Sexismus-Vorwürfe im Wahlkampf: CDU-Spitzenkandidat Hagel unter Druck
Sexismus-Vorwürfe gegen CDU-Spitzenkandidat Hagel in BW

Sexismus-Debatte überschattet Wahlkampf in Baden-Württemberg

Kurz vor der entscheidenden Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 ist eine kontroverse Debatte über sexistische Äußerungen entbrannt. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer aus Karlsruhe hat dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel problematische Aussagen aus einem sieben Jahre alten Interview vorgeworfen, die nun das politische Klima im Südwesten Deutschlands beeinflussen.

Altes Interview sorgt für neue Kontroversen

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht ein TV-Interview aus dem Jahr 2018, das im Format „Auf ein Bier mit …“ beim Regionalsender Regio TV aufgezeichnet wurde. Damals berichtete Hagel, frischgebackener Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, von einem Schulbesuch im Alb-Donau-Kreis. In der Realschulklasse, die zu 80 Prozent aus Mädchen bestand, sah der damals 29-jährige Abgeordnete laut eigenen Worten keinen unangenehmen Termin.

Besonders kritisch bewertet Mayer Hagels Beschreibung der ersten Fragestellerin: „Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Die Grünen-Politikerin stellt in einem selbst produzierten Video fundamentale Fragen zur politischen Kultur: „Würde eine weibliche Politikerin genauso über ein Klassenzimmer sprechen, in dem 80 Prozent Jungen sitzen?“ und „Warum muss es um das Aussehen dieses minderjährigen Mädchens gehen, wenn doch eigentlich ihre Frage im Mittelpunkt stehen sollte?“

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Persönliche Betroffenheit und politisches Timing

Zoe Mayer begründet ihr Engagement mit persönlichen Erfahrungen. Die Bundestagsabgeordnete gab an, in ihrer Jugend sexualisierte Grenzüberschreitungen und Belästigungen erlebt zu haben. Das Hagel-Video sei ihr erst kürzlich zugeschickt worden, nachdem sie auf ihren Social-Media-Kanälen über derartige Erfahrungen gesprochen hatte.

Manuel Hagel reagierte umgehend auf die Vorwürfe und zeigte sich selbstkritisch: „Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist“, erklärte der CDU-Spitzenkandidat. Er räumte ein, dass seine Ehefrau ihm damals bereits „den Kopf gewaschen“ habe. Gleichzeitig warf er Mayer vor, das Thema strategisch kurz vor der Wahl aufzugreifen: „Frau Dr. Mayer kommt damit jetzt zwölf Tage vor der Landtagswahl sieben Jahre zu spät.“

Politische Implikationen im Endspurt des Wahlkampfs

Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit historischen Äußerungen von Politikern auf. Einerseits geht es um die Bewertung von Aussagen, die Jahre zurückliegen, andererseits um die politische Instrumentalisierung solcher Vorwürfe im heißen Wahlkampf. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg gilt als besonders bedeutsam, da das Bundesland traditionell eine politische Sonderstellung einnimmt.

Die Kontroverse zeigt, wie sensibel das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der politischen Auseinandersetzung geworden ist. Während Hagel seine Äußerungen als Fehler einstuft und auf persönliches Wachstum verweist, betont Mayer die strukturelle Dimension solcher Aussagen und ihre Wirkung auf das gesellschaftliche Klima. Die kommenden Tage werden zeigen, welchen Einfluss diese Debatte auf das Wahlergebnis haben wird.

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