Tödliches Vogelschicksal am Tollensesee: Stadt und Landkreis sehen keine Handlungsmöglichkeit
Die jüngsten Wintertage haben in Mecklenburg-Vorpommern für beeindruckende Landschaftsbilder gesorgt, doch am Tollensesee bei Neubrandenburg offenbart sich eine düstere Seite der kalten Jahreszeit. Entlang des Oberbachs wurden bis zu 20 tote Vögel entdeckt, die sich nicht mehr aus der eisigen Umgebung befreien konnten. Unter den verendeten Tieren befinden sich vor allem Kormorane, die sich ausschließlich von Fisch ernähren und auf dem dicken, teilweise tauenden Eis keine Nahrung finden konnten. Auch ein Graureiher wurde unter den Opfern identifiziert.
Bergung aufgrund dünner Eisdecke als zu gefährlich eingestuft
Die Stadt Neubrandenburg und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte haben auf die besorgniserregende Situation reagiert, sehen jedoch aktuell keine Möglichkeit zur Bergung der Tierkadaver. „Eine Bergung der Tiere ist, aufgrund der dünnen Eisschicht, auch laut Stadtförster im Moment nicht möglich“, erklärt der Landkreis. Die Stadt bestätigt diese Einschätzung und fügt hinzu, dass etwa 15-20 verendete Vögel bei einer Besichtigung Anfang der Woche gesichtet wurden. „Zum jetzigen Zeitpunkt besteht aber keine Möglichkeit der gefahrlosen Bergung, der im Eis eingefrorenen Tiere“, so die offizielle Stellungnahme.
Keine Seuchengefahr, aber Unmut unter Bürgern
Laboruntersuchungen haben ergeben, dass die betroffenen Tierarten – darunter Kormorane, Reiher und Blessrallen – nicht mit dem Geflügelpestvirus infiziert sind. Der Landkreis betont, dass es sich um einen „natürlichen Prozess, der sicherlich nicht schön anzusehen, in strengen Wintern immer wieder an allen Küstengewässern und größeren Seen zu beobachten ist“ handelt. Dennoch sorgt der Anblick für Unmut unter Anwohnern und Spaziergängern, die sich sowohl an dem morbiden Bild stören als auch die ausbleibende Bergung kritisieren.
Die Pressestelle der Stadt Neubrandenburg erklärt dazu: „Aktuell besteht seitens der Feuerwehr keine Möglichkeit die Tiere zu bergen, da diese zum Teil im Eis eingefroren sind und auch nur vom Eis aus erreichbar sind“. Ein Tauwetter, das für den kommenden Freitag angekündigt wurde, könnte die Situation verändern, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Tiere dann vollständig abgetaut sind.
Rechtliche Grundlagen für Entsorgung fehlen
Da kein Ausbruch einer Tierseuche festgestellt wurde, existieren keine verbindlichen Vorgaben zum Umgang mit den toten Wildtieren. Der Landkreis weist darauf hin, dass „für eine Entsorgung toter, aber nicht seuchenverdächtiger Wildtiere keine Rechtsgrundlage“ bestehe. Die Stadt Neubrandenburg ist zwar grundsätzlich für die Entsorgung zuständig, kann jedoch ohne entsprechende rechtliche Basis nicht aktiv werden.
Spaziergänger am Oberbach müssen sich daher vorerst weiterhin mit dem traurigen Anblick arrangieren. Die Situation wird nach dem erwarteten Tauwetter neu bewertet, doch bis dahin bleibt die Natur ihrem eigenen, oft grausamen Lauf überlassen.



