Beim 1. FC Union Berlin zeichnen sich unter dem neuen Cheftrainer Mauro Lustrinelli die ersten Veränderungen ab. Nach einer Woche Training und zwei Testspielen sind die ersten Eindrücke positiv. Der 50-jährige Schweizer, der im Mai vorgestellt wurde, setzt auf einen offensiven und dynamischen Spielstil.
Intensität im Training
Auf dem Trainingsgelände hallt es immer wieder über den Rasen. „Schneller!“, ruft Athletiktrainer Martin Krüger, der den ersten Teil der Einheit am Dienstag vor rund 100 Fans leitet. Er legt bei den Passübungen großen Wert auf Intensität. Lustrinelli steht währenddessen mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Rand und beobachtet aufmerksam. Im Training sind vermehrt Überzahlsituationen wie drei gegen zwei oder zwei gegen eins zu sehen. Die Spieler sollen schnelle Entscheidungen treffen und zügig zum Abschluss kommen. Gelingt dies gut, gibt es Applaus vom neuen Chef; vereinzelt nimmt er Spieler zur Seite für Einzelgespräche.
Taktische Neuausrichtung
Taktisch wird sich die Herangehensweise von Union Berlin deutlich verändern. Die Berliner haben seit 2019 nahezu ununterbrochen mit einer Dreierabwehrkette gespielt, damit dürfte nun Schluss sein. Beim FC Thun, den Lustrinelli in der vergangenen Saison sensationell zur Schweizer Meisterschaft geführt hat, ließ er meist in einem 4-4-2 spielen. Diese Formation setzt er nun auch bei den ersten Auftritten mit Union ein. In der Innenverteidigung spielten Rückkehrer Marvin Friedrich mit Neuzugang Zeno van den Bosch sowie Leopold Querfeld und Tom Rothe, der im Normalfall aber links eingeplant ist. Der 19-jährige Oluwaseun Ogbemudia kam jeweils 45 Minuten zum Einsatz. Auf den Außenverteidigerpositionen hat sich im Vergleich zur Vorsaison nichts verändert.
Offensive Überkapazitäten
Während sich in der Defensive nicht mehr allzu viel tun dürfte, ist die Offensive noch eine Baustelle. Mit Andrej Ilic, Oliver Burke, Ilyas Ansah, Livan Burcu, Woo-yeong Jeong, Tim Skarke, Ausnahmetalent Linus Güther sowie den von ihren Leihen zurückgekehrten Chris Bedia und Marin Ljubičić besteht hier quantitativ ein enormes Überangebot. Ob auch genug Qualität vorhanden ist, um einen offensiveren, mutigeren Fußball zu spielen, muss sich nach den Erfahrungen der vergangenen Saison erst noch zeigen. Weitere Neuzugänge sind nicht ausgeschlossen.
Testspiele und Kaderplanung
Am vergangenen Wochenende standen zwei Testspiele auf dem Programm. Gegen Optik Rathenow (Oberliga) und Grün-Weiß Lübben (Landesklasse) erzielte Union insgesamt 28 Tore. „Trotz des großen Unterschieds hat mir die Mentalität in unserem Team gefallen. Wir haben den Fokus behalten, unser Offensivspiel und die Automatismen trainiert“, sagte Lustrinelli nach dem 16:0 gegen Lübben. Lustrinelli hat zu Beginn der Vorbereitung angekündigt, dass er sich von allen Spielern ein Bild machen möchte. Dann ist es die Aufgabe von Horst Heldt, für einige Profis Abnehmer zu finden, um den Kader auf eine verträgliche Größe zu reduzieren. Bis dahin wird Unions Trainer in der Vorbereitung munter durchrotieren. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich schon an diesem Donnerstag (18.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim Chemnitzer FC. Am Sonntag (15.30 Uhr) gastieren die Berliner dann bei Carl Zeiss Jena.



