Eishockey-WM: Bundestrainer Kreis unter Druck nach NHL-Absagen
Eishockey-WM: Bundestrainer Kreis unter Druck

Die Nominierung des deutschen Kaders für die Eishockey-Weltmeisterschaft gestaltet sich für Bundestrainer Harold Kreis äußerst schwierig. Nach dem Ende der Finalserie in der Deutschen Eishockey Liga ist die Telefonleitung des Bundestrainers dauernd belegt. Kreis muss viele Gespräche führen, um seinen WM-Kader zusammenstellen zu können. Dabei ist auch Überzeugungsarbeit gefragt, denn aus Nordamerika kommt derzeit eine Absage nach der anderen. Zudem wartet Kreis mehr als zwei Wochen nach dem letzten Saisonspiel der Kölner Haie darauf, ob Routinier und Kapitän Moritz Müller (39) noch Lust auf seine mutmaßlich letzte WM hat.

Finale Vorbereitungsphase beginnt

An diesem Mittwoch kommt das Nationalteam in Mannheim zur finalen Vorbereitungsphase zusammen. Nach dem letzten Test gegen Titelverteidiger und Olympiasieger USA am Sonntag (17.00 Uhr/MagentaSport) geht es einen Tag später nach Zürich. Dort beginnt am 15. Mai gegen Finnland die WM. Den endgültigen Kader wird der Deutsche Eishockey Bund jedoch erst am Mittwoch verkünden. Es gibt, wie zu hören ist, noch zu viele offene Fragen.

Druck nach zwei verkorksten Turnieren

Der Druck nach zwei verkorksten Turnieren ist groß. Für Kreis, Sportchef Christian Künast und den gesamten Deutschen Eishockey Bund gilt: Ein Jahr vor der Heim-WM in Mannheim und Düsseldorf sollte wieder ein Erfolgserlebnis her. Beim Blick auf den aktuellen Kader – noch ohne die Spieler der DEL-Finalisten aus Berlin und Mannheim sowie NHL-Verstärkung – fehlt jedoch ein wenig die Fantasie dafür. Umso verständlicher ist die Emsigkeit des Bundestrainers, der immerhin die besten DEL-Profis nach Partynächten in Berlin oder Enttäuschungen in Mannheim noch zu bekommen versucht.

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WM-Absagen aus Nordamerika

Aus Übersee werden voraussichtlich nur Torhüter Philipp Grubauer (Seattle), Stürmer Joshua Samanski (Edmonton) und eventuell Verteidiger Moritz Seider (Detroit) zum Kader stoßen. Dabei wäre eigentlich fast ein Olympia-Kader mit allen NHL-Stars möglich gewesen. Auch für die Top-Stürmer Leon Draisaitl (Edmonton), Tim Stützle (Ottawa) und JJ Peterka (Utah) ist die NHL-Saison nach Playoff-Enttäuschungen bereits vorbei. Kommen wird von ihnen jedoch keiner, wie Künast inzwischen bestätigte.

„Er war in den Playoffs nie bei 100 Prozent. Er braucht jetzt einfach die Pause“, sagte Künast bei MagentaSport über Draisaitl. Der Frust nach einer verlorenen Saison mit Verletzungspause, frühem Playoff-Aus und verkorksten Winterspielen ist groß beim besten deutschen Spieler, der so sehr auf seine erste Olympia-Teilnahme hingefiebert hatte. Doch die gute Medaillenchance mit der mutmaßlich besten deutschen Nationalmannschaft überhaupt wurde im Februar in Mailand durch das desaströse 2:6 gegen mittelmäßig besetzte Slowaken im Viertelfinale verschenkt, wie die NHL-Stars selbst monierten.

Viel Frust nach Olympia-Enttäuschung

Draisaitl sprach von einer „verbrauchten Chance“ und beschwerte sich später deutlich bei Künast über die Unzulänglichkeiten und Organisation am Rande der Winterspiele. Der DEB-Sportvorstand bestätigte dies erstaunlicherweise selbst. „Er hat Dinge angesprochen, auch außerhalb des Eises, die wir besser machen können“, berichtete Künast. „Zum Beispiel so Dinge wie Verpflegung nach dem Spiel.“ So sollen auch andere Spieler kritisiert haben, dass es in der Kabine nach Spielen kein Essen gab.

Nach Olympia fiel Draisaitl wochenlang verletzt aus, ging für die Playoffs wieder aufs Eis und war dort in sechs Spielen Edmontons erfolgreichster Stürmer. Im Hinblick auf die WM fehle ihm aber nach eigener Aussage „die nötige Spritzigkeit“. Auch Stützle und Peterka sind offiziell angeschlagen.

Insofern hängt viel von den Gesprächen des Bundestrainers ab. Auch für ihn selbst und Künast, der die Verantwortung für die Spielerkritik nach Olympia auf sich nahm. Personelle Konsequenzen gab es bislang jedoch nicht.

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