Till Backhaus: Der Minister, der mit Wal Timmy spricht und seine Meinung radikal ändert
Till Backhaus: Der Minister, der mit Wal Timmy spricht

Der Minister und der Wal: Eine ungewöhnliche Begegnung mit Folgen

Das Schicksal des Buckelwals Timmy, der am 31. März vor der Insel Poel in der Ostsee gestrandet war, ist auf besondere Weise mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) verbunden. Der erfahrene Politiker hatte zunächst eine Rettung des geschwächten Meeressäugers für ausgeschlossen erklärt und argumentiert, man müsse das Tier "in Ruhe sterben lassen". Diese Position stützte er auf ein wissenschaftliches Gutachten von Meeresbiologen, die Timmys Zustand als kritisch bewerteten.

Vom Skeptiker zum Befürworter: Backhaus' radikaler Sinneswandel

Doch nach einer persönlichen Begegnung mit dem Wal änderte der Minister seine Meinung grundlegend. Plötzlich duldet Backhaus einen privaten Rettungsversuch, bei dem Timmy auf einem Netz, umgeben von Schwimmpontons, bis in den Atlantik geschleppt werden soll. Dabei hätte seine Behörde diese Aktion auch untersagen können. "Wissenschaft", so Backhaus nun, "könne sich auch mal irren". Er sei überzeugt, dass es Timmy viel besser gehe als ursprünglich vermutet.

Der Minister beschreibt die Begegnung mit dem Buckelwal als tiefgreifendes Erlebnis: "Ich glaube an dieses Tier. Ich habe ihm in die Augen gesehen und sogar mit ihm kommuniziert." Backhaus ist überzeugt, dass der Wal ihn "sehr, sehr genau registriert und wahrgenommen hat". Dieser persönliche Kontakt verwandelte den anfänglichen Skeptiker in einen engagierten Befürworter der Rettungsaktion.

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Politisches Kalkül oder echte Überzeugung?

Die Frage bleibt: Handelt es sich bei diesem Sinneswandel um echte Überzeugung oder politisches Kalkül? Im Internet kursiert mittlerweile ein Video, in dem Backhaus von Wal-Aktivisten umlagert ist, die sich für den Rettungsversuch bedanken. Zuvor war der Minister im Netz massiv beschimpft worden, es soll sogar Morddrohungen gegeben haben. "Ich bin hier schon durch einige Höllen gegangen", gestand Backhaus. "Aber diese Hölle ist die schlimmste, die ich je als Minister erlebt habe."

Der dienstälteste Minister Deutschlands mit bewegter Vergangenheit

Till Backhaus ist nicht nur durch die Timmy-Affäre bekannt. Der 67-Jährige gilt als Deutschlands dienstältester Minister und hat eine bewegte politische Karriere hinter sich. Aus der DDR stammend, arbeitete er nach einer Ausbildung zum Facharbeiter für Landtechnik und einem Ingenieurstudium zunächst in der Landwirtschaft. Seit 1990 gehört er dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an und wurde 1998 zum Landwirtschaftsminister ernannt.

Menschen, die den SPD-Politiker kennen, beschreiben ihn als "altes Schlachtross". Seine Schlagzeilen-Liste ist lang: 2022 musste er sich bei der damaligen Grünenchefin Ricarda Lang (32) entschuldigen, nachdem er in einer Rede über ihre Figur gelästert hatte. 2014 lieferte er sich mit seiner Ex-Lebensgefährtin eine öffentliche gerichtliche Auseinandersetzung um einen alten Traktor und 188.000 Euro. 2013 berichteten Medien über eine Auseinandersetzung mit einem Autofahrer, bei der es angeblich zu Handgreiflichkeiten kam.

Politische Ambitionen und die Symbolkraft der Wal-Rettung

Fakt ist: Backhaus will weiter politisch wirken. Er tritt als SPD-Direktkandidat in Ludwigslust-Parchim an, wo seine Partei der AfD hinterherläuft. Eine erfolgreiche Rettung von Wal Timmy könnte dem Minister und der SPD somit gut zu Gesicht stehen. Die emotionale Geschichte des Ministers, der mit einem Wal spricht und gegen wissenschaftliche Prognosen ankämpft, hat bereits jetzt große mediale Aufmerksamkeit erzeugt.

Ob die private Rettungsaktion tatsächlich erfolgreich sein wird und Timmy den Weg in den Atlantik übersteht, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Till Backhaus mit seiner radikalen Meinungsänderung erneut bewiesen hat, dass er nicht vor kontroversen Entscheidungen zurückschreckt – sei es aus Überzeugung, politischem Instinkt oder einer Mischung aus beidem.

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