Winterliche Vogelkonkurrenz: Am Tollensesee drängen sich Wasservögel bei Eis
Wer derzeit einen winterlichen Spaziergang plant, sollte den Tollensesee in Neubrandenburg als Ziel in Betracht ziehen. Obwohl der See trotz zahlreicher Frostnächte und kalter Tage in den vergangenen Winterwochen nicht vollständig zugefroren ist, hat sich die Eisfläche vom Ufer aus deutlich vergrößert. Diese Entwicklung führt zu einem bemerkenswerten Schauspiel für Naturbeobachter.
Immer mehr Wasservögel am teilweise eisfreien Tollensesee
Die Eisdecke reicht mittlerweile vom Bootsanleger fast bis zur Torpedoinsel, wie der Nordkurier-Leser und Naturfotograf Wolfgang Dee beobachtet hat. Da viele Gewässer in der Umgebung bereits vollständig gefroren sind, finden sich in den eisfreien Bereichen des Tollensesees immer mehr Wasservögel ein. Die Durchschnittstiefe von etwa 18 Metern und die wenig windgeschützte Lage verhindern hier noch eine größere Eisdecke.
Ältere Bewohner erinnern sich möglicherweise an Zeiten, als eine Eiswanderung vom Augustabad bis Broda möglich war und sich an sonnigen Wintertagen viele Neubrandenburger auf dem Eis des Tollensesees tummelten. Heute hingegen bietet der See einen wichtigen Rückzugsort für Vögel.
Konkurrenz um begrenzte Ressourcen in der Mecklenburgischen Seenplatte
In der Mecklenburgischen Seenplatte überwintern sowohl heimische Wasservogelarten als auch Gäste aus Nord- und Osteuropa. Bleibt es längere Zeit kalt, drängen sich die Vögel auf wenigen offenen Wasserflächen. Dieser Prozess kostet die Tiere wertvolle Energie, da sie längere Strecken fliegen und dichter konkurrieren müssen, um Nahrung und Platz zu finden.
Die Situation ist nicht nur auf Wasservögel beschränkt. Wie Nordkurier-Leser Erwin Rosenthal in seinem Garten beobachtet hat, streiten sich derzeit auch Kernbeißer um das knappe Winterfutter. Die größte heimische Finkart sieht nur Artgenossen als Konkurrenten an, während andere Finken wie Grünfink und Bergfink daneben in Ruhe fressen können.
Artgerechte Unterstützung für Vögel im Winter
Wer die Vögel in langen Frostperioden unterstützen möchte, kann dies auf verschiedene Weise tun:
- Sonnenblumenkerne oder spezielles Fettfutter bieten wertvolle Energiequellen.
- Eine Schale mit lauwarmem Wasser hilft gegen den Vogeldurst.
- Für Wasservögel ist eine Fütterung mit Brot dagegen ungeeignet, da es kaum Nährstoffe liefert und die Gewässer belasten kann.
- Zudem gewöhnen sich Tiere an Menschen und verlieren ihre natürliche Scheu, was langfristig problematisch sein kann.
Die winterliche Vogelwelt in und um Neubrandenburg zeigt eindrucksvoll, wie Tiere mit den Herausforderungen der kalten Jahreszeit umgehen und wie Menschen sie dabei artgerecht unterstützen können.



