AfD in Mecklenburg-Vorpommern: Landesvorstand attackiert Parteichef Chrupalla scharf
AfD in MV: Landesvorstand greift Chrupalla an

AfD in Mecklenburg-Vorpommern: Landesvorstand attackiert Parteichef Chrupalla scharf

In der AfD Mecklenburg-Vorpommern brodelt es gewaltig. Der Landesvorstand hat einen scharfen Wutbrief an Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla verfasst und wirft ihm parteischädigendes Verhalten vor. Der Vorfall, der die Gemüter erhitzt, ereignete sich am 1. April während eines sogenannten Friedensfestes in Bergen auf Rügen.

Ein beispielloser Vorgang mit schweren Vorwürfen

Chrupalla war als Überraschungsgast bei der Veranstaltung angekündigt worden und nutzte offenbar die Gelegenheit, um die Landtagskandidatur des parteilosen Bürgermeisters von Hiddensee, Thomas Gens, öffentlich zu begrüßen. Das Problem: Im selben Wahlkreis 34, der das westliche Rügen umfasst, hat die AfD mit Thomas Naulin, dem Stadtpräsidenten von Bergen, einen eigenen Direktkandidaten aufgestellt.

In einem gemeinsamen Schreiben von AfD-Landesvorstand, AfD-Kreisvorstand Vorpommern-Rügen und Vorstand der AfD-Kreistagsfraktion Vorpommern-Rügen wird dieser Auftritt als beispielloser Vorgang bezeichnet. Die Autoren zeigen sich mit großem Befremden und werfen Chrupalla vor, Werbung für die politische Konkurrenz zu betreiben.

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Bewusste Ignoranz gegenüber der Parteibasis

Dass eine derartige Entscheidung über die Köpfe der lokalen Parteibasis hinweg getroffen wird, empfinden wir und unsere Mitglieder als bewusste Ignoranz gegenüber unserer erfolgreichen Arbeit in der Region, heißt es in dem Dokument weiter. Der Landesvorstand fordert von Chrupalla klare Konsequenzen:

  • Künftige Abstimmung mit der Parteibasis vor öffentlichen Auftritten
  • Ausschließliche Unterstützung für den AfD-Kandidaten Thomas Naulin im Wahlkreis 34
  • Eine umgehende persönliche Stellungnahme zu den Vorwürfen

Hintergründe der Kandidatur von Thomas Gens

Bürgermeister Thomas Gens hatte seine Kandidatur für das Direktmandat im Wahlkreis 34 genau an jenem Tag in Bergen verkündet. Als Begründung führte er an, dass im benachbarten Wahlkreis 33, zu dem Hiddensee eigentlich gehört, bereits respektable Gegenkandidaten aus anderen Parteien aufgestellt seien. Interessant ist dabei ein weiteres Detail: Gens soll zunächst vergeblich einen Spitzenplatz auf der AfD-Landesliste gefordert haben, bevor er sich entschied, als Parteiloser anzutreten.

Parteiinterne Reaktionen und Zukunftspläne

Parallel zum offiziellen Schreiben des Landesvorstandes haben AfD-Vize-Landeschef Michael Kasch und Vorstandsmitglied Sandra Graf eine E-Mail an Parteimitglieder im Nordosten verschickt, die im Ton noch schärfer auf Chrupalla zielt. Darin wird behauptet, der AfD-Bundeschef habe nicht nur für Gens' Kandidatur applaudiert, sondern sogar aktiv zur Unterstützung aufgerufen. Die Irritationen bei uns sind groß, heißt es in dieser internen Kommunikation.

Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern hat ambitionierte Ziele für die anstehende Landtagswahl im Herbst. Man strebt 40 Prozent der Wählerstimmen an und damit die alleinige Regierungsverantwortung. Vor diesem Hintergrund erscheint die öffentliche Unterstützung eines parteilosen Konkurrenten durch den eigenen Bundesvorsitzenden besonders kontraproduktiv.

Tino Chrupalla hat bisher nicht auf eine Anfrage des Nordkuriers zu diesen schwerwiegenden Vorwürfen aus den eigenen Reihen reagiert. Die Situation zeigt tiefe Risse innerhalb der Partei auf Landesebene und wirft Fragen zur künftigen Strategie der AfD in Mecklenburg-Vorpommern auf.

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