Historische Landtagswahl in Baden-Württemberg: Ende der Kretschmann-Ära und Kopf-an-Kopf-Rennen
Baden-Württemberg: Historische Wahl beendet Kretschmann-Ära

Historische Zäsur im Südwesten: Baden-Württembergs Landtagswahl beendet Ära Kretschmann

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg stellt nicht nur eine politische Weichenstellung für den Südwesten dar, sondern besitzt auch bundesweite Signalwirkung. Als erste Wahl seit Jahren ohne den langjährigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann markiert sie das Ende einer politischen Ära und den Auftakt zum Superwahljahr 2026.

Ende einer Ära und Beginn neuer politischer Dynamiken

Nach 15 Jahren an der Spitze Baden-Württembergs tritt Winfried Kretschmann nicht mehr zur Wahl an. Der 77-jährige Grünen-Politiker zieht sich zurück und hinterlässt ein politisches Vakuum, das sowohl die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir als auch die CDU mit Manuel Hagel zu füllen versuchen. Kretschmann regierte seit 2016 mit der CDU, zuvor fünf Jahre mit der SPD, und prägte damit maßgeblich die politische Landschaft des Landes.

Enges Rennen zwischen Grünen und CDU bestimmt Wahlkampf

Was über Monate als klarer Vorsprung der CDU erschien, entwickelte sich in den letzten Tagen vor der Wahl zu einem äußerst knappen Kopf-an-Kopf-Rennen. Mehrere Umfragen zeigen die Grünen nur noch wenige Prozentpunkte hinter der CDU, in einer Erhebung sogar gleichauf bei 28 Prozent. Politikwissenschaftler führen diese Entwicklung unter anderem auf die Popularität von Cem Özdemir zurück.

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Parallel zu dieser Aufholjagd eskalierte der Ton im Wahlkampf spürbar. Nach vergleichsweise zurückhaltenden Monaten veröffentlichte eine grüne Bundestagsabgeordnete ein Video aus dem Jahr 2018, das CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in einer kritischen Situation zeigt. Die CDU wirft den Grünen daraufhin eine Schmutzkampagne vor – eine belastete Ausgangslage für die wahrscheinlichste Regierungsoption: eine Koalition aus Grünen und CDU.

Kampf um die Zukunft der Autoindustrie

Die wirtschaftliche Lage verleiht der Wahl zusätzliche Brisanz. Baden-Württemberg als industrielles Herz Deutschlands ist stark von der Autoindustrie abhängig und wird vom tiefgreifenden Strukturwandel besonders hart getroffen. Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, ganze Regionen blicken mit Sorge in die Zukunft.

Entsprechend rückte Wirtschaftspolitik ins Zentrum des Wahlkampfs. CDU-Spitzenkandidat Hagel tourte unermüdlich durch mittelständische Betriebe, während sein grüner Rivale Özdemir mit dem Slogan „Wir können Auto“ für Aufsehen sorgte und sich offen für eine Verschiebung des Verbrennerverbots zeigte. Die CDU wirft den Grünen daraufhin vor, plötzlich ihre Liebe zum Auto entdeckt zu haben.

Neues Wahlrecht und junge Wählerschaft

Erstmals dürfen in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Zigtausende junge Wählerinnen und Wähler kommen damit neu hinzu, bei insgesamt rund 7,7 Millionen Wahlberechtigten – so vielen wie nie zuvor. Welchen Einfluss diese neuen Stimmen auf das Ergebnis haben werden, bleibt offen.

Hinzu kommen neue Regeln für die Mandatsverteilung. Die Wählerinnen und Wähler haben nun zwei Stimmen – ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat direkt gewählt, mit der Zweitstimme entscheiden die Bürger über eine Partei. Diese Zweitstimme ist maßgeblich für die Kräfteverhältnisse im Landtag.

Bundespolitische Bedeutung und Signalwirkung

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die erste von fünf in einem dichten Superwahljahr 2026 und besitzt damit bundespolitische Strahlkraft. Sollte es für CDU-Spitzenkandidat Hagel am Ende nicht reichen, könnte dies auch Bundeskanzler Friedrich Merz schwächen. Dieser kam extra zum Wahlkampfabschluss nach Ravensburg und betonte die überregionale Bedeutung der Wahl.

Auch für die kleineren Parteien bleibt es spannend: Die FDP könnte erstmals in ihrer Geschichte aus dem baden-württembergischen Landtag fliegen, während die Linke erstmals den Sprung schaffen könnte. Die AfD dürfte stärkste Oppositionskraft werden – eine Zusammenarbeit mit ihr schließen alle anderen Parteien aus. Die SPD steht unter Druck und droht mit ihrem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte des Südwestens.

Nicht ausgeschlossen ist, dass am Ende des Jahres erstmals ein AfD-Politiker an die Spitze einer Landesregierung rückt – eine Entwicklung, die weit über Baden-Württemberg hinaus Strahlkraft entfalten würde.

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