Geheimnisvoller Bunker in Berlin: Strahlendes Erbe der DDR
Mehr als 35 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) steht die Entsorgung von Kernbrennstoffen aus dieser Ära immer noch aus. In einem speziell errichteten Bunker auf dem ehemaligen Gelände des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR in Berlin-Karlshorst lagert bis heute radioaktives Material aus vergangenen Zeiten.
Abtransportziel: Ende des Jahres
Laut einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion strebt das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) einen Abtransport der strahlenden Hinterlassenschaften bis Ende des laufenden Jahres an. Allerdings ist die sogenannte Optionenprüfung durch das BASE, das für die staatliche Verwahrung von Kernbrennstoffen verantwortlich zeichnet, noch nicht vollständig abgeschlossen. Diese Prüfung untersucht die verschiedenen Möglichkeiten für eine sichere und endgültige Entsorgung.
International überwachte Neutronenquelle
Bei dem gelagerten Material handelt es sich konkret um eine Plutonium-Beryllium-Neutronenquelle, die ursprünglich zur Kalibrierung von Messgeräten in der DDR eingesetzt wurde. Die Quelle hat die Form eines kleinen Zylinders – etwa sechs Zentimeter dick und knapp zehn Zentimeter hoch – und würde theoretisch in eine hohle Hand passen. Um dieses strahlende Objekt gemäß den strengen Vorgaben des deutschen Atomgesetzes sicher zu verwahren, wurde nach der Wende auf dem Gelände in Karlshorst eigens ein spezieller Bunker errichtet.
Die Bundesregierung versichert, dass die Kernbrennstoffe kontinuierlich messtechnisch überwacht werden und zuletzt im November 2024 durch zwei internationale Kontrollinstanzen überprüft wurden: die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Diese regelmäßigen Kontrollen stellen sicher, dass von dem Material keine unmittelbare Gefahr ausgeht.
Gescheiterte Atompläne der DDR
Die Neutronenquelle ist ein Relikt der ehrgeizigen Atomenergiepläne der DDR. Ursprünglich hatte die sozialistische Führung geplant, rund 20 Atomkraftwerke im Land zu errichten. Realisiert wurden letztlich jedoch nur zwei Standorte:
- Das Kernkraftwerk Lubmin im nordöstlichen Zipfel Mecklenburg-Vorpommerns, das sich seit Jahrzehnten im Rückbau befindet.
- Das Kernkraftwerk Rheinsberg.
Ein besonders ambitioniertes Projekt war das geplante größte Atomkraftwerk der DDR in Arneburg bei Stendal. Es sollte vier Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 1.000 Megawatt umfassen. Die politische Wende und die deutsche Wiedervereinigung kamen diesem Vorhaben jedoch zuvor – Stendal ging niemals ans Netz.
Die aktuelle Situation in Berlin-Karlshorst unterstreicht, wie langwierig und komplex die Aufarbeitung des nuklearen Erbes aus DDR-Zeiten ist. Während die ehemaligen Kraftwerksstandorte wie Lubmin Schritt für Schritt zurückgebaut werden, harren kleinere, aber dennoch bedeutsame strahlende Hinterlassenschaften wie die Neutronenquelle noch ihrer endgültigen und sicheren Entsorgung. Die angepeilte Frist bis Jahresende markiert einen wichtigen nächsten Schritt in diesem langen Prozess.



