Thomas Huber kritisiert deutsche Fehler-Kultur: „Jeder Fehler ist ein Geschenk“
Thomas Huber zählt zu den weltweit bekanntesten Extremkletterern. Gemeinsam mit seinem Bruder Alexander bildet er das berühmte Duo „Huber-Buam“. Sein Sohn Elias hat die Leidenschaft für die Berge geerbt, doch statt sie zu erklimmen, fährt der 26-Jährige sie mit dem Snowboard hinab. Bei den Olympischen Spielen startete Elias Huber im Parallel-Riesenslalom und erreichte das Achtelfinale.
Herzklopfen am Olympia-Start
„Ich kann gar nicht sagen, wie viel Herzklopfen ich hatte“, gesteht Thomas Huber, als er seinen Sohn bei den Olympischen Spielen beobachtete. „Das war unfassbar. Als er oben am Start stand, habe ich gespürt, wie er am Gate wartete. Ich musste wegschauen.“ Elias Huber hingegen blieb erstaunlich gelassen. Sein Vater feierte ihn trotz des Ausscheidens im Achtelfinale: „Der 13. Platz ist nur eine Zahl, aber für mich hast du gewonnen.“
Fehler als Chance begreifen
Die Frage, ob Fehler machen und perfektes Fahren zusammenpassen, beantwortet Thomas Huber mit Nachdruck: „Und wie. Jeder Fehler ist ein Geschenk“, betont der Extrembergsteiger. „Es ist ein Geschenk, wenn du ihn annimmst, erkennst, dich neu aufstellst und reflektierst.“ Diese Philosophie hat Huber aus seiner langjährigen Erfahrung entwickelt: „Ich bin so oft verletzt gewesen. Und jeder Rückschritt war eigentlich ein Schritt nach vorn auf meinem Weg als Bergsteiger.“
Kritik an deutscher Fehler-Kultur
Dass nicht jeder diese Einstellung teilt, bedauert Huber zutiefst: „Leider ja, die Fehler-Kultur in Deutschland ist furchtbar“, kritisiert der 59-Jährige. Sein Sohn Elias beobachtet im Sport langsame Verbesserungen: „Bei uns im Team wird schon immer gut aufgearbeitet. Wir wissen, wo wir stehen.“ Thomas Huber stört sich besonders am deutschen Begriff des Scheiterns: „Scheitern ist so ein typisch deutsches Wort. Es wird immer so negativ hingestellt.“
Mentale Stärke kann man lernen
Für die notwendige mentale Stärke gibt es nach Ansicht der Hubers klare Wege. Elias Huber arbeitet seit Jahren mit Sportpsychologe Tom Kossak zusammen: „Ich habe mir erarbeitet, mental stärker zu sein, weil das der größte Baustein ist, ob du besser und erfolgreich wirst.“ Sein Vater bestätigt: „Ich war als Jugendlicher extrem nervös und hatte Prüfungsangst. Jetzt habe ich genau mein Defizit zur Stärke gemacht.“
Vom Erwartungsdruck befreien
Die Erfahrung mit dem Dokumentarfilm „Am Limit“ brachte Thomas Huber wichtige Erkenntnisse: „Vorher durften wir eine Freiheit leben, die unfassbar war. Da gab es keinen Erwartungsdruck. Dann kam ein Regisseur mit Drehbuch – auf einmal war die Freiheit weg.“ Diese Lektion überträgt er auf Olympia-Athleten: „Der Erwartungsdruck ist so groß.“ Sein Rat an den Sohn: „Die Sonne geht am nächsten Tag genauso auf, wenn du es nicht schaffst.“
Die Huber-Familie zeigt mit ihrer Einstellung einen Weg jenseits von Medaillenzählen und Erfolgsdruck. Ihr Credo: Fehler als Entwicklungschance zu begreifen und mentale Stärke systematisch aufzubauen – eine Philosophie, die nicht nur im Spitzensport, sondern in allen Lebensbereichen wertvoll sein kann.



