Hobby Horsing: Junge Domsühlerin bei Deutscher Meisterschaft
Hobby Horsing: Domsühlerin bei DM

Hobby Horsing: Junge Domsühlerin bei der Deutschen Meisterschaft

Ein Steckenpferd reiten – das ist bei Hobby Horsern wörtlich zu nehmen. Eine junge Domsühlerin hat jüngst sogar an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen.

Die zwölfjährige Annabella betreibt Pferdesport – allerdings ohne lebendiges Tier. Stattdessen trägt sie eines ihrer Hobby Horses unter dem Arm, als sie die Sporthalle betritt. „Ich mache Hobby Horsing seit sechs Jahren“, erzählt sie. „Eigentlich bin ich durch eine Freundin drauf gekommen, die in Finnland lebt.“ Dort hat der Sport seine Wurzeln und ist im hohen Norden längst Breitensport.

Kein Spiel – sondern ein fordernder Sport

Bei einem ersten Training probierte sie sich aus. „Dann hatten wir so ein bisschen Probespringen und ich bin einfach dabei geblieben, weil ich das ganz cool fand.“ Hobby Horsing fordert Technik, Ausdauer und Kreativität, zum Beispiel in Annabellas Lieblingsdisziplin „Dressur“: „Dabei muss sich jeder Teilnehmer eine eigene Choreografie überlegen.“ Die Bewegungen sind anspruchsvoll. „Du musst den Oberkörper wie beim Reiten halten und die Beine machen sozusagen das Pferd“, erklärt sie. Reiten hat Annabella ebenfalls ausprobiert, doch nach dem ersten Sturz vom Pferd reichte es ihr.

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Körperspannung und Präzision sind in allen Disziplinen entscheidend. „Man bleibt richtig aktiv, und es ist auch viel Kreativität dabei“, schildert der Teenager die Vorzüge seines Lieblingssports. Doch nicht alle nehmen diesen Sport ernst. „Die Reaktionen sind meistens eher negativ“, bedauert Annabella. „Viele machen sich darüber lustig.“ Auch im Sportunterricht gab es Spott. Mitschüler imitierten Pferdegeräusche, „wieherten“. Mittlerweile lassen sie solche Kommentare kalt: „Ich steh' da drüber. Früher war ich da sensibler, aber mittlerweile nicht mehr.“ Stattdessen habe ihr das Hobby geholfen, selbstbewusster zu werden. Das bestätigt auch ihre Mutter Sandra.

Vorurteile machen Hobby Horsern nichts mehr aus

Nils Schmidt ist der Lebensgefährte von Annabellas Mutter und Geschäftsführer des Deutschen Hobby Horsing Verbands (DtHHV), er kennt die Vorurteile. Er entgegnet: „Viele lachen darüber, aber ich sage immer: Lauf mal so einen Parcours und spring über zwölf Hindernisse. Das ist Hochleistungssport.“ Und dieser Sport wächst. Der DtHHV existiert seit zwei Jahren und zählt knapp 4000 Mitglieder. In Deutschland sind über 8000 Hobby Horser organisiert, vor allem Jugendliche. Zumeist sind sie Reitvereinen angegliedert, doch es gibt mehr und mehr Hobby Horsing Vereine. Ein Landesverband für Mecklenburg-Vorpommern ist in Vorbereitung.

Die zweite Deutsche Meisterschaft im Hobby Horsing, die Anfang Mai in Frankfurt am Main stattfand, gilt als Meilenstein. Die Qualifikation erfolgte über Turniere im ganzen Land. Annabella war die einzige direkt qualifizierte Vertreterin aus Mecklenburg-Vorpommern. Sie hatte sich im „Stilspringen“ qualifiziert und landete im Mittelfeld – was ihrem Ehrgeiz nicht genügte.

Neben sportlichem Ehrgeiz spielt die Zugänglichkeit zu der Sportart eine Rolle. „Ein echtes Pferd ist kostenintensiv. Hobby Horsing ist deutlich günstiger. Die Kinder bewegen sich und haben Spaß – das ist das Wichtigste“, so Schmidt. Der Verband arbeitet an einheitlichen Regeln und denkt sogar über olympische Perspektiven nach.

Für Annabella steht derzeit die nächste Herausforderung im Fokus. Im Juni geht es zur Europameisterschaft nach Prag, wo sie an den freien Wettbewerben teilnehmen will. Die Schülerin trainiert regelmäßig in der Sporthalle der Schule in Domsühl, zeitweise mit einigen Gleichgesinnten. Zwei feste Trainingstage pro Woche und zusätzliche Einheiten am Wochenende gehören dazu. „Manchmal müssen wir sie ein wenig bremsen“, sagt Nils Schmidt. „Aber ihre Motivation ist toll.“

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