Überraschende Funde statt gefährlicher Munition in der Warnow
Was sich in der Nacht zum 24. April 1942 ereignete, markierte eine neue Dimension des Krieges: Fast 150 britische Bomber steuerten erstmals gezielt die Rostocker Innenstadt an. Ihre verheerende Fracht bestand aus Spreng- und vor allem Brandbomben. Innerhalb kürzester Zeit prasselten Tausende dieser Geschosse auf die Stadt nieder und setzten zahlreiche Gebäude in Flammen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sollten diese Angriffe nicht mehr aufhören und brachten unermessliches Leid sowie Zerstörung. Ein Hauptziel der Bombardements war stets auch der strategisch wichtige Stadthafen. Genau in diesem Bereich wurde nun monatelang intensiv nach nicht explodierten Bomben und Munitionsresten gesucht, um den Bau der neuen Warnowbrücke vorzubereiten. Die Ergebnisse dieser aufwendigen Kampfmittelbergungen in der Unterwarnow liegen nun vor und halten eine überraschende Wendung bereit.
14 Verdachtspunkte führen zu unerwarteten Entdeckungen
Bis Anfang Februar fanden im Bereich des Stadthafens, konkret in Höhe des Christinenhafens, umfangreiche Bergungsarbeiten in der Unterwarnow statt. Diese dienten der Identifizierung und möglichen Räumung von Kampfmitteln. Insgesamt 14 Verdachtspunkte waren im Vorfeld durch präzise Sondierungsmaßnahmen aufgefallen und mussten eingehend untersucht werden. „Von diesen 14 Verdachtspunkten hat sich glücklicherweise keiner bestätigt. Es wurden keine Kampfmittel geborgen“, teilt Jana Stranghöner, Sprecherin der zuständigen Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (RGS), mit. Statt der erwarteten explosiven Hinterlassenschaften des Krieges förderten die spezialisierten Kampfmittelbergungstaucher der Hansataucher zahlreiche andere Metallgegenstände aus den trüben Gewässern des Stadthafens zutage.
Die Fundliste liest sich wie ein Kuriositätenkabinett der Alltagsgegenstände:
- Mehrere Fahrräder in unterschiedlichem Zustand
- Verschiedene Kinderwagen-Modelle
- Verschiedenste Kabelreste und elektrische Leitungen
- Ein vollständiger Absperrpoller für den Straßenverkehr
Grünes Licht für das Millionenprojekt Warnowbrücke
Die umfangreichen Kampfmittelarbeiten fanden ausschließlich in Vorbereitung auf den Bau der neuen Warnowbrücke statt. „Das gesamte Baufeld ist nun vollständig gesäubert, um einen absolut sicheren Ablauf der späteren Baumaßnahmen gewährleisten zu können“, betont Jana Stranghöner von der RGS. Derzeit wartet man noch auf den finalen Abschluss des Planfeststellungsverfahrens für die Warnowbrücke durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern. Die Warnowbrücke über die Unterwarnow soll zu einem neuen architektonischen Wahrzeichen für die Hansestadt Rostock werden. Der offizielle Baubeginn wird für das zweite Halbjahr des Jahres erwartet.
Die innovative Brücke wird den historischen Stadthafen mit dem Stadtteil Gehlsdorf verbinden und ausschließlich als Fuß- und Radwegebrücke konzipiert, um die nachhaltige Mobilität im Rostocker Stadtgebiet spürbar zu verbessern. Laut aktuellen Planungen der RGS soll der Bau des beeindruckenden Brückenbauwerks voraussichtlich Ende 2029 abgeschlossen sein. Das rund 600 Meter lange und sechs Meter breite Bauwerk verfügt über einen etwa 25 Meter langen Klappmechanismus, der ein problemloses Öffnen der Brücke für den lebhaften Schiffsverkehr auf der Warnow ermöglicht. Die Gesamtkosten für dieses ambitionierte Großvorhaben belaufen sich auf mehr als 60 Millionen Euro. Mit dem Abschluss der Kampfmittelbergungen ist nun der letzte große Hindernis vor Baubeginn beseitigt, und die Stadt Rostock kann einem neuen Verkehrszeichen entgegensehen.



