Grüne knapp vor CDU in Baden-Württemberg: Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen nach Ära Kretschmann
Die Ära von Winfried Kretschmann endet nach 15 Jahren an der Spitze Baden-Württembergs. Der Wahlkampf entwickelte sich zu einem aufregenden Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss, das die politische Landschaft im Südwesten neu ordnet. Was folgt aus dem Wahlergebnis und wie geht es im Land weiter? Die Prognosen von ARD und ZDF nach Schließung der Wahllokale zeigen ein enges Rennen zwischen Grünen und CDU, mit einem leichten Vorteil für die Grünen.
Wahlergebnisse und politische Verschiebungen
Die Ökopartei von Spitzenkandidat Cem Özdemir liegt den Prognosen zufolge zwischen 31,5 und 32 Prozent, während die Christdemokraten von Manuel Hagel auf 29 bis 30,5 Prozent kommen. Kann Hagel die Staatskanzlei in der Villa Reitzenstein für seine CDU noch zurückerobern und jüngster Ministerpräsident des Landes werden? Oder darf Özdemir in die Fußstapfen von Landesvater Winfried Kretschmann treten? Klar ist: Nach 15 Jahren endet die Ära Kretschmann, aber die Frage, wer das Land künftig führt, bleibt zunächst offen.
Die FDP muss um den Wiedereinzug in den Landtag bangen, mit Prognosen bei 4,5 Prozent. Sollten die Liberalen die Fünf-Prozent-Hürde verfehlen, fliegen sie erstmals in ihrem Stammland aus dem Parlament, dem sie seit über 70 Jahren angehören. Dies könnte den Niedergang der Partei beschleunigen, da sie auch im Bund nicht mehr vertreten ist. Landeschef Hans-Ulrich Rülke hatte von der "Mutter aller Wahlen" gesprochen und betont, dass ein Scheitern hier die Glaubwürdigkeit der Partei landesweit erschüttern würde.
Die Linke, monatelang durch gute Umfragewerte beflügelt, kommt ebenfalls auf 4,5 Prozent und muss zittern, ob sie zum ersten Mal den Sprung ins baden-württembergische Parlament schafft. Die AfD hingegen verdoppelt ihr Ergebnis auf 17,5 bis 18 Prozent im Vergleich zu 2021, bleibt aber in der Opposition, da keine Partei mit den Rechtspopulisten koalieren will. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, der nicht für den Landtag kandidierte, setzte auf eine härtere Migrationspolitik und die Rettung der Autoindustrie.
Hohe Wahlbeteiligung und Reformen
Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen zufolge bei 69,5 bis 71,5 Prozent und damit deutlich höher als bei der letzten Wahl im Jahr 2021 mit 63,8 Prozent. Insgesamt durften gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben – laut Statistischem Landesamt so viele wie nie zuvor. Grund ist eine Reform des Wahlrechts: Erstmals durften in Baden-Württemberg 16- und 17-Jährige mitstimmen, und die Wählerinnen und Wähler hatten erstmals zwei Stimmen, ähnlich wie bei der Bundestagswahl.
Ausblick auf Koalitionsverhandlungen
Erst einmal müssen Sondierungsgespräche geführt werden, bevor die Koalitionsverhandlungen beginnen. Der Wahlsieger lädt üblicherweise zu den Gesprächen ein. Was schon feststeht: Einen wirklichen Neuanfang wird es in Baden-Württemberg vermutlich nicht geben. Wenn sich keine großen Überraschungen ergeben, dürften dieselben Parteien an der Macht bleiben wie in den vergangenen zehn Jahren. Alles läuft auf eine Koalition von Grünen und CDU hinaus, obwohl CDU-Spitzenkandidat Hagel eine sogenannte Deutschland-Koalition mit SPD und FDP bevorzugt hätte. Die Prognosen geben dafür jedoch keine Mehrheit im Landtag her, und nach den Anfeindungen der vergangenen Tage könnten die Gespräche atmosphärisch schwierig werden.



