Alarmrotte in Laage: Eurofighter im Dauereinsatz über der Ostsee
Alarmrotte Laage: Eurofighter im Dauereinsatz über Ostsee

Rätselhafte Maschinen über der Ostsee: Alarmrotte der Luftwaffe in ständiger Bereitschaft

Im deutschen Luftraum geschehen immer wieder unerklärliche Vorfälle: Ein Passagierflugzeug ist plötzlich nicht mehr per Funk erreichbar, über der Ostsee kreisen unbekannte russische Militärmaschinen ohne Erkennungssignal. Für solche kritischen Situationen steht auf dem Fliegerhorst in Laage die Luftpolizei der Bundeswehr bereit – die sogenannte Alarmrotte.

Sofortige Einsatzbereitschaft rund um die Uhr

Die Alarmrotte besteht üblicherweise aus zwei voll bewaffneten Eurofightern sowie zwei Reservekampfjets, die binnen weniger Minuten startklar sind. Die vier Abfangjäger sind permanent vollgetankt und mit jeweils vier Luft-Luft-Raketen ausgerüstet, wie Oberstleutnant Thomas Köpping, Kommandeur der Fliegenden Gruppe vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“, erklärt. Die Maschinen sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit.

Bei einem echten Alarmstart – im Fachjargon Alpha Scramble genannt – müssen die Eurofighter innerhalb von maximal 15 Minuten in der Luft sein. Bei Trainingsalarmierungen (Tango Scramble) sind die Piloten sogar noch schneller. Die Abläufe bleiben dabei identisch: Auch bei Übungen rollen die Eurofighter voll aufmunitioniert aus dem Hangar.

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Zunahme der Einsätze durch russische Militärflugzeuge

Im vergangenen Jahr wurde die Alarmrotte am Stützpunkt in Laage etwa 20 Mal aktiviert. Häufig wurden die Einsätze durch russische Transport- oder Aufklärungsmaschinen ausgelöst, die ohne Erkennungssignal über der Ostsee flogen und damit für die zivile Flugsicherung unsichtbar blieben. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Zahl dieser Alarmstarts deutlich gestiegen.

„Wir schützen unseren Luftraum und machen klar: Hier ist die Grenze Deutschlands und nicht weiter“, erläutert Kommandeur Köpping die Mission. Bei zivilen Flugzeugen werden die Eurofighter alarmiert, wenn etwa ein Pilot nicht auf Funksprüche reagiert. „Schlimmstenfalls ist es eine Entführung“, schildert Köpping eine mögliche Gefahrensituation.

Deeskalation als oberstes Prinzip

Bei ihren Flügen im internationalen Luftraum über der Ostsee kommen die russischen Militärflugzeuge dem Luftraum der NATO mitunter „sehr nahe“, wie die Bundeswehr mitteilt. Die Piloten der Alarmrotte reagieren darauf mit deeskalierenden Maßnahmen. „Wir wirken deeskalierend“, betont Köpping. Man fliege nicht frontal und auch nicht zu dicht auf die russischen Flieger zu, sondern nähere sich von der Seite. In der Regel würden die Maschinen identifiziert und eskortiert.

Die russischen Piloten verhalten sich dabei laut Köpping absolut professionell. Verletzungen des deutschen Luftraumes durch Militärmaschinen aus Russland sind der Bundeswehr bislang nicht bekannt. Auf mögliche Verstöße könnten die deutschen Piloten jedoch mit Zwangsmaßnahmen reagieren.

Von Warnsignalen bis zur Ultima Ratio

„Abdrängen wäre eine Möglichkeit“, beschreibt Köpping das Eskalationsspektrum. Oder mit den Flügeln wackeln und die Bewaffnung zeigen. Auch ein Warnschuss mit der Bordkanone wäre eine Option. Als „Ultima Ratio“ gilt ein Abschuss. „Aber davon sind wir derzeit meilenweit entfernt“, betont der erfahrene Kampfpilot.

Deutschlandweites Sicherheitsnetz am Himmel

Für die Sicherheit im deutschen Luftraum stehen grundsätzlich zwei Alarmrotten bereit: im Norden in Wittmund (Niedersachsen) und im Süden in Neuburg an der Donau (Bayern). Der Fliegerhorst in Laage fungiert als einer von zwei Alternativstandorten und wird derzeit aufgrund von Bauarbeiten am Stützpunkt in Niedersachsen genutzt.

Die ständige Bereitschaft der Alarmrotten gewährleistet, dass auf unvorhergesehene Bedrohungen aus der Luft jederzeit innerhalb weniger Minuten reagiert werden kann – ein essentieller Beitrag zur nationalen Sicherheit Deutschlands.

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