Schloss Rossewitz: Verstecktes Barockjuwel in Mecklenburgs Wäldern
Verborgen in den Wäldern bei Laage erhebt sich wie eine Fata Morgana das Schloss Rossewitz – Mecklenburgs ältester Barockbau und ein architektonisches Kleinod von nationaler Bedeutung. Der imposante Bau, der einst als Drehort für den DEFA-Film „Die Wahlverwandtschaften“ diente, birgt in seinem Innern kunsthistorische Schätze von unschätzbarem Wert.
Italienische Illusionsmalerei in norddeutscher Idylle
Wer die acht Meter hohe Empfangshalle betreten könnte, würde sich unweigerlich nach Italien versetzt fühlen. Täuschend echte Fresken italienischer Meister schaffen die Illusion von Marmorsäulen und Arkadenbögen, die den Raum in einen mediterranen Palast verwandeln. Diese einzigartige Illusionsmalerei nördlich der Alpen entstand vor rund 350 Jahren und macht Schloss Rossewitz zu einem frühen Zeugnis barocker Architektur im gesamten Ostseeraum.
Doch diese Pracht bleibt der Öffentlichkeit derzeit verwehrt. Das Schloss befindet sich im Privatbesitz von Kurt-Peter Gaedeke, einem Immobilienunternehmer aus Schleswig-Holstein, und ist seit längerer Zeit geschlossen. Neben den atemberaubenden Wandmalereien beherbergt das Gebäude weitere Besonderheiten wie einen Brunnen mit spiegelklarem Grundwasser für die historische Wasserversorgung und 1,60 Meter dicke Wände mit einer barocken Wandheizung.
Von der Rettung vor dem Abriss zum langsamen Verfall
Die Geschichte des Schlosses ist geprägt von dramatischen Wendungen. In der DDR-Zeit konnte ein geplanter Abriss zugunsten des Flugplatzes Laage gerade noch verhindert werden. Doch der Zahn der Zeit nagte unerbittlich an dem Bauwerk, das sich allmählich in eine Ruine verwandelte. Imke Thiel, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft zu Erhalt und Nutzung von Gutsanlagen in MV, dokumentierte den sukzessiven Verfall seit den 1980er-Jahren eindrucksvoll fotografisch.
Erst durch das Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, namhafter Spender und des jetzigen Eigentümers konnte das Schloss vor dem Einsturz bewahrt werden. Knut Splett-Henning, Vorsitzender der AG Gutsanlagen, berichtet von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen:
- Denkmalgerechte Wiederherstellung des Daches
- Wiedereinfügung der Gauben
- Einbringung von Geschossdecken
- Rettung und Ergänzung vieler Eichenfenster
Sorgen um die Zukunft des Kulturerbes
Trotz dieser Erfolge bereitet die aktuelle Entwicklung den Denkmalschützern Sorgen. „Wir finden es sehr schade, dass das Projekt scheinbar in der letzten Zeit weniger vorangekommen ist als in den Jahren zuvor“, erklärt Splett-Henning. Die Arbeitsgemeinschaft vermutet Schwierigkeiten bei der Suche nach einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Nutzung für das historische Gebäude.
Besonders bedauerlich ist aus Sicht der Experten, dass dieses einzigartige Haus nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Interesse an dem Kulturerbe ist groß, wie eine Mail einer jungen Familie aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt, die sich um die Zukunft des Schlosses sorgt und um Hilfe bittet, „damit dieses Haus nicht in Vergessenheit gerät“.
Konstruktiver Dialog als Hoffnungsschimmer
Die AG Gutsanlagen plant nun, sich in einen konstruktiven Dialog mit Eigentümer Kurt-Peter Gaedeke zu begeben. „Gern wollen wir als Verein ehrenamtlich mithelfen, das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, betont Splett-Henning. Viele Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft besitzen selbst Gutshäuser und verfügen über Erfahrung im achtsamen Umgang mit solcher Verantwortung.
Auch die Stadt Laage als zuständige Kommune unterstützt die Bemühungen. Bürgermeisterin Kristin Zimmermann erkennt die besondere historische Bedeutung des Schlosses an und versteht das öffentliche Interesse an Besichtigungsmöglichkeiten. Allerdings bleiben der Stadt ohne die Mitwirkung des Eigentümers die Hände gebunden.
Die Rettung von Schloss Rossewitz erfordert weiterhin Leidenschaft, Mut und Herzblut – Eigenschaften, die die Gutshausretter in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt haben. Ob das Barockjuwel bei Laage seine Türen wieder für Besucher öffnen kann, bleibt eine offene Frage, die Denkmalschützer und Kunstliebhaber in ganz Deutschland bewegt.



