Kommunalwahlen in Bayern: Zahlreiche Stichwahlen stehen bevor
Die Auszählung der bayerischen Kommunalwahlen wird noch mehrere Tage in Anspruch nehmen, doch bereits am Wahlabend zeichneten sich klare Tendenzen und Überraschungen ab. Besonders im Fokus steht die Landeshauptstadt München, wo die Entscheidung über das Oberbürgermeisteramt erst in der Stichwahl am 22. März fallen wird. Viele weitere Rathäuser und Landratsämter im Freistaat werden ebenfalls in zwei Wochen endgültig vergeben.
München: Reiter muss deutliche Verluste hinnehmen
Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD musste im ersten Wahlgang erhebliche Stimmenverluste verkraften. Nach vorläufigen Ergebnissen erreichte er lediglich 35,6 Prozent der Stimmen, während er vor sechs Jahren noch bei 47,9 Prozent gelegen hatte. Sein Herausforderer Dominik Krause von den Grünen folgt mit 29,5 Prozent dichtauf. Reiter selbst bezeichnete den Abend als enttäuschend und räumte Fehler in den vergangenen Wochen ein.
Der Oberbürgermeister war zuletzt wegen nicht genehmigter Zahlungen an den FC Bayern für ein Ehrenamt und die Verwendung des sogenannten N-Worts in einer Stadtratssitzung in die Kritik geraten. Für beide Vorfälle hat sich Reiter öffentlich entschuldigt. Bis zur Stichwahl will er nun verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.
Stichwahlen in weiteren Großstädten Bayerns
Auch in anderen bayerischen Metropolen werden die Oberbürgermeister erst am 22. März gewählt:
- Nürnberg: Amtsinhaber Marcus König (CSU) trifft in der Stichwahl auf SPD-Herausforderer Nasser Ahmed. König erreichte im ersten Durchgang 46 Prozent, Ahmed 26,5 Prozent.
- Augsburg: Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) muss sich gegen Florian Freund von der SPD behaupten. Weber kam auf 34,0 Prozent, Freund auf 19,9 Prozent.
- Bamberg: Die ehemalige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verpasste überraschend den Einzug in die Stichwahl.
In Städten wie Erlangen und Aschaffenburg liegen die CSU-Kandidaten vor den SPD-Amtsinhabern, während in Schweinfurt der SPD-Bewerber die Führung übernahm.
Parteien ziehen erste Zwischenbilanz
CSU-Generalsekretär Martin Huber zeigte sich zuversichtlich angesichts der vielen Stichwahlen, die er teilweise auf das Abschneiden der AfD zurückführte. Man gehe voller Schwung in die nächsten zwei Wochen. Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, äußerte die Erwartung, die Zahl der Freie-Wähler-Landräte mindestens halten zu können.
AfD dürfte landesweit zulegen
Die AfD wird ihr landesweites Ergebnis voraussichtlich steigern, da sie diesmal in allen kreisfreien Städten und Landkreisen mit eigenen Listen antrat. Vor sechs Jahren hatte die Partei 4,7 Prozent erreicht. Allerdings scheint die AfD bei den wichtigen Personenwahlen chancenlos: Bei keiner Landrats- oder Oberbürgermeisterwahl gelang ein Sieg, und ein Einzug in Stichwahlen war am Wahlabend nicht absehbar.
Landesweites Ergebnis steht noch aus
Das endgültige landesweite Ergebnis der Kommunalwahlen wird erst am Mittwoch vorliegen, nachdem alle Stadtrats- und Kreistagswahlen ausgezählt sind. Bei der letzten Kommunalwahl 2020 war die CSU auf 34,5 Prozent abgesackt, die SPD auf historisch schlechte 13,7 Prozent gefallen. Die Grünen hatten mit 17,5 Prozent ihr bestes Ergebnis erzielt, die Freien Wähler kamen auf 11,9 Prozent.
Die Wahlbeteiligung und detaillierte Analysen werden in den kommenden Tagen erwartet, während sich der Blick nun auf die Stichwahlen am 22. März richtet, die in vielen bayerischen Kommunen die endgültige politische Weichenstellung bringen werden.



