Der Streit um Bambergs Basketball-Erfolgstrainer Anton Gavel (41), den der FC Bayern unbedingt nach München holen will, eskaliert. Nun droht sogar Brose-Gesellschafter Michael Stoschek (78), der 17 Jahre lang Hauptsponsor in Bamberg war, mit dem Rückzug aus dem Basketball.
Stoschek: „Mit Basketball nichts mehr zu tun haben“
Stoschek sagte zu BILD: „Als erfolgreicher Unternehmer und Leistungssportler über mehr als 50 Jahre habe ich gelernt, was Fairness und Anständigkeit ist. Die Causa Anton Gavel berührt mich so sehr, dass ich mit dem Basketball nichts mehr zu tun haben möchte.“ Mit der Unterstützung von Brose holte Bamberg acht Meistertitel. Nach dem Rückzug des Autozulieferers unterstützte Stoschek den aktuellen Basketball-Pokalsieger privat. „Auch das will ich einstellen“, so Stoschek.
Auslöser: Kampf um Trainer Gavel
Auslöser ist der Kampf um Gavel, den Bayern als Nachfolger von Svetislav Pešić (76) verpflichten will. Gavel hat allerdings noch ein Jahr Vertrag und Bayern will keine Ablöse zahlen. Um das sicherzustellen, soll Gavel seinen Vertrag zum 30. Juni 2026 gekündigt haben und sich auf einen Formfehler berufen. Stoschek: „Er hat der Geschäftsführung eine Kündigung vorgelegt: Weil die digitale Unterschrift nicht schriftlich bestätigt wurde, sei sie angreifbar.“ Für Stoschek ein Stilbruch: „Von der Rechtslage abgesehen, finde ich es doch ziemlich ungeheuerlich, dass der größte und erfolgreichste, finanziell stärkste Sportklub Europas dem kleinen Bamberg den wichtigen Trainer wegnimmt.“
Gespräche mit Bayern-Präsident Hainer
Der Unternehmer sprach deshalb mit Bayern-Präsident Herbert Hainer (71). Stoschek: „Herr Hainer und ich haben dreimal miteinander telefoniert, in einem sehr professionellen, persönlich freundschaftlichen Ton, das will ich ausdrücklich betonen. Aber in der Sache hat er sich keinen Millimeter bewegt.“ Der Unternehmer hatte erst Bayerns Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß kontaktiert, wollte nicht wahrhaben, dass es keine einvernehmliche Lösung ohne juristische Winkelzüge geben soll: „Ich bin nicht irritiert, ich bin total enttäuscht. Ich habe das nicht geglaubt. Ich hatte zu Uli Hoeneß, einem wirklich fairen Sportsmann, persönlich ein gutes Verhältnis, habe versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen, er hat seinem Büro hinterlassen, er sei nicht mehr zuständig.“
Enttäuschung über Gavel
Stoschek ist auch vom Bamberger Trainer „total enttäuscht“: „Er ist der, der den Vertrag bricht. Er ist der, der mit der Spitzfindigkeit kommt, die ihm zugetragen wurde, dass die digitale Unterschrift mangels Bestätigung nicht gilt, und hat uns die Kündigung vorgelegt.“ Die Sichtweise des Multimillionärs ist klar: „Anton Gavel hat einen laufenden Vertrag und der gilt. Wir hatten einmal einen bayerischen Ministerpräsidenten, Franz-Josef Strauß, der hat den berühmten Satz gesagt: Pacta sunt servanda (Verträge müssen eingehalten werden). Den habe ich auch Herrn Hainer ans Herz gelegt. Dieser Satz hat mich als Unternehmer mein Leben lang geprägt. Dass man sich an die geschlossenen Verträge hält, das war für mich selbstverständlich. Deswegen bin ich so enttäuscht, das hat aber Herrn Hainer nicht beeindruckt.“
Zukunft der Bamberg Baskets ungewiss
Die BMA365 Bamberg Baskets sind das Überraschungs-Team der BBL-Saison, holten unter Gavel den BBL-Pokal und scheiterten im Playoff-Halbfinale erst in Spiel 5 an Alba Berlin. Für den Fall, dass Gavel Trainer bleiben würde, hatte Stoschek zugesagt, deutlich mehr Geld investieren zu wollen, um den Aufschwung zu befeuern. Dafür scheinen ihm jetzt Kraft und Willen zu fehlen: „Die Bamberg Baskets müssen irgendwie klarkommen. Ich bin so enttäuscht, ich habe mein Herzblut verloren. Ich habe so viele Jahre den Basketball begleitet, aber ich blende das jetzt einfach aus. Ich habe viele andere Probleme zu lösen und streiche das Thema Basketball jetzt einfach aus meinem Kopf.“ Der FC Bayern wollte sich auf BILD-Anfrage zu Stoscheks Aussagen nicht äußern.



