Filz-Vorwürfe gegen SPD in Mecklenburg-Vorpommern: Neue Sprecherin im Fokus
In Mecklenburg-Vorpommern gerät die SPD unter Druck. Im Zentrum der Kritik steht die neue Sprecherin von SPD-Landeschefin und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die Polit-Influencerin Lilly Blaudszun. Seit Januar übt Blaudszun das Parteiamt aus, parallel arbeitet sie für die Unternehmensberatung 365 Sherpas.
Steuerzahlerbund sieht Grauzone bei Aufträgen
Der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbunds, Sascha Mummenhoff, kritisiert, dass die Firma 365 Sherpas von der Staatskanzlei mit lukrativen Aufträgen versorgt worden sei. „Das ist mindestens eine Grauzone“, so Mummenhoff. Medien wie der „Nordkurier“ und die „Ostsee-Zeitung“ haben über die Vorwürfe berichtet.
Regierungssprecher Andreas Timm weist die Anschuldigungen jedoch zurück. Er bezeichnet sie als falsch und „an den Haaren herbeigezogen“. Timm betont, dass die Firma von der Landesregierung beauftragt wurde, bevor Blaudszun dort tätig wurde. Laut der Homepage der Beratungsfirma ist Blaudszun seit Juli 2024 dort beschäftigt.
Agentur erhielt auch nach Blaudszuns Einstellung Geld vom Land
Timm stellt klar, dass die Berufung von Blaudszun eine Entscheidung des SPD-Landesverbandes und nicht der Staatskanzlei sei. Dennoch zeigen Dokumente, die aus einer Anfrage der „Ostsee-Zeitung“ hervorgehen, dass die Agentur 365 Sherpas in den vergangenen vier Jahren knapp 60.000 Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern erhalten hat. Die Zahlungen verteilen sich wie folgt:
- 2022: 19.813,50 Euro
- 2023: 26.197,85 Euro
- 2024: 1.320,90 Euro
- 2025: 12.253,57 Euro
Das bedeutet, dass auch nach Blaudszuns Engagement bei der Agentur weiterhin Geld geflossen ist.
Weiterer Auftrag an Konzernverbund sorgt für Diskussionen
Zusätzlich zahlte das Land mehr als 330.000 Euro für den Aufbau einer neuen Internetpräsenz. Laut der „Ostsee-Zeitung“ ging dieser Auftrag an die Ressourcenmangel Integral GmbH, die wie 365 Sherpas zur Hirschen-Gruppe gehört.
Für Regierungssprecher Timm spielt die Konzernzugehörigkeit keine Rolle. „Der Auftrag ist seinerzeit vom Landesamt für Innere Verwaltung europaweit ausgeschrieben worden“, erklärt er. Die Angebote seien nach festen Kriterien wie Preis, Qualität, Kreativität und Präsentation bewertet worden.
Blaudszun betont klare Trennung der Rollen
Lilly Blaudszun selbst sieht keinen Interessenkonflikt. Sie gibt an, beide Rollen „strikt organisatorisch, technisch und zeitlich voneinander“ trennen zu können. „Ich berate bei 365 Sherpas Unternehmen mit Blick auf ihre Kommunikation. Mandate mit potenziellen Interessenkonflikten werde ich nicht übernehmen“, versichert sie. Es gebe keinerlei Vermischung von Parteiarbeit und Agenturmandaten.
Fakt ist jedoch, dass Blaudszun und Schwesig sich seit vielen Jahren kennen. Blaudszun arbeitete bereits 2020 und 2021 für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern. Beim Landtagswahlkampf 2021 war sie ein wichtiges Mitglied im Social Media-Team von Schwesig.
Die Vorwürfe werfen Fragen zur Transparenz und zur Vermeidung von Filz in der Landespolitik auf. Während die Regierung die Kritik zurückweist, bleibt der Steuerzahlerbund skeptisch und fordert eine klare Aufklärung der Sachverhalte.



