anlässlich des vierten Jahrestages des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) deutliche Worte gegenüber US-Präsident Donald Trump gefunden. In einem ausführlichen Interview mit dem Deutschlandfunk analysierte der Minister die bisherigen US-Vermittlungsbemühungen und kam zu einem vernichtenden Urteil.

Trumps Ausschluss der Nato-Mitgliedschaft als taktischer Fehler

Pistorius sieht einen gravierenden taktischen Fehler darin, dass Trump eine mögliche Nato-Mitgliedschaft der Ukraine frühzeitig und ohne Notwendigkeit ausgeschlossen hat. »Das wäre ja ein Pfund gewesen, mit dem man auch hätte verhandeln können, über andere Dinge«, erklärte der Verteidigungsminister. Diese Verhandlungsposition sei damit verspielt worden, noch bevor ernsthafte Gespräche überhaupt hätten beginnen können.

Kritik an persönlicher Nähe zu Putin

Besonders deutlich wurde Pistorius bei der Beschreibung des persönlichen Umgangs zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. »Leider habe Trump Einfluss genommen auf den Kriegsverlauf und das Selbstbewusstsein von Wladimir Putin«, so der Minister. Er kritisierte, dass Trump den russischen Staatschef beim Gipfeltreffen in Alaska auf dem roten Teppich »wie einen Kumpel« begrüßt habe, während sich die USA gleichzeitig fast komplett aus der militärischen Unterstützung der Ukraine zurückgezogen hätten.

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Ukrainische Souveränität und Sicherheitsgarantien

Mit Blick auf mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine betonte Pistorius die Souveränität des angegriffenen Landes. »Dies ist eine Entscheidung, die nur die Ukraine treffen kann«, stellte er klar. Wichtig sei dabei, dass sich die Ukraine auf verlässliche Sicherheitsgarantien verlassen könne, wenn sie sich auf Kompromisse einlasse. Der Minister verwies darauf, dass Deutschland inzwischen mit mehr als elf Milliarden Euro allein in diesem Jahr zum größten Unterstützer der Ukraine geworden sei.

Russische Terrorangriffe und ukrainischer Widerstand

Scharf verurteilte Pistorius die russischen Luftangriffe mit Raketen und Drohnen auf ukrainische Städte. »Was dort jede Nacht passiert, hat mit der Eroberung eines Landes nichts zu tun«, erklärte er. »Hier wird die Zivilbevölkerung terrorisiert – bei minus 20 Grad. Und kein Quadratmeter Boden wird damit gewonnen, sondern die Moral der Ukrainer soll gebrochen und das Land zerstört werden.«

Trotz dieser Angriffe betonte Pistorius den bemerkenswerten Durchhaltewillen der ukrainischen Bevölkerung. Umfragen zeigten sogar, dass deren Moral und Entschlossenheit weiter steige. Dies sei ein entscheidender Faktor im andauernden Konflikt.

Keine militärische Entscheidung in Sicht

Zu den Aussichten auf ein baldiges Kriegsende äußerte sich der Verteidigungsminister zurückhaltend. »Auf dem Gefechtsfeld wird es in absehbarer Zukunft wohl keine Entscheidung geben«, sagte Pistorius. Für Verhandlungen sei es daher umso wichtiger, die Unterstützung für die Ukraine hochzuhalten.

Der Minister verwies auf die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation in Russland, die von Experten bereits als »Todeswirtschaft« bezeichnet werde. Für den Kreml müsse ein Punkt erreicht werden, an dem der Krieg langsam die schlechtere Option gegenüber einem Frieden sei. »Das kann man aber nicht durch Schwäche erreichen, sondern nur durch Stärke«, schloss Pistorius seine Analyse.

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