Man sieht ihn immer wieder: Neben der Straßenbahn, an Ampeln, vor Kitas oder einfach im Vorbeifahren. Ein rotes Kostüm auf einer schweren Maschine. Er winkt, nickt, fährt weiter. Und hinterlässt Menschen, die ihm nachschauen – oft mit einem Grinsen im Gesicht. In Schwerin kennt man ihn längst als „El Moe“.
Hinter der Figur steckt ein Familienvater
Hinter der Figur verbirgt sich Sascha. Der 40-Jährige ist Familienvater und arbeitet als Intensivpfleger in der Helios Klinik Leezen. Ein Mann, der täglich mit Ernst, Druck und Grenzsituationen konfrontiert ist – und der sich bewusst einen Ausgleich geschaffen hat, der kaum gegensätzlicher sein könnte. „Wenn man dann fährt und dir überall grinsende Gesichter entgegenkommen – das macht schon was mit einem“, sagt er.
Wie aus einer spontanen Idee „El Moe“ entstand
Die Idee entstand im vergangenen Frühjahr. Saschas Tochter fuhr auf dem Motorrad mit und bekam einen bunten Überzug – als Spaß. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. „Die Leute haben das total gefeiert. Lichthupe, Hupe, Daumen hoch.“ Sascha machte mit und kaufte sich selbst ein Kostüm, ohne große Erwartungen. Dass es ausgerechnet Elmo aus der Kinderfernsehserie Sesamstraße wurde, war Zufall. „Das war der günstigste Überzug“, sagt er lachend. Aus einer Spielerei wurde innerhalb weniger Monate ein fester Bestandteil im Schweriner Straßenbild.
Das Motorrad und die Einstellung zur Sicherheit
Sascha fährt eine Honda VT 750 Shadow, einen Cruiser. Tief gebaut, ruhig im Lauf, kein Motorrad für Geschwindigkeit. „Gelegenheit macht Diebe“, sagt er. „Wenn du was Schnelles hast, ziehst du eher mal durch.“ Er fährt kontrolliert und vorausschauend. „Ich habe eine Tochter. Ich möchte sie aufwachsen sehen.“ In einer Zeit, in der schwere Motorradunfälle regelmäßig Schlagzeilen machen, ist das keine beiläufige Bemerkung.
Wenn ein kurzer Stopp zum Erlebnis wird
Wenn „El Moe“ anhält, dauert es nicht lange, bis sich Menschen um ihn versammeln. In der Weststadt blieben zwei Frauen stehen, lachten, zögerten kurz und fragten dann doch nach einem Foto. Sascha hob die Hand und formte ein Peace-Zeichen. Ein paar Worte, ein Klick, ein Moment, der bleibt, bevor er weiterfuhr. Wenig später, ein paar Straßen weiter, erkannten ihn Kinder schon von Weitem. Sie liefen los, blieben dicht vor ihm stehen, redeten durcheinander, voller Aufregung. Jeder wollte erzählen, wo er ihn schon gesehen hatte. „Du bist bei uns vorbeigefahren!“ – „Und gestern auch!“ – „Bei unserer Schule!“ Sascha ließ sie erzählen, nickte, antwortete ruhig. Er nahm sich die Zeit, die sie sich nahmen. „Wenn die sich so freuen, dass sie es gar nicht halten können, das ist schon besonders.“
Vom Motorradfahrer zur Social-Media-Erfolgsgeschichte
Was als spontane Idee begann, wuchs Stück für Stück weiter. Zu Ostern war Sascha als Hase unterwegs, an Weihnachten als Weihnachtsmann. Er fährt zu Kitas, besucht Pflegeeinrichtungen, oft dicht getaktet, ein Termin folgt auf den nächsten. Viele Anfragen kommen über soziale Medien, einzelne Videos erreichen hunderttausende Aufrufe. Auch im Alltag seiner Tochter ist das ungewöhnliche Hobby längst angekommen. In der Schule wird sie auf ihren Vater angesprochen, erzählt selbst voller Stolz von ihm. „Da ist sie gleich ein Stück größer“, sagt Sascha.
Mit der Zeit kamen neben Elmo auch weitere Kostüme dazu: Minions, Weihnachtsmann, Figuren aus „Tom & Jerry“. Ein Fundus, der wächst, ohne dass daraus ein festes Konzept wird. Sein Alltag bleibt dabei fordernd. Schichtdienst auf der Intensivstation, Familie, wenig planbare Zeit. Die Fahrten entstehen dazwischen. „Man muss das ausbalancieren“, sagt er. Im Hintergrund hält seine Frau vieles zusammen. Sie koordiniert Termine, behält den Überblick. „Ich habe es nicht so mit Zeiten. Meine Frau ist der wandelnde Kalender – und ich bin ihr sehr dankbar für diese Unterstützung. Und dass sie mir hilft, andere Kinder zum Strahlen zu bringen.“



