Mobilfunkversorgung in Westmecklenburg: Deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land
Eine aktuelle Auswertung der Bundesnetzagentur offenbart erhebliche Unterschiede bei der Mobilfunkversorgung in der Region Westmecklenburg. Während die Landeshauptstadt Schwerin mit nur 2,5 Prozent Netzlücken einen Spitzenwert erreicht, zeigt sich im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein deutlich anderes Bild: Rund ein Zehntel der Fläche ist weiterhin nicht ausreichend mit modernem Mobilfunk versorgt.
Graue Flecken: Veraltete Technik in ländlichen Regionen
In den sogenannten Grauen Flecken können maximal zwei Netzbetreiber mobile Datennutzung über 4G oder 5G anbieten. Nutzer anderer Anbieter müssen sich mit dem veralteten 2G-Netz aus den 1990er-Jahren begnügen. Mobiles Surfen im Internet ist mit dieser Technologie nicht möglich – lediglich Telefonieren und das Versenden von SMS funktionieren noch.
Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg vom Vergleichsportal Verivox stellt fest: „Gerade im ländlichen Raum werden viele Menschen noch lange auf eine zeitgemäße Mobilfunkversorgung warten müssen.“ Dabei handelt es sich selten um einzelne abgelegene Gehöfte, sondern oft um ganze Landstriche, die von der digitalen Entwicklung abgehängt werden.
Besonders betroffene Gemeinden in beiden Kreisen
Im Landkreis Ludwigslust-Parchim schneidet die Gemeinde Weitendorf besonders schlecht ab: Auf etwa der Hälfte der Fläche ist kein mobiles Surfen möglich. Weitere stark betroffene Gemeinden sind:
- Gallin-Kuppentin mit 39,8 Prozent unterversorgter Fläche
- Neu Poserin mit rund 37 Prozent Netzlücken
- Blievenstorf mit ebenfalls etwa 37 Prozent Defiziten
- Blankenberg mit 35 Prozent unzureichender Versorgung
In Nordwestmecklenburg zeigen sich ähnliche Probleme in den Gemeinden Krembz (35 Prozent unterversorgte Fläche), Pokrent (31 Prozent) und Krusenhagen (30 Prozent).
Positive Entwicklung in Schwerin und Nordwestmecklenburg
Während der LUP-Kreis die größten Netzlücken aufweist, präsentiert sich die Situation in anderen Teilen Westmecklenburgs deutlich besser. Schwerin erreicht mit nur 2,5 Prozent Netzlücken einen Top-Wert und ist damit nahezu lückenlos versorgt. In Nordwestmecklenburg sind bereits rund 94 Prozent der Kreisfläche mit schnellem Mobilfunk ausgestattet.
Zukunftsperspektiven: Experten bleiben skeptisch
Nach den Plänen der Bundesnetzagentur sollen die Mobilfunknetzbetreiber bis Ende 2028 mindestens 98 Prozent der Haushalte in dünn besiedelten Gebieten in jedem Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. Experte Schamberg äußert jedoch Zweifel an der Umsetzbarkeit dieses Ziels: „Deutschland werde bei der Beseitigung von Funklöchern immer langsamer.“
Die Diskrepanz zwischen städtischen Zentren wie Schwerin und ländlichen Regionen wie Ludwigslust-Parchim verdeutlicht die Herausforderungen beim flächendeckenden Mobilfunkausbau. Während in der Landeshauptstadt moderne 5G-Technologie bereits verfügbar ist, müssen Bewohner in vielen Gemeinden Westmecklenburgs weiterhin mit veralteter Infrastruktur auskommen.



