Während der Olympischen Spiele 2024 in Paris schwebte die Schale mit dem Olympischen Feuer abends in 60 Meter Höhe am Himmel. Sollte Berlin den Zuschlag für die Ausrichtung bekommen, soll es auch vor dem Brandenburger Tor brennen. Doch nicht bei jedem ist das Feuer für Olympia in Deutschland entfacht. In Berlin, Hamburg, Köln und München wächst die Spannung. Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) über eine Bewerbung, die für 2036, 2040 und 2044 gelten soll.
Positive Stimmung durch Olympia
Experten sind sicher: Finden die Spiele erst einmal im eigenen Land statt, reißt die positive Stimmung die meisten Bürger mit. „Eine Untersuchung für London zeigt, dass sich das Wohlbefinden in der olympischen Zeit spürbar verbessert. Allerdings nur für rund ein halbes Jahr“, sagt Prof. Wolfgang Maennig (65). Für den Ruder-Olympiasieger (1988) und Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Hamburg ist das Wichtigste: „Der Spaß an dem Event selbst.“ Maennig zu BILD: „Ob es sich rechnet, ist die falsche Frage. Dann müsste man auch die Opernhäuser zumachen.“
Spitzensport als Gewinner
Vor allem der Spitzensport könnte gewinnen. Maennig: „Seit 1984 fallen wir permanent im Medaillenspiegel zurück. Für den Spitzensport scheint die einzige Möglichkeit, dass wir Olympische Spiele und damit echte Reformen bekommen. Auf alle Entscheidungsträger wächst dann der Medaillendruck, damit die Bevölkerung begeistert ist.“
Die Bewerberstädte im Detail
Berlin
Eine goldene Brücke soll während der Olympischen Spiele zum Brandenburger Tor führen. Die Eröffnungsfeier soll auf dem Tempelhofer Feld stattfinden. Medaillen könnten vor der Kulisse des Brandenburger Tors verliehen werden. Insgesamt müssten 1,59 Milliarden Euro in moderne Busse und Bahnen sowie in Wettkampfstätten fließen. Profitieren würden nicht nur die Athleten: Vereine bekämen bessere Trainingsstätten, die Stadt modernere Verkehrsmittel. „Man könnte endlich mal eine Magnetschwebebahn bauen“, sagt Start-up-Mitbegründer Thomas Antonioli (43, „Terra One“). „So ein Mega-Event mit festem Datum wäre ein Katalysator, um viele Bereiche technologisch upzugraden.“ Etwa durch Künstliche Intelligenz (KI), die Passkontrollen schneller macht.
Hamburg
Hamburg plant die mögliche Eröffnungsfeier auf einer Bühne auf der Binnenalster. Das finanzielle Rahmenkonzept der Hansestadt beziffert die Kosten auf 4,8 Milliarden Euro. Wichtigste Entwicklung: ein neues Stadion am Volkspark, das nach den Spielen für Fußball, Konzerte und Sportereignisse genutzt werden kann. Das S- und U-Bahnnetz soll ausgebaut werden und 30 neue Stationen erhalten.
München
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) präsentiert das Münchner Olympiastadion als Herzstück der Olympia-Bewerbung. Die Sportstätten rund um das Olympiastadion von 1972 sollen ausgebaut und erweitert werden. Eine Studie der Technischen Universität München veranschlagt dafür 1,3 Milliarden Euro. Wettbewerbe sollen auch im historischen Park von Schloss Nymphenburg und auf der Theresienwiese stattfinden. Größter Gewinn für München wäre ein neues Olympisches Dorf, das später zum Wohngebiet für 10.000 Einwohner werden kann. Kosten: 2,3 Milliarden. Die Stadt hofft auch auf zwei neue U-Bahnlinien und acht Straßenbahnstrecken, was bis zu 11 Milliarden Euro kosten könnte.
Rhein-Ruhr
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (50) wirbt im Ruderleistungszentrum Duisburg für die Olympischen Spiele. Wichtigste Stadt der Bewerbung ist Köln. Hier soll das Olympische Dorf gebaut werden. Dazu kommt ein temporäres Leichtathletikstadion, das der Kern eines neuen Stadtteils werden soll. 17 weitere Städte beteiligen sich mit ihren Sportstätten, darunter Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Duisburg. Die Investitionen in Nordrhein-Westfalen werden derzeit auf 4,8 Milliarden Euro geschätzt.
Wirtschaftlicher Booster
„Der eigentliche Beschäftigungs-Effekt liegt darin, ob regionale Unternehmen und Mittelstand gezielt eingebunden werden“, sagt Sportmarketing-Experte Stefan Chatrath (49). Der Professor an der Berliner Europa-Universität: „Paris 2024 hat das bewusst gesteuert. Von 5626 Zulieferern kamen 89 Prozent aus Frankreich und 85 Prozent waren kleinere und mittlere Betriebe.“ Laut OECD-Analyse wurden 181.000 Jobs unter anderem im Tourismus- und Baubereich geschaffen.
Städte, die sich für Olympische Spiele bewerben, werden international bekannter. „Dann wollen auch Konzertveranstalter und Messen sich dort schon vorab präsentieren“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (58). Der Ex-Radrennfahrer (Olympiasieger 1992/2000) hofft auf einen Zuschlag für 2040. „Dann wären 50 Jahre Deutsche Einheit.“



