Warum Baden-Württemberg für die FDP existentiell wichtig ist und ein Scheitern dramatisch wäre
Baden-Württemberg: Existenzfrage für die FDP bei Landtagswahl

Warum Baden-Württemberg für die FDP existentiell wichtig ist und ein Scheitern dramatisch wäre

Kurz vor der entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg steht die FDP vor einer historischen Herausforderung. Es ist völlig ungewiss, ob die Liberalen erneut den Einzug ins Parlament schaffen werden. Die Bedeutung dieses südwestlichen Bundeslandes für die Partei kann kaum überschätzt werden, und ein mögliches Scheitern an der berüchtigten Fünf-Prozent-Hürde wäre hier besonders tragisch und symbolträchtig.

Das historische Stammland der Liberalen

Um die außergewöhnliche Bedeutung Baden-Württembergs für die FDP zu verstehen, muss man tief in die Geschichte der Partei im Südwesten eintauchen. Ihre direkte Vorgängerorganisation, die Demokratische Volkspartei, wurde bereits im Jahr 1946 in Stuttgart ins Leben gerufen und ging zu Beginn der 1950er-Jahre nahtlos in den FDP-Landesverband Baden-Württemberg über. Diese Region ist untrennbar mit prominenten liberalen Persönlichkeiten verbunden – angefangen beim ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss bis hin zum früheren Außenminister Klaus Kinkel.

Baden-Württemberg gilt zu Recht als das eigentliche Stammland der FDP. In der gesamten Geschichte des Bundeslandes sind die Liberalen noch nie bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Selbst in politisch schwierigen Zeiten gelang stets der Verbleib im Parlament: Im Jahr 2011 erreichte die Partei immerhin 5,3 Prozent, 2016 konnte sie sich bereits auf 8,3 Prozent verbessern. Bei der letzten Landtagswahl 2021 gelang dann mit einem beachtlichen zweistelligen Ergebnis von 10,5 Prozent ein echter Achtungserfolg.

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Die aktuelle Krise und die bundesweiten Abstürze

Dieser historischen Stärke stehen jedoch die jüngsten dramatischen Abstürze auf Bundes- und Landesebene diametral gegenüber. Nach dem spektakulären Bruch der Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen im Bund scheiterten die Liberalen bei der Bundestagswahl 2025 mit lediglich 4,3 Prozent zum zweiten Mal in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die jüngsten Landtagswahlen zeichnen ein noch düstereres Bild: Im September 2024 holten die im Osten traditionell schwachen Liberalen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gerade einmal um die 1 Prozent der Wählerstimmen. Zuletzt kam die FDP bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft vor etwa einem Jahr auf magere 2,3 Prozent.

Eine existentielle Frage für die gesamte Partei

Der FDP-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke, brachte die dramatische Situation bereits im Oktober auf den Punkt. Mit Blick auf die Wahl 2026 und den angestrebten Wiedereinzug ins Parlament erklärte er unmissverständlich: „Wenn die FDP das in diesem Land nicht schafft, wird keiner glauben, dass sie irgendwo noch die fünf Prozent überspringen kann.“

Diese Aussage unterstreicht die existentielle Bedeutung der anstehenden Wahl in Baden-Württemberg. Sollte die FDP tatsächlich in ihrem historischen Stammland scheitern, wäre dies nicht nur ein regionaler Rückschlag, sondern ein vernichtendes Signal für die Zukunftsfähigkeit der gesamten liberalen Bewegung in Deutschland. Die Partei steht damit vor einer ihrer größten Bewährungsproben seit Jahrzehnten.

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