Abschied von historischem Gebäude: Rüting startet Millionenprojekt
Wo im November 2025 noch die Bürgermeisterwahl stattfand, ist heute nur noch eine leere Fläche zu sehen. Das ehemalige Feuerwehr- und Gemeindezentrum in Rüting wurde vollständig abgerissen, nachdem im Januar mit dem traditionellen Tannenbaumverbrennen das letzte Fest an diesem Ort gefeiert wurde. Für die Feuerwehrkameraden bedeutet dies den Abschied von einem Gebäude, das sie über viele Jahre begleitet hat – einem Ort, an dem aus Übungen Ernst wurde, aus Kollegen Familie und aus Einsätzen Verantwortung erwuchs.
Altersschwäche und veraltete Standards machten Sanierung unmöglich
Das mittlerweile 70 Jahre alte Gebäude hatte seine Lebenserwartung deutlich überschritten, wie der kommissarische Gemeindeleiter Thomas Grote bereits im vergangenen Jahr feststellte. Nach dem Tod von Bürgermeister Holger Hinze im Mai 2025 übernahm Grote interimistisch die Gemeindegeschäfte bis zur Neuwahl im November. Das in die Jahre gekommene Zentrum wies zahlreiche gravierende Mängel auf, die eine Sanierung wirtschaftlich unsinnig machten.
Die Hauptprobleme des alten Gebäudes:
- Allgegenwärtige Feuchtigkeit in den Räumlichkeiten
- Fehlende Umkleidemöglichkeiten für die etwa 20 aktiven Feuerwehrkameraden
- Keine Schmutzschleuse für Einsatzkräfte nach Bränden
- Unzureichende Deckenhöhe in der Fahrzeughalle für moderne Feuerwehrfahrzeuge
- Insgesamt nicht mehr zeitgemäße Ausstattung und Raumaufteilung
Wie Thomas Grote erläuterte, hätten die Sanierungskosten aufgrund der umfangreichen Mängelliste sogar die Kosten für einen kompletten Neubau überstiegen, was die Entscheidung für den Abriss und Neubau wirtschaftlich notwendig machte.
Modernes Multifunktionszentrum als neuer Dorfmittelpunkt
Der geplante Ersatzneubau soll weit mehr als nur ein Feuerwehrhaus werden. Geplant ist ein modernes Multifunktionszentrum, das verschiedenen Gemeindegruppen Raum bieten und zum zentralen Treffpunkt für alle Rütinger Einwohner werden soll.
Die geplanten Einrichtungen im neuen Zentrum:
- Zwei Stellplätze für Feuerwehrfahrzeuge mit ausreichender Deckenhöhe
- Moderne Umkleideräume und Schmutzschleuse für die Einsatzkräfte
- Schulungsräume für Feuerwehr und Gemeinde
- Büroräume für Gemeindemitarbeiter
- Räumlichkeiten für Seniorentreffs
- Ein Jugendclub für die junge Generation
Gemeindewehrführer Thomas Thiem hofft, dass der Neubau mit seinen modernen Standards nicht nur die Arbeitsbedingungen für die bestehende Mannschaft verbessert, sondern auch neue Einsatzkräfte anzieht. Aktuell stehen tagsüber nur vier bis fünf Kameraden für Einsätze zur Verfügung, was die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft erschwert.
Finanzielle Herausforderung mit Förderunterstützung
Das ambitionierte Bauprojekt stellt für die Gemeinde eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Die Gesamtkosten für den Ersatzneubau belaufen sich auf knapp zwei Millionen Euro. Allerdings kann Rüting mit einer Projektförderung in Höhe von etwa 1,2 Millionen Euro rechnen, was die finanzielle Last für die Gemeinde spürbar reduziert.
Während der Bauphase sind die Feuerwehrkameraden übergangsweise in ihr altes Gerätehaus gezogen, das sie für diesen Zweck entsprechend renoviert haben. Der Abriss des alten Zentrums markiert somit nicht nur das Ende einer Ära, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels für die Gemeinde Rüting – einem Kapitel, das auf Modernisierung, Gemeinschaft und verbesserter Infrastruktur basiert.



