Skandal um DFB-Reform: Regionalliga-Modell heimlich geändert
DFB-Reform-Skandal: Regionalliga-Modell heimlich geändert

Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs sollen Vereine am 29. Juni unmittelbar über ein Ligen-System abstimmen. Es geht darum, ob nach 14 Jahren Streit alle Regionalliga-Meister in die 3. Liga direkt aufsteigen können. Doch vorher gibt es einen handfesten Skandal, der Einfluss auf das Ergebnis nehmen kann.

Kompassmodell plötzlich mit 72 statt 80 Teams

So wurden den Klubs von den Verbänden nun erstmals die endgültigen Informationspapiere als Abstimmungsgrundlage über die Reformvorschläge des Kompass- und des Regionenmodells zugestellt. BILD liegen diese ebenfalls vor. Dabei taucht ein eklatanter Unterschied zum Ursprungs-Konzept des DFB auf: Das bei Fans beliebte Kompassmodell soll plötzlich nicht mehr mit 80 Viertligisten, sondern nur noch mit 72 Mannschaften gespielt werden. Statt 20er-Staffeln wird nun mit 18 Teams pro Regionalliga geplant.

Dies hat zur Folge, dass zur Einführung der Reform nun jede Region nur zehn statt zwölf Startplätze erhält. In der möglichen Qualifikationssaison 2027/28 steigt damit nicht erst der Tabellen-14., sondern bereits der 12. jeder Staffel ab. Die Entscheidung dazu trafen die Verbandsbosse der fünf Regionalliga-Träger am 2. Juni.

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Haeder: „Spiel mit der Angst“

Tommy Haeder von der „Aufstiegsreform“-Initiative: „Es wird hier offensichtlich mit der Angst der Vereine gespielt und Verbandspolitik gemacht, für mich wurde da frisiert. Dass es nun statt bei 20 Mannschaften bei 18 Klubs vier Absteiger gibt, ist ja irreführend genug. Zusätzlich helfen zwei Heimspiele mehr jedem Regionalligisten, um Einnahmen zu generieren.“ Das gern zitierte Argument, zu viele Spieltage wären nicht stemmbar, ist absurd. Experten würden wegen der oft geringen Fahrtstrecken im Kompassmodell auch Derby-Spieltage unter der Woche für möglich halten, um selbst Amateurvereinen entgegenzukommen.

Pikant: Als das DFB-Konzept in der Arbeitsgruppe vorgestellt wurde, gab es nur die Variante mit 80 Vereinen. Zwar wurde in der AG nach BILD-Informationen mal darüber diskutiert, die viergleisige Regionalliga mit jeweils 18 Mannschaften zu spielen, doch es wurde dort immer mehrheitlich abgelehnt. Erst im Nachgang tauchte die jetzige Form in Verbandsschreiben auf. Insgesamt vier BILD-Anfragen an DFB und Westverbandschef Peter Frymuth zur Sitzung am 2. Juni wurden nicht beantwortet. Mit dem Versand der Unterlagen an die Klubs flog der Fall nun auf – wobei es nicht der einzige ist.

„Brisant“-Spruch von DFB-Vize Winkler

So wurde am selben Tag die Messlatte für eine tatsächliche Umsetzung des Mehrheitswillens der Klubs durch die Regionalverbandschefs hoch angesetzt. Präsident Hermann Winkler (63) vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) sagte im MDR auf die entsprechende Frage danach: „Das ist ein bisschen brisant, denn wir haben uns auf Einmütigkeit beziehungsweise Einstimmigkeit verständigt.“ Weiter erklärte der DFB-Vize: „Gibt es in allen fünf Verbänden eine Mehrheit für den gleichen Weg, wird dieser bestritten.“

Tatsächlich ist das – wie Winkler selbst bemerkte – brisant. Schließlich wurde in vier der fünf Regionen – also im Westen, Norden, Osten und Bayern vor der Änderung des Konzepts mit einer relativ deutlichen Mehrheit für die Kompass-Lösung gerechnet. Jetzt muss diese aber auch im Südwesten erreicht werden.

Scheitern droht – Wollen Verbände die Vereine vorschieben?

Dort wird es eng, weil diese als eine von zwei Regionalliga-Staffeln ein direktes Aufstiegsrecht und damit Sonderstatus genießt. Obwohl immer mehr Vereine auch dort umdachten, taten sich hier manche Klubs bisher schwer mit der Solidarität einer für alle fairen Variante, weil man selbst mit seiner Liga zufrieden ist.

Stimmt der Südwesten jetzt beispielsweise – im nicht unrealistischen Fall – mit gleicher Anzahl fürs Kompassmodell, den Alternativvorschlag des Regionenmodells und die bisher existierende Struktur, kann so am Ende eine Klub-Stimme im Südwesten gegen die überwältigende Mehrheit aller anderen Landesteile entscheiden.

Noch schwieriger: Da vorher Vor-Ort-Aussprachen in den einzelnen Regionen stattfinden, können sich die Klubs im Südwesten auch im Vorfeld gegenseitig beeinflussen. Tommy Haeder von der bundesweiten „Aufstiegsreform“-Bewegung sagt zu BILD: „Wir würden es nicht einfach akzeptieren, wenn nach einem solch eindeutigen Gesamtergebnis nichts passiert.“

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Zumal diese getroffene Absprache der Regionalverbandsbosse mit den DFB-Strukturen nicht konform ist. So teilte der DFB in einer BILD-Anfrage Mitte Mai mit, dass der DFB-Bundestag oder der DFB-Vorstand über die Regionalliga-Reform entscheidet. Anträge können von einem Landes- oder Regionalverband unabhängig der anderen Verbände eingereicht werden. Selbst die DFL ist dazu berechtigt.

Der Verdacht liegt nah: Die Verbandsbosse nehmen ein Scheitern des Kompassmodells in der Klub-Abstimmung in Kauf. Dann können sie die Vereine dafür verantwortlich machen und ihre eigene Macht und Regionalliga bleibt erhalten.