Eishockey-Legende Moritz Müller rechnet nach Olympia-Vorrunde mit Team ab
Moritz Müller rechnet nach Olympia-Vorrunde mit Team ab

Brandrede von Eishockey-Urgestein Moritz Müller erschüttert deutsches Team

Als langjähriger Kapitän entmachtet und in den ersten beiden Spielen der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand mit läppischen dreieinhalb Minuten gegen Dänemark und nur zwei Minuten gegen Lettland kaum eingesetzt, brodelt es im Eishockey-Urgestein Moritz Müller (39). Nach dem abschließenden 1:5 gegen die USA in der Vorrunde folgte eine Brandrede, mit der niemand gerechnet hatte. Trotz nur eines Sieges (3:1 gegen Dänemark) wurde Deutschland mit Schützenhilfe der Skandinavier (4:2 gegen Lettland) und viel Glück doch noch Gruppenzweiter hinter den Amerikanern.

Qualifikation für Viertelfinale steht bevor

In der Qualifikation für das Viertelfinale trifft das deutsche Team am Dienstag (12.10 Uhr) auf Frankreich. Ein Sieg dort, und am Mittwoch (12.10 Uhr) wartet die Slowakei in der Runde der letzten Acht. Beide Gegner gelten als machbar. Doch Müller macht deutlich: „Das Team hat sich noch nicht gefunden.“ Die sieben NHL-Spieler um Superstar Leon Draisaitl (30) und die 18 anderen Spieler passen seiner Ansicht nach noch nicht zusammen.

Müller vergleicht mit erfolgreichen Teams der Vergangenheit

Der Verteidiger der Kölner Haie stellt klar: „Ich glaube, wir haben im Vorfeld viel über diese Mannschaft gesprochen und wie gut sie ist. Die besten Mannschaften, die ich erlebt habe, waren 2018 und 2023. Da muss diese Mannschaft erst noch hinkommen.“ 2018 gab es Olympia-Silber und fünf Jahre später wurde das DEB-Team Vize-Weltmeister. Müller war bei beiden Erfolgen dabei.

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Die Entscheidung von Bundestrainer Harold Kreis (67), Müller vor dem Turnier als Kapitän durch Draisaitl zu ersetzen und ihn nicht einmal zu einem der beiden Stellvertreter zu machen, kam nicht bei allen gut an. Sportlich scheint der Coach auch nicht auf den Routinier zu setzen. Erst gegen die USA, dem unwichtigsten der drei Spiele, stand Müller über elf Minuten auf dem Eis.

Kritik an Spielweise und Teamzusammenhalt

Müller hatte also viel Zeit, die ersten beiden Spiele unfreiwillig von der Bank aus zu beobachten. „Wir sind wieder in alte Muster verfallen: zu verschnörkelt, zu kompliziert“, analysiert er. Dann geht er auf die NHL-Stars ein: „Wir haben mit Sicherheit die besten Spieler dabei. Aber wir müssen verstehen, wie wir als Mannschaft auf diesem Niveau zu spielen haben. Da braucht es eine geschlossene Team-Leistung und geradliniges Eishockey.“

Konkret meint der 39-Jährige: „Wir haben ganz tolle Eishockeyspieler, die zu den besten der Welt gehören. Aber wir können nicht denken, dass jedes Mal, wenn einer von denen auf dem Eis ist, wir ihm die Scheibe geben und dann ein Wunder passiert. Jede Nation hat Top-Spieler dabei, und wir als Mannschaft müssen einfach besser zusammenspielen, und damit meine ich alle.“

Frage nach Eiszeit der NHL-Stars

Haben die NHL-Spieler seiner Meinung nach zu viel Eiszeit? Müller antwortet diplomatisch: „Das ist nicht meine Entscheidung. Das ist Sache des Trainerteams. Ich kann mir vorstellen, dass jeder gern mehr spielen würde.“ Allen voran er selbst mit seinen Ultrakurz-Einsätzen. Mit seiner Leistung gegen die USA war er zufrieden – und Bundestrainer Kreis übrigens auch.

„Moritz hat sehr gut gespielt. Er hat seine Zeit gut genutzt, war sehr präsent, hat einen sehr guten Eindruck, nicht nur beim Trainerteam, sondern auch bei der Mannschaft, hinterlassen“, lobt der Deutsch-Kanadier. Müller bestätigt: „Ich versuche, so zu spielen, wie ich immer gespielt habe. Ich kann ja gar nicht anders. Ich habe geradlinig gespielt und eine gute Partie gemacht.“

Müller bleibt wichtige Stimme im Team

Der Ex-Kapitän genießt nach wie vor einen immens hohen Stellenwert im Team. „Es ist richtig, dass ich nicht das C auf der Brust brauche, um gehört zu werden. Ich sage das, was ich sagen möchte“, betont er selbstbewusst. Nun geht es gegen Frankreich, das zweitschlechteste Team nach der Vorrunde mit nur einem NHL-Spieler.

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Warnung vor Selbstüberschätzung

Ist das ein Pflichtsieg? Müller holt wieder aus: „Man kann auch die Amerikaner schlagen. Man muss demütig genug sein, dass wir gegen jeden Gegner hier verlieren können. Das muss in unseren Kopf rein. Grundtugenden, die uns immer ausgezeichnet haben, die müssen immer da sein, egal, wie gut die Spieler sind. Dann ist auch Frankreich lösbar.“

Das erste Drittel gegen die USA würde er gern als Blaupause nehmen. „Unsere Benchmark“, sagt Kreis. Und Müller fordert: „Wir müssen uns die ersten 20 Minuten anschauen und daraus 60 machen.“ Ob das deutsche Team diese Mahnung umsetzen kann, wird sich in den kommenden entscheidenden Spielen zeigen.