Alarmrotte in Laage: Kampfpiloten starten binnen Minuten bei Luftraumverletzungen
Alarmrotte Laage: Kampfpiloten starten binnen Minuten

Alarmrotte in Laage: Immer bereit für den Ernstfall am Himmel

Ein plötzlicher Funkausfall bei einem Passagierflugzeug oder eine unbekannte Militärmaschine über der Ostsee – für solche kritischen Situationen im deutschen Luftraum steht auf dem Fliegerhorst Laage die Alarmrotte der Luftwaffe in ständiger Bereitschaft. Die speziell ausgerüsteten Eurofighter müssen innerhalb kürzester Zeit startklar sein, um potenzielle Bedrohungen zu identifizieren und notfalls abzuwehren.

Sprint zu den Kampfjets bei Alarmauslösung

Wenn die Alarmklingel im gesicherten Bereitschaftsgebäude ertönt, beginnt ein präziser Ablauf: Fünf Techniker und zwei Piloten stürmen aus dem Flachbau und sprinten zu den Hangars, wo bereits die Rolltore hochfahren. Die Eurofighter der Quick Reaction Alert (QRA) sind permanent vollgetankt und mit vier Luft-Luft-Raketen bewaffnet, bereit für einen sofortigen Einsatz. Oberstleutnant Thomas Köpping, Kommandeur der Fliegenden Gruppe des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 „Richthofen“, erklärt: „Unsere vier Abfangjäger sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit.“

15-Minuten-Regel für echte Alarmstarts

Bei einem echten Alarmstart, im Militärjargon als Alpha Scramble bezeichnet, müssen die Kampfjets maximal 15 Minuten nach Alarmauslösung in der Luft sein. Bei Trainingsalarmierungen, sogenannten Tango Scrambles, zeigen die Piloten sogar noch kürzere Reaktionszeiten. Köpping betont: „Die Abläufe sind identisch – auch beim Training rollen die Eurofighter voll aufmunitioniert aus dem Hangar.“ Nachdem Techniker die Sicherungsstifte aus den Raketen gezogen haben, drehen die Maschinen auf die Rollbahn ein. Bei einer kürzlichen Übung hoben zwei Kampfjets bereits nach 9 Minuten und 45 Sekunden ab.

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Mehr Einsätze durch russische Flugzeuge über der Ostsee

Die Alarmrotte wird aktiviert, wenn zivile Piloten nicht auf Funksprüche reagieren – was im schlimmsten Fall auf eine Entführung hindeuten könnte – oder wenn sich unbekannte Militärflugzeuge, die nicht der Nato angehören, dem deutschen Luftraum nähern. „Wir schützen unseren Luftraum und machen klar: Hier ist die Grenze Deutschlands und nicht weiter“, erläutert Kommandeur Kötting die Mission. Im vergangenen Jahr wurde die Einheit in Laage etwa 20 Mal alarmiert, häufig ausgelöst durch russische Transport- oder Aufklärungsmaschinen, die ohne Erkennungssignal über der Ostsee operierten. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Zahl dieser Alarmstarts deutlich gestiegen.

Deeskalation statt Konfrontation

Die Bundeswehr berichtet, dass russische Militärflugzeuge im internationalen Luftraum über der Ostsee dem Nato-Luftraum mitunter „sehr nahe“ kommen. Die deutschen Piloten reagieren darauf mit deeskalierenden Maßnahmen: Sie nähern sich seitlich, nicht frontal oder zu dicht, identifizieren die Maschinen und eskortieren sie. Kötting stellt fest: „Die russischen Piloten verhalten sich absolut professionell.“ Bislang sind keine Luftraumverletzungen durch russische Militärmaschinen bekannt.

Von Abdrängen bis zur Ultima Ratio

Bei tatsächlichen Verstößen stünden den deutschen Piloten verschiedene Zwangsmaßnahmen zur Verfügung. Kötting beschreibt: „Abdrängen wäre eine Möglichkeit, oder mit den Flügeln wackeln und die Bewaffnung zeigen.“ Auch ein Warnschuss mit der Bordkanone käme in Betracht. Als letztes Mittel, die „Ultima Ratio“, wäre ein Abschuss denkbar. „Aber davon sind wir derzeit meilenweit entfernt“, betont der erfahrene Kampfpilot nachdrücklich.

Zwei Alarmrotten sichern den deutschen Luftraum

Für die flächendeckende Sicherung des deutschen Luftraums sind grundsätzlich zwei Alarmrotten zuständig: im Norden in Wittmund (Niedersachsen) und im Süden in Neuburg an der Donau (Bayern). Der Fliegerhorst Laage fungiert als einer von zwei Alternativstandorten und wird derzeit aufgrund von Bauarbeiten am Stützpunkt in Niedersachsen genutzt. Diese flexible Struktur gewährleistet, dass die Luftraumüberwachung jederzeit und unter allen Umständen aufrechterhalten werden kann.

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