Tourismusverband MV: Ex-Chef Woitendorf teils entlastet - Vorwürfe gegen Ministerium
Ex-Chef des Tourismusverbandes MV teils entlastet

Tourismusverband MV: Ex-Chef Woitendorf teils entlastet - Vorwürfe gegen Ministerium

Der ehemalige Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern (TMV), Tobias Woitendorf, erfährt eine teilweise Entlastung nach schweren Betrugsvorwürfen. Der Vorstand des Verbandes um Präsidentin Birgit Hesse (SPD) stellt sich dabei klar gegen das Agieren des SPD-geführten Wirtschaftsministeriums. Ein interner Tiefenbericht und ein aktueller Rechnungshofbericht werfen neue Fragen auf.

Vorwürfe und Gegenvorwürfe im politischen Spannungsfeld

Woitendorf hatte im Frühjahr 2025 seinen Posten als Geschäftsführer des TMV und Tourismusbeauftragter der Landesregierung verloren. Das Wirtschaftsministerium erstattete Strafanzeige wegen Subventionsbetrugs, woraufhin die Schweriner Staatsanwaltschaft ermittelte und im Mai 2025 eine Razzia durchführte. Die Vorwürfe lauteten auf finanzielle Schieflage des Verbandes und rechtswidrig hohe Gehaltszahlungen an Woitendorf.

Jetzt jedoch entkräftet der TMV-Vorstand diese Anschuldigungen in einer deutlichen Stellungnahme. Präsidentin Hesse, die zugleich Landtagspräsidentin ist, und weitere Vorstandsmitglieder wie der CDU-Abgeordnete Wolfgang Waldmüller und Rostocker Unternehmer Alexander Winter kritisieren den vom Ministerium beauftragten GSA-Bericht als "einseitig, lückenhaft und unvollständig".

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Keine Zweckentfremdung von Landeszuschüssen

Der Vorstand listet konkrete Entlastungen für Woitendorf auf:

  • Keine Zweckentfremdung von Fördermitteln
  • Keine unsaubere Betriebs- und Buchführung
  • Keine Intransparenz oder Verschleierung
  • Keine non-konforme Vergütung oder Bereicherung
  • Woitendorf habe sein Gehalt laut Vertrag erhalten

Laut TMV-Angaben sei "keinerlei Geld abhandengekommen" oder anderweitig genutzt worden. Der Bericht der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) bestätige zwar einige formale Mängel, stelle aber ebenfalls fest, dass keine Zweckentfremdung von Mitteln stattgefunden habe.

Rechnungshof kritisiert Ministerium scharf

Ein aktueller Bericht des Landesrechnungshofs verstärkt die Kritik am Wirtschaftsministerium. Die Prüfer untersuchten die Vergabe von Mitteln an den TMV und sechs weitere Verbände und Firmen von 2022 bis 2024. Das Ergebnis ist vernichtend: "Kein Zuwendungsverfahren war fehlerfrei." Das Ministerium habe viele Millionen Euro ohne ausreichende Grundlagen verteilt.

Der Rechnungshofbericht bestätigt damit TMV-Aussagen, dass das Förderprinzip des Landes "strukturelle Mängel aufweist und in der Praxis nicht funktioniert". Der TMV-Vorstand betont, dass Ministeriumsvertreter stets über Entscheidungen informiert waren oder sogar anwesend waren - darunter auch der frühere Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD).

Politische Brisanz und Auswirkungen

Der Fall hat hohe politische Brisanz innerhalb der rot-roten Landesregierung. Hinter den Kulissen tobt laut Informationen ein Kampf um die Deutungshoheit. Involvierte Politiker äußern sich empört und sprechen davon, dass Woitendorf "übel mitgespielt" worden sei.

Besonders pikant: Laut TMV-Schreiben soll der vom Ministerium beauftragte GSA-Vertreter wiederholt erklärt haben, dass eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Woitendorf "nicht erforderlich gewesen" wäre. Die Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigt, dass die Ermittlungen gegen Woitendorf andauern, andere Personen seien nicht betroffen.

Politisch brisant ist auch der Untersuchungszeitraum, der bis in die Amtszeit des früheren CDU-Wirtschaftsministers Harry Glawe führt. In der damaligen Regierungskoalition zwischen SPD und CDU gab es bereits bis 2021 erhebliche Reibungen zum Thema Tourismusförderung.

Sorgen um neue Tourismus GmbH

In politischen Kreisen kursiert die Sorge, dass die im Herbst installierte neue Tourismus GmbH als Nachfolgerin des Verbandes Schaden nehmen könnte, falls sich der juristische Streit ausbreitet. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Wirtschaftsbranchen in Mecklenburg-Vorpommern - laut Ministerium verdient jeder neunte Einwohner direkt oder indirekt damit seinen Unterhalt. 2025 verzeichnete das Land 33,3 Millionen Gäste-Übernachtungen.

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Tobias Woitendorf und sein Anwalt äußern sich nicht zum laufenden Verfahren. Seit Sommer 2025 ist Woitendorf für die SV Gruppe tätig, zu der auch der Nordkurier gehört. Der Fall bleibt politisch höchst sensibel und wirft grundsätzliche Fragen zur Aufsichtspflicht und Förderpraxis des Landes auf.