Polizeifahrzeuge in Mecklenburg-Vorpommern: Fast täglich neue Schäden
Die Bilanz der Polizeifahrzeuge in Mecklenburg-Vorpommern zeigt ein alarmierendes Bild: Im vergangenen Jahr wurde durchschnittlich fast jeden zweiten Tag ein Streifenwagen beschädigt oder war in einen Unfall verwickelt. Das Innenministerium des Landes bestätigt insgesamt 172 beschädigte oder verunfallte Fahrzeuge der Landespolizei. Sieben dieser Fahrzeuge konnten nicht mehr gerettet werden und wurden über Restwertgebote veräußert.
Reparaturkosten in Millionenhöhe
Die finanziellen Folgen sind erheblich: Allein für die Reparatur von Unfallschäden an den eigenen Fahrzeugen fielen Kosten in Höhe von 395.553,45 Euro an. Als Ersatz für die ausgefallenen Fahrzeuge mussten 89 neue Polizeiautos angeschafft werden – eine Investition, die sicherlich im Millionenbereich liegt. Eine Sprecherin des Innenministeriums betonte, dass im Gegensatz zu früheren Jahren keine Polizeifahrzeuge von Kriminellen aufgebrochen oder gestohlen wurden.
Schwerpunkt im Präsidium Neubrandenburg
Besonders betroffen ist das Polizeipräsidium Neubrandenburg, das die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen umfasst. Hier wurden im vergangenen Jahr 61 Fahrzeuge beschädigt oder verunfallt, wobei eines endgültig ausgemustert werden musste. Die Reparaturkosten in diesem Bereich beliefen sich auf 197.976,45 Euro. In dem Präsidium sind etwa 2000 Beamte und Arbeitnehmer beschäftigt.
Gewerkschaft sieht Handlungsbedarf
Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Mecklenburg-Vorpommern (GdP), kommentiert die Zahlen mit gemischten Gefühlen. „Die hohe Zahl an Unfällen ist auch ein Zeichen dafür, dass wir viel auf den Straßen von Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind“, erklärt Schumacher. Gleichzeitig sieht er erheblichen Verbesserungsbedarf bei Ausbildung und Ausstattung.
Die Gewerkschaft fordert konkret:
- Mehr Fahrsicherheitstrainings für Polizeibeamte
- Bessere Ausrüstung der Fahrzeuge, insbesondere mit Saisonreifen statt Ganzjahresreifen
- Berücksichtigung der demografischen Besonderheiten im Streifendienst
Mehrere Faktoren beeinflussen Unfallrisiko
Schumacher nennt mehrere Gründe für die hohen Unfallzahlen. Im Streifendienst seien viele junge Kollegen im Einsatz, „die in der Regel weniger Fahrpraxis und Ortskenntnisse haben“. Dazu komme das erhöhte Risiko bei Einsatzfahrten mit Blaulicht und Sonderrechten. Polizisten in ihren Streifenwagen hätten mindestens das gleiche Unfallrisiko wie andere Verkehrsteilnehmer – bei Einsatzfahrten sogar ein deutlich höheres.
Haushaltslage verschärft Probleme
Ein weiteres Problem sieht der GdP-Vorsitzende in der angespannten Haushaltslage des Landes. „In Zukunft dürfte die Erneuerung und Neubeschaffung von Fahrzeugen wesentlich schwieriger werden“, warnt Schumacher. Aktuell fehlten jedoch nicht primär Fahrzeuge, sondern das Personal dafür. Die Polizeiinspektion Stralsund verzeichnete mit 31 Unfällen die meisten Vorfälle, gefolgt von Neubrandenburg mit 27 Fällen. In Anklam gab es hingegen nur zwei Unfälle.
Die Zahlen unterstreichen die Herausforderungen, vor denen die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern steht. Während die Einsatzkräfte täglich ihr Leben riskieren, um schnell an Tat- und Unfallorte zu gelangen, müssen gleichzeitig Maßnahmen zur Reduzierung der Unfallzahlen und zur Verbesserung der Arbeitssicherheit entwickelt werden.



