Ostdeutsche Sparkassen halten an Präsenz fest - Altersvorsorge bleibt Herausforderung
Während viele Kreditinstitute ihre Präsenz in der Fläche reduzieren, setzen die ostdeutschen Sparkassen bewusst auf ein dichtes Netz an Standorten. Unter dem Dach des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) bieten 43 Mitgliedsinstitute an insgesamt 1.435 Standorten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt ihre Dienstleistungen an. Davon sind 975 vollwertige Filialen und 460 SB-Stellen.
„Wir verbinden persönliche Nähe mit digitaler Stärke“, betonte Verbandsgeschäftsführer Markus Rück bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin. „Andere bieten nur einzelne Stücke – bei uns gibt es den ganzen Kuchen. Unsere Sparkassen bieten das komplette Leistungsspektrum aus einer Hand.“ Der OSV versteht sich als tief in den Regionen verwurzelte Institution, die mehr sein will als eine reine Banking-App.
Stabile Präsenz trotz allgemeinem Rückzugstrend
Die Zahlen belegen die Bestrebungen der Sparkassen, ihre physische Präsenz zu erhalten:
- In Mecklenburg-Vorpommern gab es 2025 insgesamt 144 Geschäftsstellen – nur zwei weniger als im Vorjahr
- Die Zahl der Geldautomaten stieg dort um zwei auf 416 Geräte
- Die Mitarbeiterzahl wuchs um 93 auf 2.858 Beschäftigte
- In Brandenburg blieb die Anzahl der Geschäftsstellen mit 223 konstant
- Dort kamen zwölf neue Geldautomaten hinzu, sodass nun 565 verfügbar sind
- Die Belegschaft in Brandenburg erhöhte sich um 37 auf 4.138 Mitarbeiter
Ludger Weskamp, geschäftsführender Präsident des OSV, erklärte: „Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten zeigt sich die Stärke der Sparkassen. Wir kennen die Menschen vor Ort, begleiten sie persönlich und bieten gleichzeitig leistungsfähige digitale Lösungen.“
Altersarmut: Große Sorge, geringe Vorsorge
Laut dem Sparkassen-Vermögensbarometer bereitet 31 Prozent der Ostdeutschen die Angst vor Armut im Alter ernsthafte Sorgen. Gleichzeitig geben jedoch nur 48 Prozent an, regelmäßig sparen zu können. Besonders alarmierend ist die Distanz zu Wertpapieren: 65 Prozent der Ostdeutschen haben noch nie in solche Anlageformen investiert.
Weskamp sieht hier dringenden Handlungsbedarf: „Die Sparkassen setzen gezielt an – mit Beratungsangeboten und finanziellen Bildungsmaßnahmen. Gleichzeitig braucht es mehr Bewusstsein für private Vorsorge als zusätzliches Standbein zur gesetzlichen Rente.“ Die geplante Frühstartrente bewertet er als wichtigen Schritt in die richtige Richtung.
„Hier werden wir mehr für das Thema sensibilisieren“, so der Banker weiter. „Denn schon kleine Beträge in Sparplänen für Fonds oder ETFs können langfristig viel bewirken.“
Wirtschaftliche Stabilisierung durch Kreditvergabe
Die ostdeutschen Sparkassen haben nach eigenen Angaben die wirtschaftliche Entwicklung in der Region im vergangenen Jahr stabilisiert. Der Gesamtkreditbestand stieg auf 83,1 Milliarden Euro. Insgesamt sagten die Institute 12,1 Milliarden Euro neue Kredite zu – ein Plus von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders bemerkenswert:
- Die Neukredite an Privatkunden wuchsen um 18,7 Prozent
- Die Zusagen an Unternehmen und Selbstständige legten nach dem Rückgang 2024 wieder um 9,5 Prozent zu
Diese Entwicklung unterstreicht die Rolle der Sparkassen als verlässliche Partner für Privatpersonen und Unternehmen gleichermaßen – besonders in einer Zeit, in der viele andere Finanzinstitute ihre Präsenz in ländlichen Regionen reduzieren.



