Klappern auf dem Eis: Eine fast vergessene Fischereitradition in Wieck am Darß
Im idyllischen Wieck am Darß im Landkreis Vorpommern-Rügen hält Andy Ahrens an einer einzigartigen und historischen Fischereimethode fest, die jedoch vom Aussterben bedroht ist. Der 48-jährige Fischer ist einer der letzten, die das sogenannte Klappern auf dem Eis praktizieren, eine Technik, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Flüchtlingen aus der Kurischen Nehrung nach Mecklenburg-Vorpommern gebracht wurde.
Die Kunst des Klapperns: So funktioniert die traditionelle Methode
Andy Ahrens macht sich etwa alle zwei Tage mit seinem Quad auf den Weg, um auf den zugefrorenen Bodden zu fahren. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sägt er mit einer Kettensäge ein Quadrat in das etwa 25 Zentimeter dicke Eis oder schlägt mit einer Hacke eine alte Öffnung wieder frei. Anschließend wird ein gut drei Meter langes Brett in das eiskalte Wasser gesteckt.
Ahrens setzt sich auf einer alten Getränkekiste an das Brett und beginnt, mit Holzkeulen rhythmisch auf dem Brett zu klappern. Der dadurch erzeugte Schall überträgt sich ins Wasser und soll Fische wie Zander, Barsche und Hechte in die zuvor ausgelegten, etwa 35 Meter langen Stellnetze treiben.
Zwischen Erfolg und Unsicherheit: Die Wirkung des Klapperklangs
Über die genaue Wirkung des Klapperns gibt es unterschiedliche Meinungen. „Die einen sagen, die Fische kommen, die anderen sagen, sie hauen ab. Auf jeden Fall funktioniert das“, erklärt Andy Ahrens mit einem verschmitzten Lächeln. „Mitunter aber auch nicht.“ Sobald sich die Halteseile der Netze bewegen, weiß der erfahrene Fischer, dass er einen Fang gemacht hat.
Historisch betrachtet wurde diese Methode ursprünglich auf der Kurischen Nehrung, die heute zu Russland gehört, angewendet. Dort benutzte man anstelle eines Bretts einen einfachen Stab, um vor allem Stint zu fangen. Heiko Ahrens, der Vater von Andy und Betreiber eines Fischimbisses in Wieck, erinnert sich an diese Wurzeln: „Auf der Kurischen Nehrung wurde anstelle eines Bretts ein Stab benutzt. Das ging auch.“
Ein sterbendes Handwerk: Die Zukunft der Klapperfischerei
Leider ist diese traditionelle Fischereikunst in Wieck und der umliegenden Region kaum noch verbreitet. Heiko Ahrens kennt außer seinem Sohn fast niemanden mehr, der diese Methode anwendet. „Das Klappern ist gekommen, und es geht wieder“, stellt er mit einem Hauch von Wehmut fest.
Die bevorzugten Fänge beim Klappern sind heute vor allem Zander, aber auch Barsche und Hechte, die aus dem Bodden gezogen werden. Trotz der Effektivität der Methode und ihrer kulturellen Bedeutung scheint das Interesse an dieser arbeitsintensiven Tradition nachzulassen.
Andy Ahrens bleibt jedoch ein leidenschaftlicher Bewahrer dieser einzigartigen Praxis. Sein Einsatz auf dem Eis, begleitet vom charakteristischen Klappergeräusch, ist nicht nur eine effektive Fangmethode, sondern auch ein lebendiges Stück regionaler Geschichte, das es zu erhalten gilt.



