Landtagswahl in Baden-Württemberg: Spitzenkandidaten haben abgestimmt, nun entscheiden die Bürger
Baden-Württemberg: Spitzenkandidaten wählen, Bürger entscheiden

Historische Wahl in Baden-Württemberg: Spitzenkandidaten geben Stimmen ab

Seit Sonntagmorgen sind die Wahllokale in Baden-Württemberg geöffnet, und rund 7,7 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die künftige Zusammensetzung des Landtags zu entscheiden. Diese Wahl markiert einen bedeutenden Wendepunkt, da der langjährige Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt. Die Spitzenkandidaten der großen Parteien haben bereits ihre Stimmen abgegeben, nun liegt die Entscheidung bei den Bürgerinnen und Bürgern des Bundeslandes.

Tradition trifft auf moderne Politik in Gutach

In Gutach im Schwarzwald gestaltete sich die Stimmabgabe besonders farbenfroh: Einige Einwohnerinnen erschienen in traditioneller Tracht an den Wahlurnen, inklusive des charakteristischen Bollenhuts. Dieser Hut gilt neben Kirschtorte und Kuckucksuhr als eines der Wahrzeichen des Schwarzwalds und symbolisiert die Verbindung von regionaler Kultur mit dem demokratischen Prozess.

Die Kandidaten im Porträt

Cem Özdemir, der 60-jährige Spitzenkandidat der Grünen, gab seine Stimme in einem Stuttgarter Wahllokal ab. Allein erschien er in der Schule, wo das Wahllokal eingerichtet war. Özdemir strebt die Nachfolge von Ministerpräsident Kretschmann an und könnte damit die grüne Regierungsbeteiligung in Baden-Württemberg fortsetzen.

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Manuel Hagel, der 37-jährige CDU-Landeschef und Spitzenkandidat, wählte in Begleitung seiner Frau Franziska in Ehingen im Alb-Donau-Kreis. Sollte Hagel die Wahl gewinnen, würde er als bisher jüngster Ministerpräsident eines Bundeslandes in die Geschichte eingehen und einen Generationswechsel in der baden-württembergischen Politik einläuten.

Markus Frohnmaier, der 35-jährige AfD-Spitzenkandidat, legte seine Stimme in Weil der Stadt im Kreis Böblingen ab, begleitet von Beamten des Bundeskriminalamts. Seine Partei zielt darauf ab, bei dieser Wahl erstmals in einem westdeutschen Bundesland die 20-Prozent-Marke zu überschreiten, wobei Umfragen diesen Wert bereits andeuten.

Der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann wählte am Sonntagmorgen in Sigmaringen, begleitet von seiner Ehefrau Gerlinde und Sohn Johannes. Nach 15 Jahren an der Spitze des Landes tritt der 77-jährige Grünenpolitiker nicht mehr an und beendet damit eine Ära, in der er zunächst mit der SPD und seit 2016 mit der CDU regierte.

Umfragen zeigen knappes Rennen

Laut aktuellen Prognosen zeichnet sich ein äußerst knappes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und den Grünen ab. In der letzten Umfrage des ZDF-»Politbarometers« lagen beide Parteien mit je 28 Prozent gleichauf. Die Grünen konnten den Abstand zur lange führenden CDU in den vergangenen Wochen deutlich verringern, was die Spannung im Wahlkampf zusätzlich erhöhte.

Neues Wahlrecht kommt erstmals zur Anwendung

Diese Landtagswahl findet erstmals unter einem reformierten Wahlrecht statt, das dem System der Bundestagswahl ähnelt. Die Wählerinnen und Wähler verfügen nun über zwei Stimmen: Die Zweitstimme ist entscheidend für die Kräfteverhältnisse im Landtag, während die Erststimme den Direktkandidaten im jeweiligen Wahlkreis bestimmt. In 70 Wahlkreisen können die Wahlberechtigten abstimmen, wobei die Sieger der Wahlkreise über Direktmandate in den Landtag einziehen.

Historischer Kontext und Ausschluss der AfD

Die AfD, die vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, dürfte voraussichtlich als stärkste Oppositionskraft aus der Wahl hervorgehen. Alle anderen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausgeschlossen, was die Regierungsbildung möglicherweise komplizieren könnte.

Bei der vorherigen Landtagswahl im März 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 63,8 Prozent, wobei 34.849 Stimmen (0,7 Prozent) als ungültig gewertet wurden. Der neue Landtag wird mindestens 120 Abgeordnete umfassen, die sich aus Direktmandaten und über die Zweitstimmen der Parteien zusammensetzen. Die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler wird die politische Landschaft Baden-Württembergs für die kommenden Jahre prägen.

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