Draisaitl kritisiert überzogene Olympia-Erwartungen: 'Es wurden Sachen rausgehauen'
Draisaitl: Olympia-Erwartungen in Deutschland überzogen

Draisaitl analysiert Olympia-Aus: 'Erwartungen waren unverhältnismäßig hoch'

Leon Draisaitl, Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft und Superstar der Edmonton Oilers, hat sich nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Winterspielen zu den Gründen geäußert. Im exklusiven Interview mit SPORT1 machte der deutsche NHL-Profi deutlich, dass die Erwartungshaltung in seiner Heimat seiner Meinung nach deutlich überzogen war.

'Zu lange gebraucht, um zu finden, was wir sind'

Draisaitl analysierte das frühe Ausscheiden gegen die Slowakei mit kritischem Blick: 'Ich glaube, dass wir zu lange gebraucht haben, um so wirklich zu finden, was wir sind als Mannschaft und wie wir spielen wollen.' Der Spielmacher betonte, dass auf dem olympischen Niveau Erfolge kaum möglich seien, wenn nicht alle Beteiligten an einem Strang ziehen würden.

Die Verantwortung für das Scheitern sieht der 30-Jährige bei der gesamten Mannschaft: 'Alle. Das geht über Spieler... Trainer hätten mit Sicherheit auch mehr machen können, aber im Endeffekt sind wir Spieler die, die draußen sind.' Draisaitl räumte ein, dass die Spieler ihre beste Leistung nicht abrufen konnten und dies letztlich auf ihre eigene Kappe gehe.

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Kritik an medialen Erwartungen

Besonders deutlich wurde Draisaitl bei der Frage nach der Erwartungshaltung in Deutschland: 'Ja, absolut. Da wurden ja Sachen teilweise rausgehauen, die nicht so ganz verständlich sind.' Der deutsche Kapitän verwies darauf, dass das Team mit sechs NHL-Spielern zwar talentiert gewesen sei, aber keineswegs eine 'Mannschaft voll von Superstars' dargestellt habe.

Draisaitl relativierte die öffentliche Wahrnehmung: 'Wir haben in der Konstellation noch nie zusammengespielt. Ich glaube, dass da vielleicht ein bisschen zu viel erwartet wurde.' Gleichzeitig betonte er, dass auch die eigenen Erwartungen sehr hoch gewesen seien, da das Team über enormes Potenzial verfügt habe.

Persönliche Olympia-Erfahrung trotz Enttäuschung positiv

Trotz des sportlichen Misserfolgs blickt Draisaitl positiv auf seine erste Olympia-Teilnahme zurück: 'Es war eine super Erfahrung, etwas ganz, ganz Besonderes.' Als besonders wertvoll bezeichnete er die Zeit mit langjährigen Teamkollegen und Freunden sowie die Eröffnungsfeier.

Der Deutsche zeigte sich optimistisch für die Zukunft: 'Hoffentlich klappt es dann in vier Jahren nochmal und wird vielleicht ein bisschen erfolgreicher für uns.' Er äußerte den Wunsch nach weiteren internationalen Turnieren wie einem World Cup oder den nächsten Olympischen Spielen, um das deutsche Team erneut in dieser Konstellation präsentieren zu können.

Fokus zurück auf die NHL

Inzwischen hat Draisaitl den Fokus vollständig auf die NHL-Saison mit den Edmonton Oilers gerichtet. Nach vier Niederlagen in Serie gelang gegen die Los Angeles Kings ein deutlicher 8:1-Erfolg, bei dem der Deutsche mit einem Tor und drei Vorlagen maßgeblich zum Sieg beitrug.

Draisaitl betonte die Bedeutung jedes einzelnen Punktes: 'Es ist eine sehr, sehr enge Division bei uns. Wir brauchen Punkte und jeder Punkt zählt.' Die durch die Olympia-Teilnahme komprimierte Spielplan-Gestaltung stellt für ihn jedoch keine unüberwindbare Herausforderung dar, da alle Teams gleichen Bedingungen unterlägen.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft muss nun das Olympia-Aus verdauen, während Draisaitl und seine NHL-Kollegen bereits wieder im Liga-Alltag angekommen sind. Die Diskussion über realistische Erwartungen an deutsche Teams bei internationalen Turnieren wird jedoch sicherlich noch länger nachhallen.

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