Trainer-Veteran Pesic macht Bayern-Basketballer stark für Pokal-Top Four
Der 76-jährige Svetislav Pesic kann einfach nicht ohne Basketball. Auch im fortgeschrittenen Alter dirigiert er weiterhin an der Seitenlinie und steht mit den Bayern-Basketballern nun vor dem ersten Titel der aktuellen Saison. Als die Münchner den serbischen Trainer-Veteranen kurz vor Weihnachten als neuen Chefcoach präsentierten, hielten viele die Ankündigung zunächst für einen Scherz.
Erfahrene Hand mit klarem Plan
Doch der alte Trainerfuchs, der bereits 1993 mit Deutschland Europameister wurde, hat alle Kritiker eines Besseren belehrt. Seit Pesic die Bayern übernommen hat, läuft es beim Starensemble von der Isar deutlich besser. National zeigen sich die Münchner noch dominanter als unter seinem Vorgänger Gordon Herbert. Besonders in der Euroleague hat Pesic den deutschen Meister auf ein neues Niveau gehoben.
„Von Leuten in meinem Alter erwarten viele Menschen nicht so viel. Aber ab und zu können wir überraschen“, sagte Pesic jüngst in einem Interview. Unter seiner Führung haben die Bayern in der europäischen Königsklasse sieben von elf Spielen gewonnen. Zwar bleibt der Einzug in die Play-Ins weiterhin schwer, doch international werden die Münchner wieder ernst genommen.
Pokal-Top Four im heimischen SAP Garden
Bevor die Aufholjagd in der Euroleague fortgesetzt wird, steht an diesem Wochenende zunächst der erste nationale Titel der Saison auf dem Programm. Im heimischen SAP Garden findet das Top Four im Pokal der Basketball-Bundesliga statt. Die Bayern treffen am Samstag im ersten Halbfinale auf die BMA365 Bamberg Baskets.
Im zweiten Halbfinale stehen sich dann Alba Berlin und die EWE Baskets Oldenburg gegenüber. Das Endspiel ist für Sonntag angesetzt. „Es ist das wichtigste Basketball-Wochenende, das wir in Deutschland haben“, betonte Bayerns kaufmännischer Geschäftsführer Adrian Sarmiento.
Defensive Stärke und klare Struktur
Im vergangenen Jahr klappte der Pokalerfolg nicht – im Halbfinale gab es eine überraschende Niederlage gegen den Syntainics MBC aus Weißenfels. Diese Enttäuschung sorgte für erste kleine Risse in der Beziehung zwischen den Bayern und Wunschtrainer Herbert. „Was in Weißenfels passiert ist, sollte nicht noch mal passieren“, stellte Bayern-Präsident Herbert Hainer daher vor der Saison unmissverständlich klar.
In der aktuellen Verfassung gehen die Münchner als klarer Favorit in das Top Four. Vor allem defensiv haben sich die Bayern unter Pesic deutlich gesteigert. „Wir müssen raus aus der Komfortzone“, hatte der Serbe bereits nach seinem ersten Spiel gesagt. „Zuerst mit Defense. Unser Gegner muss spüren, dass wir hier sind.“
Welt- und Europameister Andreas Obst bestätigt die positive Entwicklung: „Wir hatten nicht immer eine gute Struktur. Wir wussten nicht immer, wie wir was spielen wollten. Wir haben jetzt ziemlich mehr Klarheit und Struktur.“ Genau diese Klarheit und Struktur waren schon immer die Markenzeichen von Pesic.
Erfolgreiche Trainer-Vita
Egal ob in Spanien, bei Alba Berlin oder während seiner ersten Zeit bei den Bayern von 2012 bis 2016 – Pesic hat stets für Ordnung und Erfolg gesorgt. Zuletzt sammelte er als serbischer Nationalcoach weitere Erfolge. 2023 wurde er nach der Finalniederlage gegen Deutschland Vize-Weltmeister, 2024 holte er bei Olympia in Paris mit der Revanche gegen Deutschland Bronze.
Nach dem Achtelfinal-Aus bei der EM-Endrunde in Riga trat Pesic zurück – nur um kurz darauf bei den Bayern wieder aufzutauchen. „Hallo, ich bin wieder da“, sagte der 76-Jährige mit einem breiten Grinsen bei seiner Präsentation. „Das ist mein Club. Ich bin immer da, um zu helfen.“
Mit Fleiß und Akribie hat er die Bayern wieder auf Kurs gebracht. Nun soll mit dem Pokaltitel der erste Lohn folgen – 27 Jahre nach dem letzten Pokalsieg von Pesic mit Alba Berlin. Die Münchner gehen mit klaren Zielen in das Top Four-Wochenende und wollen ihren besten Basketball zeigen, um sich den begehrten Titel zu sichern.



