Villa Baltic in Kühlungsborn: Verkauf an Stadt unter strengen Bedingungen möglich
Die historische Villa Baltic im Ostseebad Kühlungsborn könnte nach über drei Jahrzehnten des Leerstands und Verfalls endlich eine neue Zukunft erhalten. Die Eigentümer, die Oldenburger Projektentwickler Jan und Berend Aschenbeck, haben grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, die sanierungsbedürftige Immobilie an die Stadt zu verkaufen. Allerdings stellen sie klare Bedingungen, die den komplizierten Fall weiterhin schwierig gestalten.
Gemeinsames Gutachten als Grundlage erforderlich
Für einen möglichen Verkauf fordern die Eigentümer als Arbeitsgrundlage ein gemeinsames Verkehrswertgutachten, das von einem unabhängigen Gutachter erstellt werden muss. Aus rechtlichen Gründen wäre ein Erwerb durch die Stadt frühestens zum 1. Januar 2030 möglich. Die Aschenbecks hatten die unter Denkmalschutz stehende Villa im Jahr 2019 für zwei Millionen Euro erworben und seitdem umfangreiche Planungen für eine Sanierung sowie einen Hotelneubau auf einem Nachbargrundstück vorangetrieben.
Trotz Aussicht auf Fördermittel in Millionenhöhe scheiterte das Projekt nach Jahren, wofür die Eigentümer die Stadtverwaltung verantwortlich machen. Das Kommunalparlament hatte Bürgermeisterin Olivia Arndt (Kühlungsborner Liste) im vergangenen Monat beauftragt, im Rahmen eines eigenen Entwicklungskonzeptes Kaufverhandlungen aufzunehmen.
Stadt will Sanierung und öffentlichen Zugang
Voraussetzung für einen Erwerb durch die Stadt ist, dass die Villa Baltic saniert und öffentlich zugänglich gemacht wird. „Erste positive Abstimmungen zwischen der Bürgermeisterin und uns haben bereits stattgefunden“, erklärte Jan Aschenbeck. Sollte der Erwerb nicht zustande kommen, gebe es alternative Optionen wie ein Erbpacht-Modell oder die Möglichkeit, dass die Eigentümer die Villa selbst sanieren und anschließend an die Stadt vermieten.
In einer Pressemitteilung setzte Aschenbeck der Stadt für die Abstimmung über eine gemeinsame Beauftragung eines Wertgutachtens eine Frist bis zum 8. April. Der gesamte Vorgang müsse noch vor der Sommerpause bis zum 10. Juli abgeschlossen sein, um Planungssicherheit zu gewährleisten.
Bewegte Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes
Die 1912 errichtete Villa Baltic hat eine bewegte und teilweise tragische Geschichte. Die früheren Eigentümer vermachten Villa und Park im heutigen Kühlungsborn West – damals Arendsee in Mecklenburg – im Jahr 1929 der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin“. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft kam es zum Zwangsverkauf für einen Spottpreis, das Gebäude wurde später als Lazarett umfunktioniert und nach dem Krieg von der Roten Armee geplündert.
Während der DDR-Zeit diente die Villa als Erholungsheim des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB). Seit der Wiedervereinigung steht das historische Gebäude leer und verfällt zusehends, was den Denkmalschutz und die städtebauliche Entwicklung in Kühlungsborn vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Die aktuellen Verhandlungen zwischen Stadt und Eigentümern könnten nun den Weg für eine langfristige Lösung ebnen, die sowohl den denkmalpflegerischen Aspekten als auch den stadtentwicklungspolitischen Interessen Rechnung trägt.



