AfD-Spitzenmann Frohnmaier: Ein Fake-Kandidat, der nicht gewählt werden kann
Dieser Sonntag wird für die AfD im Westen Deutschlands historisch. Die Umfragen sehen die Rechtsrandpartei im Südwesten bei 18 Prozent, während es beim letzten Mal nur 9,7 Prozent waren. Das AfD-Ergebnis in Baden-Württemberg könnte fast schon ostdeutsche Dimensionen erreichen. Doch historisch ist auch, wen die Partei im Heimatland von Parteichefin Alice Weidel groß auf die Plakatwände hat kleben lassen: Markus Frohnmaier als sogenannten „Ministerpräsidentenkandidat“.
Der unwählbare Kandidat
Das Problem: Der Mann, der heute am späteren Vormittag in Weil der Stadt an die Wahlurne tritt, kann sich nicht selbst gewählt haben. Markus-Cornel Frohnmaier kann gar nicht gewählt werden! Die AfD hat einen Fake-Kandidaten aufgestellt. Frohnmaier steht bei keinem der 7,7 Millionen Wahlberechtigten in Baden-Württemberg auf dem Wahlzettel. Nicht nur für AfD-Gegner ist dieser „Ministerpräsidentenkandidat“ somit unwählbar.
Als geschickter Foto-Bomber schaffte es Frohnmaier sogar ins TV-Triell – ohne zur Wahl zu stehen. Dies ist möglich, weil in Baden-Württemberg auch jemand zum Regierungschef gewählt werden kann, der nicht im Landtag sitzt. Frohnmaier ist Bundestagsabgeordneter und hat es auch sonst ganz auskömmlich außerhalb der Landespolitik, in die es ihn nur ins oberste Amt zöge.
Frohnmaier: Vom Waisenkind in die Spitzenpolitik
Frohnmaier stellt einen lebenden Widerspruch dar: ehrgeizig, kalkuliert und maximal umstritten. Er trug lange stolz das Etikett der „Russland-Nähe“ mit engen Kontakten nach Moskau. Berichte über interne Kreml-Dokumente beschrieben ihn als Abgeordneten, der „unter absoluter Kontrolle“ stehe. In seinem Umfeld tauchten immer wieder Verbindungen in ein Milieu auf, das sich um kremltreue Rechtsaußen gruppierte.
Seiner Ehefrau, einer russischen Karriere-Journalistin, wurde er auf Kreml-Einladung auf der besetzten Krim bei einem handverlesenen Propaganda-Event vorgestellt. Heute ist sie auf Steuerzahlerkosten in der Bundestagsfraktion angestellt.
Die Förderung durch Alice Weidel
Frohnmaiers Karriere wurde stets gefördert – parteiintern vor allem von AfD-Chefin Alice Weidel. Er war ihr Sprecher und Büroleiter und führt für die Wahl-Schweizerin deren Landesverband Baden-Württemberg. Die Krönung seiner Karriere: Weidel machte ihn zum Chef für die Kontakte zum Trump-Lager in den USA. Frohnmaier agiert somit als eine Art Brückenbauer von Moskau bis nach Washington.
Doch seine Biografie lässt sich gut als Aufstiegserzählung verkaufen: geboren in Rumänien, als Waisenkind nach Deutschland gekommen, adoptiert und groß geworden im Südwesten. Jetzt ist er der Mann, der Ministerpräsident werden will, ohne gewählt worden zu sein – ein wahrer Wahl-Houdini.
Der eigentliche Spitzenkandidat
Der eigentliche Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl ist Emil Sänze. Der 75-Jährige hat seine Aufstiege alle schon hinter sich. Während bei Frohnmaiers Stimmabgabe die Nachrichtenfotografen vor Ort waren, ist von Sänzes Urnengang (noch) kein Foto überliefert. Sänze dazu: „Ich war in meiner Heimatstadt Sulz wählen – um 8.30 Uhr. Und fotografiert habe ich mich nicht selbst …“
Die AfD führt somit mit einem Kandidaten aus dem Hintergrund, während der öffentlichkeitswirksame Frohnmaier als unwählbarer Ministerpräsidentenkandidat agiert. Ein bemerkenswerter strategischer Zug in der baden-württembergischen Landespolitik.



