Neubrandenburg setzt Zeichen bei weltweiter Earth Hour
Am Samstagabend um 20.30 Uhr versanken Teile der Vier-Tore-Stadt für eine Stunde in bewusster Dunkelheit. Neubrandenburg beteiligte sich erneut an der internationalen Earth Hour, einer jährlichen Aktion des WWF, um ein sichtbares Signal für mehr Klima- und Umweltschutz zu setzen. An markanten Gebäuden wie den historischen Stadttoren und dem Rathaus wurde die Beleuchtung planmäßig abgeschaltet.
Licht aus – aber nicht überall
Die Stadtverwaltung hatte die Aktion sorgfältig vorbereitet, doch aus Gründen der Verkehrssicherheit blieben einige Lampen auf dem Marktplatz und an den Toren weiterhin eingeschaltet. Dadurch war die Dunkelheit nicht durchgängig, sondern nur an ausgewählten Stellen deutlich sichtbar. Besonders auf dem Wall und am Rathaus fiel das fehlende Licht jedoch ins Auge. Viele Bürger mussten genau hinschauen, um die bewusst geschaffenen dunklen Ecken zu erkennen.
Begrenzte Beteiligung der Bevölkerung
Obwohl auch Privathaushalte zur Teilnahme aufgerufen waren, beteiligten sich im Zentrum der Kreisstadt nur sehr wenige an der weltweiten Symbolaktion. Die Earth Hour bleibt damit primär eine Initiative der Kommune und weniger eine breite Bürgerbewegung. Organisiert wird die Veranstaltung seit Jahren vom WWF, der sie als gemeinschaftliche und symbolische Aktion beschreibt.
Kritik und realer Nutzen
Die Earth Hour hat nicht nur Befürworter, sondern zieht auch Kritik auf sich – teilweise aus den eigenen Reihen. Der WWF räumt auf seiner Website ein, dass eine Stunde Lichtausschalten allein keinen messbaren Einfluss auf den Klimawandel hat. Energiesparen sei lediglich ein positiver Nebeneffekt, nicht das Hauptziel. Das Öko-Institut hat berechnet, dass selbst bei einer hypothetischen 50-prozentigen Beteiligung aller deutschen Haushalte nur etwa 343 Tonnen CO₂ eingespart würden. Ein flächendeckender Wechsel von Glüh- auf Energiesparlampen könnte dagegen jährlich 2,5 Millionen Tonnen einsparen.
Die Aktion in Neubrandenburg zeigt somit die Ambivalenz solcher Symbolakte: Sie schaffen Aufmerksamkeit für wichtige Themen, bleiben in ihrer praktischen Wirkung aber begrenzt. Für echte Veränderungen braucht es deutlich mehr als eine Stunde Dunkelheit im Jahr.



