Gedenkstätte Leistikowstraße erinnert an tragisches Schicksal dreier Jugendlicher
Vor genau 80 Jahren, am 18. April 1946, wurden drei Potsdamer Jugendliche an einem unbekannten Ort durch den sowjetischen Geheimdienst erschossen. Die Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam nimmt diesen traurigen Jahrestag zum Anlass, mit einer Filmvorführung und einem Zeitzeugengespräch an das Schicksal der damals 15- und 16-Jährigen zu erinnern.
Die tragische Geschichte der vier Jugendlichen
Im Jahr 1945, kurz nach dem Ende des NS-Regimes und unter sowjetischer Besatzung, wurden vier Jugendliche aus Potsdam vom sowjetischen Geheimdienst festgenommen. Ihnen wurden schwerwiegende Vorwürfe gemacht: Waffenbesitz, Waffenbeschaffung und die Vorbereitung einer terroristischen Aktion, die sich mutmaßlich gegen die sowjetische Besatzungsmacht richten sollte. Ein Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betonte die historische Dimension dieser Anschuldigungen.
Im Januar 1946 fällte ein Sowjetisches Militärtribunal das Urteil: Alle vier Jugendlichen wurden zum Tode verurteilt. Was folgte, waren drei Monate des Wartens im Gefängnis, während über ihr Gnadengesuch entschieden wurde. Nur einer der vier Jugendlichen erhielt Begnadigung und wurde zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt. Warum ausgerechnet ihm diese Gnade gewährt wurde, während die anderen drei das Todesurteil ereilte, bleibt bis heute nicht vollständig geklärt und historisch nicht sicher belegt.
Gedenkveranstaltung mit besonderem Zeitzeugen
Die Gedenkstätte Leistikowstraße plant anlässlich des 80. Jahrestags eine besondere Veranstaltung. Neben einer Filmvorführung, die das historische Geschehen aufarbeitet, wird es ein Gespräch mit dem Enkel des einzigen überlebenden Jugendlichen geben. Dieser persönliche Zugang ermöglicht einen einzigartigen Blick auf die Ereignisse und das fortwährende Gedenken an die Opfer.
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten unterstreicht mit dieser Veranstaltung die Bedeutung der Erinnerungsarbeit. Das Schicksal dieser Jugendlichen steht exemplarisch für die schwierige Übergangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die oft willkürliche Justiz unter Besatzungsherrschaft. Die Gedenkstätte Leistikowstraße, selbst ein Ort mit bewegter Geschichte als ehemaliges Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes, bietet den idealen Rahmen für diese Form der Aufarbeitung.
Die Erinnerung an die drei erschossenen Jugendlichen bleibt nicht nur lokal in Potsdam relevant, sondern hat überregionale Bedeutung für das Verständnis deutsch-sowjetischer Nachkriegsgeschichte. Die Gedenkveranstaltung am 80. Jahrestag soll dazu beitragen, diese historischen Ereignisse vor dem Vergessen zu bewahren und einer jüngeren Generation zugänglich zu machen.



