ALBA Berlin visiert Pokaltriumph trotz Bayern-Favoritenrolle an
Die Spannung im deutschen Basketball steigt auf den Höhepunkt. Am kommenden Wochenende findet im Münchner SAP Garden das Top Four des BBL-Pokals statt, das größte Basketball-Highlight der Saison bis dato. Während Gastgeber FC Bayern München als haushoher Favorit in das Turnier geht, hat auch Rekordpokalsieger ALBA Berlin klare Ambitionen. Der Berliner Klub strebt nach dem letzten Triumph vor vier Jahren nun den insgesamt zwölften Pokalsieg an.
Ojeda: „Wir konnten Bayern schon schocken“
Im exklusiven Interview mit SPORT1 macht Sportdirektor Himar Ojeda die Zielsetzung seiner Mannschaft unmissverständlich klar. „Wenn man jetzt schon so weit gekommen ist und im Final-Turnier ist, fahren wir natürlich nach München, um den Pokal zu gewinnen“, betont der 53-jährige Spanier. Zwar räumt er die Favoritenrolle der Bayern ein, verweist aber auf die Unberechenbarkeit des Sports. „Zum Glück zählen im Sport aber auch andere Faktoren: Es gewinnt nicht immer der Favorit den Titel.“
Ojeda erinnert an vergangene Überraschungssiege: „Wir haben in der Vergangenheit einige Titel einfahren können, die man wohl auch als Überraschungssiege bezeichnen kann. Da waren auch oft die Bayern der Favorit und wir konnten sie schocken.“ Allerdings betont er, dass zunächst das Halbfinale gegen die Oldenburger eine schwere Hürde darstellt.
Wechsel in die Basketball Champions League als bewusste Entscheidung
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist der vor Saisonbeginn vollzogene Wechsel von der EuroLeague in die Basketball Champions League. Ojeda verteidigt diesen Schritt entschieden: „Der Wechsel war definitiv der richtige Schritt für uns.“ Als Hauptgründe nennt er finanzielle Aspekte und ideologische Differenzen.
„In den vergangenen Jahren war es für uns verpflichtend, einen hohen Betrag an die Liga zu bezahlen, um mitspielen zu können“, erklärt Ojeda. „Dieses Geld ging uns komplett verloren, ohne dass wir von der EuroLeague Gelder zurückbekommen konnten.“ Diese Praxis sei „gegen die Logik einer normalen Business-Situation“ gewesen. Zudem stimme der eingeschlagene Weg der EuroLeague nicht mit den Vorstellungen des Vereins überein. „Im Moment können wir uns einfach mehr mit den Ideen und Visionen der FIBA identifizieren“, so der Sportdirektor.
Jugendarbeit als Fundament trotz NIL-Deal-Herausforderungen
Ein Markenzeichen von ALBA Berlin ist die intensive Jugendarbeit und Förderung deutscher Talente. Ojeda bekräftigt diese Philosophie: „Wir investieren mit voller Überzeugung einen Teil unseres Geldes in unser Jugendsystem.“ Aktuelle Spieler wie Malte, Jonas oder Bennet Hundt seien Beispiele für den erfolgreichen Ansatz.
Allerdings gesteht der Sportdirektor erhebliche Herausforderungen durch die lukrativen NIL-Deals an US-Colleges ein. „Das macht es für uns wirklich sehr schwer“, sagt Ojeda. Junge Spieler hätten durch die Kombination aus Studium, Basketball und guter Bezahlung eine äußerst attraktive Alternative. Als Lösung wünscht er sich eine Regelung ähnlich dem Fußball: „Der ausbildende Verein sollte eine Ausbildungsentschädigung oder eine Ablöse bekommen.“
Top-Talent Jack Kayil mit großem Potenzial
Besonderes Lob hat Ojeda für Point Guard Jack Kayil übrig, der sich in dieser Saison hervorragend entwickelt hat. „Jack spielt unglaublich“, schwärmt der Sportdirektor. „Er profitiert sehr von dem Vertrauen, das wir ihm geschenkt haben.“ Kayils Einsatz und Wille zur täglichen Verbesserung seien fantastisch.
Über die Zukunft des Talents sagt Ojeda: „Meiner Meinung nach wird er ein sehr, sehr guter Spieler werden.“ Ob Kayil nach seiner College-Zeit bei ALBA bleibt, direkt in die NBA wechselt oder andere Wege einschlägt, sei noch offen. „Wenn ich es entscheiden könnte, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass er noch hierbleibt, um sich Stück für Stück noch weiterzuentwickeln“, so Ojeda.
Zukunftsperspektiven und Fan-Unterstützung
Auf die Frage nach den Meisterschaftsambitionen antwortet Ojeda realistisch: „Aktuell sind wir im ersten Jahr unseres Rebuilds.“ Man hoffe, die Lücke zu Bayern Stück für Stück zu verkleinern. „Wir sind optimistisch, dass das in der Zukunft klappt und wir dann auch wieder angreifen können.“
Für das anstehende Pokalwochenende rechnet Ojeda mit starker Unterstützung durch die Fans. „Wir werden es auf jeden Fall versuchen – erst recht mit den knapp 800 ALBA-Fans im Rücken, die uns nach München begleiten.“ Trotz aktueller Verletzungsprobleme – drei Spieler auf derselben Position fallen aus – verspricht der Sportdirektor vollen Einsatz: „Das Team wird immer mehr als 100 Prozent geben, um unsere Fans stolz zu machen.“
Die Einstellung der Mannschaft gebe Grund zur Hoffnung: „Wir haben in dieser Saison schon oft bewiesen, dass wir mit dieser Einstellung Spiele drehen können.“ Ob am Ende tatsächlich ein Pokalwunder gelingt, wird sich am Wochenende im SAP Garden zeigen.



