EHC München vor Saisonende und möglichem Talentabgang
Der EHC Red Bull München benötigt im Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga gegen die Adler Mannheim ein echtes Wunder, um die Saison noch zu retten. Mit einem Rückstand von 0:3 in der Best-of-Seven-Serie steht das Team vor dem möglichen vorzeitigen Aus – und damit könnte auch die Münchner Ära zweier junger Hoffnungsträger enden. Sowohl beim lettischen Verteidiger Alberts Smits als auch beim deutschen Stürmer Veit Oswald klopft Nordamerika mit Nachdruck an.
NHL-Scouts auf den Tribünen des SAP Garden
Wo immer der EHC Red Bull München aktuell aufläuft, sind regelmäßig Späher verschiedener NHL-Teams anwesend. Der Grund ist das außergewöhnliche Talent von Alberts Smits, der beim kommenden NHL-Draft Ende Juni mit großer Sicherheit in der ersten Runde ausgewählt werden wird. Doch nicht nur er steht im Fokus der nordamerikanischen Talentsucher. Auch Veit Oswald wird intensiv beobachtet, wobei die Bewertungen des jungen Stürmers auf den Tablets und Notizblöcken der Scouts laufend aktualisiert werden.
Das vierte Halbfinalspiel am Dienstagabend im SAP Garden könnte die letzte Gelegenheit für diese Beobachtungen sein. Die Serie steht mit 0:3 deutlich zugunsten der Adler Mannheim, was vor allem an der effizienteren Chancenverwertung des Gegners liegt. Ein Blick auf die statistischen „Expected Goals“ verdeutlicht das Münchner Problem: Während der EHC in den drei bisherigen Partien lediglich fünf Tore erzielte, hätten es laut der zu erwartenden Trefferquote eigentlich elf sein müssen.
Veit Oswald: Der aufstrebende Stürmer mit NHL-Ambitionen
Veit Oswald hat in dieser Saison einen weiteren deutlichen Entwicklungssprung gemacht. Der 21-Jährige besticht durch seine Schnelligkeit auf dem Eis – eine Eigenschaft, die im modernen Eishockey immer wichtiger wird. Ausgebildet beim EV Landshut und von seinem Vater Günter Oswald, einem ehemaligen DEL-Spieler, verfügt er über eine exzellente technische Grundausbildung. Zusätzlich überzeugt er durch mutige Finten und eine zunehmende Effektivität in der Offensive.
In 38 Hauptrundenspielen verbuchte Oswald zwölf Tore und 14 Vorlagen. Nach einer Verletzungspause kehrte er rechtzeitig für die Playoffs zurück und zeigt dort erneut sein Können. Obwohl er nie im NHL-Draft ausgewählt wurde, könnte für ihn in diesem Sommer dennoch der Sprung über den Atlantik gelingen. Im Vorjahr hatten bereits zwei deutsche Spieler ohne Draft-Status NHL-Verträge erhalten, was Oswald Hoffnung macht.
Konkretes Interesse der Edmonton Oilers
Nach Informationen von NHL-Insider Frank Seravalli zeigen mehrere Teams Interesse an Veit Oswald, wobei die Edmonton Oilers besonders aktiv sein sollen. Das Team des deutschen Superstars Leon Draisaitl könnte somit bald einen weiteren deutschen Akteur in seinen Reihen begrüßen. Vater Günter Oswald bestätigte die Gerüchte und merkte an: „An jedem Gerücht ist immer etwas dran.“ Er verwies zudem auf die physische Weiterentwicklung seines Sohnes seit einem Trainingslager bei den Toronto Maple Leafs im Jahr 2024.
„Es ist immer schön, wenn Interesse aus Nordamerika kommt, aber Veit ist auch sehr glücklich in München“, so der ehemalige Spielberater. Sollten Oswald oder Smits tatsächlich NHL-Verträge unterschreiben, würde der EHC München eine Ausbildungsentschädigung erhalten. Ein Abgang Oswalds wäre sportlich jedoch schwer zu kompensieren, da er eine der wertvollen U23-Positionen besetzt und über seltene High-End-Qualität verfügt.
Philipp Krening als möglicher Nachfolger
Positiv für den EHC ist die Entwicklung von Philipp Krening. Der 21-jährige Youngster hat in seiner ersten vollen DEL-Saison in den Playoffs überzeugend auf sich aufmerksam gemacht und könnte langfristig eine Schlüsselrolle übernehmen. Zunächst muss das Team jedoch am Dienstag alles geben, um die Serie noch zu drehen und das vorzeitige Saisonende zu verhindern.



