Berlin: Über 177.000 Geflüchtete in der Hauptstadt - Integrationsbeauftragte warnt vor einseitigen Debatten
Berlin: 177.000 Geflüchtete - Integrationsbeauftragte warnt vor Debatten

Berlin: Über 177.000 Geflüchtete in der Hauptstadt - Integrationsbeauftragte warnt vor einseitigen Debatten

Die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial und ihre Mitarbeiterin Anne-Marie Kortas haben aktuelle Daten zu Geflüchteten in der Hauptstadt vorgelegt. Die Zahlen zeigen: Rund fünf Prozent der Berliner Bevölkerung sind Geflüchtete. In absoluten Zahlen entspricht das etwa 177.000 Menschen, davon gut 57.000 aus der Ukraine. Diese Daten basieren auf dem Ausländerzentralregister mit Stand Ende 2025.

Langjährige Aufenthalte und junge Geflüchtete

Die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Kortas wies auf eine bemerkenswerte Entwicklung hin: Nicht ganz jeder Dritte der Flüchtlinge (30 Prozent) lebt bereits seit mehr als fünf Jahren in Berlin. Mehr als die Hälfte davon (17 Prozent) ist sogar schon seit mehr als zehn Jahren in der Stadt ansässig. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Integration ein langfristiger Prozess ist, der kontinuierliche Unterstützung erfordert.

Unter den Geflüchteten befinden sich etwa 43.000 Kinder und Jugendliche sowie 23.300 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Kortas betonte, dass auch volljährige Geflüchtete oft Unterstützung benötigen. „Wer heute 19 sei, habe unter Umständen mehrere Jahre Kriegserfahrung und die Pandemiezeit hinter sich“, erklärte sie. Es sei deshalb besonders wichtig, diese Zielgruppe intensiv zu begleiten.

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Persönliche Erfahrungen und Forderungen

Sviatoslav Shamaida, ein 21-jähriger Geflüchteter aus Kiew, der an der Technischen Universität Berlin studiert, schilderte seine persönlichen Herausforderungen. Er fühle Zerrissenheit und Einsamkeit und stelle sich täglich existenzielle Fragen: „Ist das gerecht, dass ich lebe und mein Klassenkamerad kämpft an der Front? Gibt es eine Zukunft für mich? Werde ich hierbleiben?“

Shamaida betonte, dass er in Berlin gute ukrainische Freunde gefunden habe - ohne sie hätte er längst aufgegeben. Er forderte Safe Spaces für ukrainische Flüchtlinge, sichere Orte, an denen sie sie selbst sein könnten. Diese Forderung unterstreicht den Bedarf an geschützten Räumen für psychosoziale Unterstützung.

Integrationsbeauftragte mahnt zu differenzierter Betrachtung

Katarina Niewiedzial warnte eindringlich vor vereinfachenden Debatten über Migration. „Ankommen und Integration gehörten zu den komplexesten gesellschaftlichen Prozessen, die man sich vorstellen könne“, sagte sie. „Die Herausforderungen wachsen.“ Sie kritisierte, dass Zuwanderung oft eindimensional betrachtet werde.

Schlagworte wie „gescheiterte Integration“ seien falsch und kontraproduktiv. „Für mich ist das Glas immer halbvoll und nicht halbleer“, erklärte Niewiedzial. „Ich möchte, dass wir aufhören, negativ über Migration zu reden.“ Sie plädierte stattdessen für einen konstruktiven und positiven Blick auf die vielfältigen Beiträge, die Geflüchtete zur Gesellschaft leisten können.

Die vorgestellten Daten und persönlichen Schilderungen machen deutlich, dass Integration in Berlin sowohl quantitative als auch qualitative Dimensionen hat. Während die Zahlen die Größenordnung der Aufgabe zeigen, unterstreichen die Erfahrungsberichte die menschlichen Aspekte dieses komplexen Prozesses.

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