Grüne im Wahlkampf: Altes Video von CDU-Kandidat Hagel löst Sexismus-Debatte aus
Grüne lösen mit altem Hagel-Video Sexismus-Debatte aus

Grünen-Politikerin Zoe Mayer entfacht mit altem Video Sexismus-Debatte im Wahlkampf

Stuttgart • Nur wenige Tage vor der entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die Grünen-Politikerin Zoe Mayer mit der Veröffentlichung eines alten Video-Mitschnitts eine heftige Kontroverse ausgelöst. Das acht Jahre alte Interview zeigt CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in einer entspannten Fernsehsendung, wo er über einen Schulbesuch in seinem Wahlkreis Ehingen spricht.

Der Inhalt des umstrittenen Videos

Im Jahr 2018 nahm der damals 29-jährige Hagel an der Sendung „Auf ein Bier“ bei Regio TV teil, die zu Schwäbisch Media gehört. Dabei berichtete er von einem Termin in einer Realschulklasse, die zu 80 Prozent aus Mädchen bestand. Hagel äußerte beiläufig: „Es gibt schlimmere Termine als diesen.“ Zudem beschrieb er die erste Fragestellerin mit den Worten: „Sie hieß Eva. Braune Haare, rehbraune Augen.“ Beide Aussagen wurden von ihm und dem Moderator mit Lachen kommentiert.

Mayer stellt brisante Fragen

Genau diesen Clip lud die Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe nun – dreizehn Tage vor der Wahl – auf Instagram hoch und stellte dazu provokante Fragen. Sie fragte: „Was meint ein Mann damit, wenn er sagt, dass es ein besonders schöner Termin ist, wenn er in einem Zimmer mit maximal 16-Jährigen sitzt?“ und „Würde eine Politikerin genauso über ein Klassenzimmer sprechen, in dem 80 Prozent Jungen sitzen?“

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Mayer rechtfertigte ihre Fragen mit einem Verweis auf eigene Erfahrungen mit Sexualisierung von Mädchen in ähnlichem Alter. Damit warf sie Hagel indirekt vor, sich sexistisch verhalten zu haben.

Kritik an Mayers Vorgehen

Viele Beobachter sehen in Mayers Aktion eine Überschreitung der roten Linie im Wahlkampf. Hagel, der als Ministrant, gläubiger Christ, Familienvater und katholisch geprägter Politiker bekannt ist, wird sexuelle Diskriminierung vorgeworfen – eine Anschuldigung, die nach Ansicht von Kritikern an der Realität vorbeigeht.

Hagel selbst zeigte sich selbstkritisch und räumte ein: „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist.“ Doch die Debatte, die Mayer entfacht hat, geht über diese konkrete Aussage hinaus und berührt grundsätzliche Fragen gesellschaftlicher Kommunikation.

Die größere gesellschaftliche Debatte

Im Kern geht es um die ewige Frage, welche Komplimente oder Beschreibungen zwischen den Geschlechtern angemessen sind. Während manche Frauen sich über Sätze wie „Schickes Kleid“ oder „Wow, Du siehst heute gut aus“ freuen, empfinden andere diese als unangemessen oder sogar sexistisch. Eine einheitliche Sprachregelung wird sich wohl nie finden lassen.

Auswirkungen auf den Wahlkampf

Bislang galt der Wettstreit zwischen Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir und CDU-Herausforderer Manuel Hagel als fair und sachlich geführt. Mit Mayers Aktion droht der Wahlkampf nun eine schmutzige Wendung zu nehmen – genau zu einem Zeitpunkt, da die Grünen in Umfragen sechs bis sieben Prozentpunkte hinter der CDU liegen.

Unter dem Instagram-Post finden sich über 3500 Kommentare, von denen viele Hagel von jeder Schuld freisprechen. Ein Nutzer schrieb: „Klärt lieber Euer eigenes Verhältnis zu dem Thema, bevor ihr andere in den Dreck zieht.“ Diese Reaktionen zeigen, dass Kampagnen dieser Art auch nach hinten losgehen können.

Die entscheidende Frage bleibt: Sollten die Grünen in der heißen Phase des Wahlkampfs nicht besser auf Inhalte setzen, anstatt auf acht Jahre alte Interview-Schnipsel? Die Zeit bis zur Wahl wird zeigen, ob diese Strategie den Abstand zur CDU verringern kann oder ob sie als unnötige Eskalation in die Geschichte eingehen wird.

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