35 Jahre Steinmetz-Betrieb Borgwardt in Güstrow: Tradition trifft auf moderne Technik
35 Jahre Steinmetz-Betrieb Borgwardt: Tradition und Moderne

35 Jahre Steinmetz-Betrieb Borgwardt in Güstrow: Tradition trifft auf moderne Technik

Seit 35 Jahren steht der Name Borgwardt in Güstrow für präzise Steinmetzarbeiten – ein Handwerk, das sich zwischen traditioneller Fertigung und moderner Technologie stetig weiterentwickelt hat. In der Werkstatt in der Rostocker Chaussee setzt Steinmetzmeister Thomas Borgwardt konzentriert das Schrifteisen an einen Buchstaben auf einem Grabstein aus tiefschwarzem Granit. Mit ruhiger Hand entstehen feine Rillen, aus Linien werden Namen, Daten und bleibende Erinnerungen.

Vom Zufall zur Berufung: Die Anfänge eines Handwerksmeisters

Thomas Borgwardt kam eher zufällig zu seinem Beruf. Als Jugendlicher besuchte er den Stadtwirtschaftsbetrieb und beobachtete die Steinmetzen bei ihrer Arbeit. „Ich hatte von dem Beruf keine Ahnung, fand den Gedanken aber gut, bewarb mich und wurde als erster Lehrling angenommen“, erinnert sich der heute 62-Jährige. Nach seiner Lehre im Jahr 1982 leitete er später die Steinmetz-Abteilung und schloss 1990 den Meisterabschluss ab. „Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass ich mal einen eigenen Betrieb haben könnte“, blickt Borgwardt zurück.

Doch nur ein Jahr später, am 2. Januar 1991, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit – mitten in der turbulenten Zeit des politischen Umbruchs. „Ich war noch im VEB Stadtwirtschaft, verdiente dort mein Geld und sollte schon etwas Neues als privater Unternehmer anfangen? Das war schon verrückt“, erzählt er. Der Übergang gelang dank der Unterstützung durch seine Familie, insbesondere seiner Frau Andrea und seines Schwiegervaters Hans-Helmut Schmidt. Mit einem kleinen Kredit und viel Eigenleistung entstand nach und nach das Firmengebäude mit Büro, Werkstatt und Sanitärbereich.

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Modernste Technik erleichtert das traditionelle Handwerk

Mit den Jahren hielt auch die Technik Einzug in den Betrieb. Maschinen erleichtern heute viele Arbeitsschritte, die früher mühsam von Hand erledigt wurden. „Man muss sich das mal vorstellen, dass wir früher Dübel-Löcher mit einem Handbohrer gehauen haben. Heute machen das Bohrhammer in Windeseile“, schildert Borgwardt. Die erste Brückensäge aus Italien, angeschafft 1993, war damals ein Meilenstein. „Mit der konnten wir problemlos Natursteinplatten und Einfassungen, die ja meterlang waren, schneiden“.

Nach 30 Jahren wurde die alte Brückensäge durch ein hochmodernes Modell ersetzt, das noch schneller und präziser arbeitet. „Ich gebe auf dem Display alle Maße ein. Alles andere erledigt die Säge perfekt. Sie arbeitet mehr als ich“, erzählt Sohn Tim Borgwardt schmunzelnd. Weitere Anschaffungen umfassen:

  • Ein Automat zum Polieren der Kanten
  • Ein Sandstrahlgerät für spezielle Oberflächenbehandlungen
  • Einen Gabelstapler für den Materialtransport
  • Einen speziellen Sauger zur präzisen Verlegung von Grabplatten

Ein besonderes „Goldstück“ ist für Thomas Borgwardt sein Raupen-Kran, mit dem große Steine, Obelisken, Abdeckplatten für Gräber, Treppenanlagen und sogar Küchenarbeitsplatten transportiert und eingebaut werden können.

Vielfältiges Portfolio und gesicherte Nachfolge

Trotz aller technischen Unterstützung bleibt das Handwerk im Kern gleich: individuelle Arbeit am Stein. Anfangs lag der Fokus vor allem auf Grabmalen – ein Bereich, der bis heute eine große Rolle spielt. „Gott sei Dank wird auf Grabmale, auch wenn die Friedhofskultur sich verändert hat, heute immer noch Wert gelegt“, freut sich Thomas Borgwardt. Zum Portfolio gehören mittlerweile auch:

  1. Bäder mit Natursteinverkleidungen
  2. Restaurierungsarbeiten an historischen Denkmälern
  3. Küchenarbeitsplatten aus Naturstein
  4. Treppenanlagen und architektonische Elemente

Aktuell wird im Frühjahr der Elisabethstein in den Heidbergen restauriert. Ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Sanierung des Gedenksteins auf dem Franzonenfriedhof, bei der Sohn Tim mitgeholfen hat.

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Die nächste Generation: Tim Borgwardt sichert die Zukunft

Sohn Tim Borgwardt, gelernter Steinmetz und Steinbildhauer, arbeitet seit 2020 im Betrieb des Vaters und wird die Nachfolge antreten. „Es war aber meine Entscheidung. Bis heute habe ich sie nicht bereut, denn ich beherrsche ein Handwerk, das Präzision, technisches Know-how und gestalterisches Feingefühl vereint und bei dem ich am Ende des Tages immer weiß und es auch sehe, was ich gemacht habe“, erklärt der 27-Jährige.

Thomas Borgwardt freut sich über das Engagement seines Sohnes: „Darüber freue ich mich. Allerdings will ich noch lange Zeit weiterarbeiten“. So verbindet der Betrieb in Güstrow nicht nur Tradition mit moderner Technik, sondern auch Generationen – eine Erfolgsgeschichte, die seit 35 Jahren andauert und in die Zukunft weist.