Wettlauf gegen die Zeit: Spektakuläre Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal in der Ostsee
Vor Timmendorfer Strand in Mecklenburg-Vorpommern läuft eine dramatische Rettungsaktion für einen gestrandeten Buckelwal. Nachdem mehrere Versuche gescheitert sind, setzen die Einsatzkräfte nun auf eine innovative Methode mit Bojenmarkierungen, um den Baggerfahrern im trüben Wasser die Orientierung zu erleichtern.
Bagger gräbt unter Anleitung von Biologen direkt am Wal
Ein schwimmender Schaufelbagger gräbt aktuell direkt um das festsitzende Tier herum, während der Biologe Robert Marc Lehmann im Wasser steht und jeden Handgriff koordiniert. Die Baggerschaufel befindet sich bereits einen Meter vor dem Wal im Wasser. Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), erklärte, dass der Wal zwar motiviert sei, die geplante Rinne jedoch wegen der Orientierungsschwierigkeiten des Baggerfahrers noch unvollständig bleibe.
„Im trüben Wasser erkennt der Fahrer oft nicht, wo er den Sand bereits bewegt hat“, so Groß. Daher sollen nun Bojen eingesetzt werden, um die geplante Rinne zu markieren. Parallel dazu ist ein zweiter Bagger im Einsatz, der eine Rampe baut, um näher an den Wal heranzukommen.
Herausfordernde Bedingungen und politische Unterstützung
Die Rettungsaktion wird durch mehrere Faktoren erschwert:
- Wind und Strömung erschweren die Arbeiten erheblich
- Der Sand erwies sich bei früheren Versuchen als zu fest für einen Saugbagger
- Versuche mit Polizeibooten, Wellen zu erzeugen, blieben erfolglos
Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke bestätigte, dass die Arbeiten weit fortgeschritten seien. Ein Taucher unterstütze den Meeressäuger dabei, ins Freie zu kommen. Zudem hat der Bürgermeister Unterstützung bei Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke (CDU) angefordert, um den Wal von der Ostsee in die Nordsee zu geleiten. Die Ministerin habe die nötige Unterstützung mit Schiffen und Booten zugesagt.
Chronologie der gescheiterten Rettungsversuche
Der Buckelwal war bereits am Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Seitdem gab es mehrere erfolglose Rettungsversuche:
- Ein Versuch mit einem kleinen Saugbagger scheiterte, weil der Sand zu fest war
- Es gelang zwar, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu drehen, frei kam er aber nicht
- Versuche mit Polizeibooten, Wellen zu machen, brachten kein Ergebnis
- Die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem Hochwasser freischwimmen kann, erfüllte sich nicht
Um den Wal nicht weiter zu stressen, wurden die Versuche zeitweise abgebrochen. Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer Gewässerdienst Wandhoff erklärte, dass mit mehreren Baggern eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden soll.
Die Rettungskräfte arbeiten unter Hochdruck, während Biologe Robert Marc Lehmann neben dem Tier im Wasser steht und den Wettlauf gegen Wind, Strömung und die Zeit koordiniert. Ob die nun mit Bojen markierte Rinne den Wal in letzter Sekunde retten kann, bleibt ungewiss.



