EHC-Pleite im Playoff-Auftakt: Red Bull München unter Druck nach Derby-Krimi
EHC-Pleite: München nach Derby-Krimi unter Druck

EHC-Pleite im Aggro-Auftakt: "Der Gedanke, jetzt erst recht, ist sehr groß"

Hitzige Duelle, späte Tore und ein beinahe aufgeholter 0:4-Rückstand: Nach dem Auftaktkrimi gegen Ingolstadt steht der EHC Red Bull München im Playoff-Derby unter Druck – und setzt nun auf kontrollierte Emotionen statt Strafzeiten.

Emotionale Hitze im SAP Gardens

Erst tauschten Yasin Ehliz und Leon Hüttl handgreiflich Nettigkeiten aus, dann ließen sich auch die beiden Torjäger Jeremy McKenna und Riley Barber nicht zweimal bitten und wechselten in den Nahkampf. Ein Linesman war zu vernehmen, wie er einen Spieler zurechtwies: "Hör‘ auf! Lass‘ ihn los jetzt!". Einige Sekunden später dröhnte "Another one bites the dust" von Queen aus den Lautsprecherboxen des SAP Gardens.

Und als dann nach Ville Pokkas Direktschuss und dem Beinahe-Ausgleich zum 6:6 die Schluss-Sirene ertönte, wurde nochmals Staub aufgewirbelt, geschubst, gestoßen und so manches "Kompliment" verbal verteilt. Der emotionale Hitze-Pegel war schon recht hoch in Spiel eins der Playoff-Viertelfinalserie des EHC Red Bull München gegen den ERC Ingolstadt.

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Cheftrainer ordnet ein: "Alles sehr normal in den Playoffs"

Nach dem 6:5-Erfolg der Schanzer zur 1:0-Führung dürfte es am Freitag in Ingolstadt in Spiel zwei kaum weniger temperamentvoll werden. "Es ist aufregend für die Leute, natürlich", sagte EHC-Cheftrainer Oliver David und ordnete in ruhigem Ton ein: "Diese Dinge sind im Eishockey alle sehr normal in den Playoffs. Es gehört dazu, dass es aggressiv zugeht, es ist ein Kontaktsport. Und wenn du nicht bereit bist für diese Atmosphäre, dann wird man das ziemlich schnell herausfinden."

Die Defizite der Münchner lagen tatsächlich in anderen Bereichen: Das gefürchtete Umschaltspiel der Ingolstädter kam zu oft zum Tragen, die Tür zur Strafbank öffnete sich zu häufig. Das Ergebnis waren zwischenzeitliche Rückstände von 0:4, 2:5 und 3:6.

"Fast schon Eigentore" und die Lehren daraus

"Es waren fast schon Eigentore", sagte EHC-Rückkehrer Veit Oswald, "es war vom Spiel her nicht so wie sonst. Wir haben blöde Strafzeiten genommen und wenn man Meister werden will, darf man nicht 0:4 in Rückstand geraten."

Das Gute ist nun einerseits, dass dieser Fehlstart in die Derby-Serie reparierbar ist, und andererseits machte die EHC-Schlussphase durchaus Mut. "Wir haben das Handtuch nicht geworfen, das sollte uns Zuversicht geben – und es ist sehr wichtig, dass wir bis zum Ende Druck gemacht haben", befand David.

Späte Tore verändern das Gefühl

"Der Gedanke, jetzt erst recht, ist sehr groß", sagte Oswald. Die drei späten Tore von Tobias Rieder (3:5/56.) und vor allem von Brady Ferguson (4:6/59.) sowie Pokka (5:6/60.) veränderten das Gefühl, obwohl sie an der Niederlage nichts mehr änderten.

Das Rezept für die schnelle und erfolgreiche Antwort skizzierten David und Oswald auch bereits. Die Devise wird sein, die Giftpfeile der Ingolstädter wegzustecken und nicht mit noch mehr Gift zu reagieren.

Emotionskontrolle als Schlüssel zum Erfolg

"Es ist eine Priorität, seine Emotionen zu kontrollieren, hart zu spielen zwischen den Pfiffen der Schiedsrichter, keine Strafzeiten zu nehmen, wenn gepfiffen wurde. Und eben genau bis zu dieser Grenze zu spielen, immer weiter, immer wieder, immer dranbleiben", sagte der Coach.

Der 21 Jahre alte Youngster Oswald erläuterte: "Ich glaube, wir müssen uns mehr auf unser eigenes Spiel konzentrieren, bis zum Pfiff hart spielen und dann diszipliniert zur Bank gehen. Wir lassen sie die Strafzeiten machen. Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht beeinflussen lassen."

Playoff-Mentalität: "Da geht’s brutal zur Sache"

"Sie können gerne hart spielen, sie können gerne unfair spielen, das heißt aber nicht, dass wir etwas ändern müssen. Wir fahren faire Checks zu Ende und zeigen, dass wir uns nicht einfach so schlagen lassen", so Oswald weiter.

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Staub aufgewirbelt wird sicher trotzdem noch genug, Handschuhe werden dem Gegner auch weiterhin unter die Nase gedrückt, die eine oder andere kleine, versteckte Gemeinheit wird auch nicht ausbleiben. "Es sind Playoffs", erinnerte Oswald, "da wird gefühlt nach jedem Pfiff ein bisschen provoziert, da noch einen Schläger, da noch eine Faust. Ich glaube, das war ganz normal, weniger wird es auf jeden Fall nicht. Playoffs sind nicht wie ein normales Hauptrundenspiel, da geht’s brutal zur Sache."

Am Ende wird im übertragenen Sinne einer ins Gras beißen, sprich ausscheiden. Queen hat die passende musikalische Untermalung schon vor 46 Jahren beigesteuert: "I'm gonna get you too!""Ich krieg’ dich auch noch!"