Landesverwaltung MV wächst: Mehr Personal trotz schrumpfender Bevölkerung
In Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich ein bemerkenswerter Trend: Während die Einwohnerzahl des Bundeslandes kontinuierlich zurückgeht, steigt die Zahl der Beschäftigten in der Landesverwaltung stetig an. Diese Entwicklung sorgt für erhebliche Kritik und wirft Fragen zur finanziellen Nachhaltigkeit auf.
Kritik vom Landesrechnungshof
Der Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern äußert sich regelmäßig besorgt über das Fehlen eines nachhaltigen Personalkonzepts der Landesregierung. In seinem Finanzbericht für die Jahre 2024/2025 monierte die oberste Finanzkontrollbehörde, dass trotz schrumpfender Bevölkerung die Anzahl der Mitarbeiter in Ministerien und Behörden weiter zunimmt. Fast jeder dritte Euro des Landeshaushalts fließt bereits in Personalkosten, was den Spielraum für wichtige Investitionen erheblich einschränkt. Der Landesrechnungshof bezeichnete diese Entwicklung im vergangenen Jahr sogar als "besorgniserregend".
Dramatischer Anstieg der Beschäftigtenzahlen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2019 waren in der Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 32.841 Mitarbeiter beschäftigt. Bis zum Jahr 2026 ist diese Zahl auf 35.986 angestiegen – ein Zuwachs von mehr als 3.000 Stellen innerhalb von sieben Jahren. Rechnerisch bedeutet dies, dass im Jahr 2019 auf 1.000 Einwohner etwa 20 Landesbeschäftigte kamen, während es 2026 bereits 23 waren. Diese Entwicklung findet statt, obwohl die Bevölkerung des Bundeslandes im gleichen Zeitraum zurückgegangen ist.
Teilzeitquote schnellt in die Höhe
Eine aktuelle Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Enrico Schult offenbart zudem einen signifikanten Anstieg der Teilzeitbeschäftigung in der Landesverwaltung. In der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) stieg die Teilzeitquote von 14,9 Prozent im Jahr 2019 auf 21,3 Prozent im Jahr 2025. Noch dramatischer ist die Entwicklung im Bildungsministerium, wo die Quote von 25,4 Prozent auf 34,7 Prozent kletterte – jeder dritte Beschäftigte arbeitet hier in Teilzeit. An Universitäten und Hochschulen liegt die Teilzeitquote sogar bei über 50 Prozent.
Opposition übt scharfe Kritik
Enrico Schult, der die Kleine Anfrage stellte, kommentierte die Entwicklung mit deutlichen Worten: "Ein Anstieg von mehr als 3.000 Stellen seit 2019 ist dem Steuerzahler einfach nicht zu vermitteln." Zwar begrüße die AfD als Familienpartei, dass viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten können, insbesondere wenn sie Kinder oder Angehörige betreuen müssen. Gleichzeitig müsse man jedoch konstatieren, dass die Anzahl der Beschäftigten insgesamt dramatisch angestiegen sei, während gleichzeitig immer mehr in Teilzeit arbeiten. Die öffentliche Verwaltung müsse zwar als Arbeitgeber attraktiv sein, dürfe aber im Wettbewerb um Fachkräfte der freien Wirtschaft nicht die besten Köpfe abwerben und nicht immer weiter aufgebläht werden.
Recht auf Arbeitszeitreduzierung
Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass Arbeitnehmer in der Landesverwaltung grundsätzlich einen Anspruch auf Reduzierung ihrer Arbeitszeit haben. Die Ablehnung von Anträgen auf Teilzeit tendiert in der Regel gegen null, was die hohen Teilzeitquoten erklärt. Diese Praxis, kombiniert mit dem kontinuierlichen Stellenaufbau, führt zu einer doppelten Belastung des Landeshaushalts: mehr Beschäftigte bei gleichzeitig höheren Verwaltungskosten durch zusätzliche Stellen.
Die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern zeigt ein grundlegendes Problem auf: Während die Bevölkerung schrumpft, wächst der Verwaltungsapparat ungebremst weiter. Der Landesrechnungshof warnt seit Jahren vor den finanziellen Konsequenzen, doch die Landesregierung scheint diese Mahnungen weitgehend zu ignorieren. Die Opposition fordert nun ein nachhaltiges Personalkonzept, das den demografischen Realitäten Rechnung trägt und die finanziellen Spielräume des Landes nicht weiter einschränkt.



