Legendärer Kampfjet kehrt an historischen Standort zurück
Nach mehr als zwei Jahrzehnten kehrt eine MiG-29, die einst für ihre beeindruckenden Flugleistungen berühmt war, an ihren früheren Einsatzort zurück. Das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ auf dem Fliegerhorst Laage in Mecklenburg-Vorpommern erwartet die Rückführung einer ausgemusterten zweisitzigen Variante des russischen Kampfjets aus polnischen Beständen. Die Maschine soll per Schwerlasttransporter transportiert und demilitarisiert werden, bevor sie als Ausstellungsstück auf einem Betonsockel präsentiert wird.
Symbolischer Rückkauf für einen Euro
Die Geschichte dieser Rückkehr ist eng mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden. Die Bundeswehr hatte die MiG-29-Kampfjets nach 1990 aus den Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR übernommen und stationierte sie in Laage. Im Jahr 2003 erfolgte dann ein bemerkenswerter Transfer: Zum symbolischen Preis von nur einem Euro pro Flugzeug übergab die Bundeswehr insgesamt 23 MiG-29 an die polnische Luftwaffe. Diese Entscheidung markierte das Ende der aktiven Nutzung dieser sowjetischen Kampfflugzeuge durch die deutsche Luftwaffe.
Demilitarisierung und museale Präsentation
Der zurückkehrende Kampfjet wird nicht mehr in die Lüfte steigen. Wie ein Sprecher des Geschwaders erläutert, wird die Maschine vor der Rückgabe umfassend demilitarisiert. Konkret bedeutet dies den Ausbau kritischer Komponenten wie des Schleudersitzes und der Triebwerke, um die Fluguntauglichkeit sicherzustellen. Geschwaderkommodore Dominque Gentzsch hatte bereits angekündigt, dass die MiG-29 auf einen Betonsockel kommen wird. Besucher können das Flugzeug während des Tags der Bundeswehr am 6. Juni aus nächster Nähe betrachten.
Erweiterung der historischen Flugzeugsammlung
Mit der MiG-29 erhält der Fliegerhorst Laage ein weiteres bedeutendes Exponat für seine Sammlung von „Sockelmaschinen“. Die Kollektion umfasst bereits historische Kampfflugzeuge wie den F104-Starfighter und die F-4F Phantom II. Die MiG-29 stellt dabei nicht nur ein technisches Artefakt dar, sondern ist auch ein wichtiger Teil der Geschwadergeschichte. Während ihrer aktiven Zeit in Laage diente sie unter anderem als Alarmrotte zur Sicherung des deutschen Luftraums und ermöglichte wertvolle Übungsflüge für NATO-Bündnispartner.
Technische Besonderheiten und legendäres Kobra-Manöver
Die MiG-29 wurde in den 1970er Jahren von der Sowjetunion als Antwort auf moderne amerikanische Kampfflugzeuge entwickelt. Fachleute schätzten das zweistrahlige Flugzeug, das die doppelte Schallgeschwindigkeit erreichen konnte, besonders für seine exzellenten Flugeigenschaften im Luftnahkampf. Ein besonderes Merkmal war die Fähigkeit, das sogenannte Kobra-Manöver auszuführen. Dabei richteten Piloten die Maschine im Flug steil auf und bremsten dadurch nahezu vollständig ab, was Verfolger überraschte und die Rollen von Jäger und Gejagtem umkehrte.
Weiterverwendung in Polen und der Ukraine
Nach dem Transfer an Polen im Jahr 2003 blieben die MiG-29 aus Laage weiterhin im Einsatz. Die polnische Luftwaffe nutzte die Kampfjets über Jahre hinweg und gab ab 2023 einige Maschinen an die Ukraine weiter, die seit dem russischen Angriffskrieg unter erheblichem Materialbedarf leidet. In der ukrainischen Luftwaffe zählt die MiG-29 nach wie vor zu den am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen. Die Rückführung einer dieser Maschinen nach Deutschland markiert somit nicht nur ein lokales Ereignis, sondern steht auch im Kontext größerer geopolitischer Entwicklungen.



